Wertheim

Abschluss An der Comenius Realschule starteten am Mittwoch 137 Schüler mit Deutsch in die Prüfungen / Am Beruflichen Schulzentrum ist Organisation der Prüfungen ein gewaltiger Kraftakt

Manches gleich, vieles anders als gewöhnlich

An der Comenius Realschule und dem Beruflichen Schulzentrum haben die Prüfungen begonnen. Corona prägt den Ablauf.

Bestenheid. Die Aufgabenstellungen der Deutschprüfungen zur Mittleren Reife sind wie jedes Jahr und auch die Tatsache, dass die Prüfung für die 137 Schüler der zehnten Klassen der Comenius Realschule an einem Mittwoch mit dem Fach Deutsch beginnt. Aber sonst ist vieles anders durch Corona: Geschrieben wird nicht wie in den vergangenen Jahren mit allen Prüflingen in der Main-Tauber-Halle, sondern in insgesamt zwölf Klassenzimmern.

Gelerntes abgerufen

Denn aufgrund der Hygienebestimmungen darf jeweils nur eine halbe Klasse in einen Raum. Daraus ergibt sich auch die Zahl von 28 aufsichtführenden Lehrern – normalerweise sind es acht. Doch sobald pünktlich um acht Uhr die Jugendlichen die Blätter umdrehen und ihre zentral gestellten Aufgaben einsehen durften, wurde die Umgebung ohnehin ausgeblendet und die Zehntklässler konzentrierten sich darauf, das abzurufen, was sie in den vergangenen Jahren gelernt haben.

Im Fach Deutsch gibt es vier Wahlmöglichkeiten für den vierstündigen Aufsatz: Mehr als drei Viertel haben sich für den produktiven Umgang mit der diesjährigen Prüfungslektüre „No & ich“ von Delphine de Vigan entschieden. In dem in Frankreich spielenden Jugendbuch geht es um die Bekanntschaft einer hochbegabten 13-Jährigen mit einer obdachlosen jungen Frau. Die Schüler sollten in einem inneren Monolog der Hauptperson die Ereignisse Revue passieren zu lassen.

Für die Gedichtbeschreibung hat das Ministerium eine humorvolle Auseinandersetzung Joachim Ringelnatz’ mit der Beeinflussung durch Werbung im Gedicht „Reklame“ ausgesucht. Allerdings entschieden sich nur 13 dafür. Etwas mehr Anklang fand die Kurzgeschichte „Wenn Schule Schule macht“ von Hajo Frerich. Thematisiert sie doch eine Problematik aus der Lebenswelt der Schüler: Chancen und Grenzen des gemeinsamen Aushandelns von Regeln, wie es im Politikunterricht vermittelt wird. 20 Zehntklässler setzten sich hiermit auseinander.

Dass das diesjährige Jahresthema „Digitalisierung“ so ein Gewicht bekommen würde, konnte im Herbst noch niemand ahnen, als die Schüler begannen, ihr Textkompendium zu erstellen. In der Prüfung hatten die Prüflinge die Aufgabe, mit Hilfe ihrer bearbeiteten Quellen als Schülersprecher in einer Rede Chancen und Herausforderungen für Schulen durch die Digitalisierung darzustellen. Trotz der hohen Aktualität wählten nur vier Schüler diese Rede.

Nächste Woche werden die schriftlichen Abschlussprüfungen mit Mathematik und Englisch fortgesetzt. Auf Grund der mehrwöchigen Schulschließung haben die Schüler zusätzliche Wahlmöglichkeiten zwischen den Aufgaben. Auch, dass Erst- und Zweitkorrektor aus der eigenen Schule kommen, ist ein coronabedingtes Novum.

Doch eines wird sein wie jedes Jahr: Die Freude und Erleichterung der jungen Menschen, wenn sie als Belohnung für ihre Anstrengung ihre Mittlere Reife in der Tasche haben. Auch wenn sie dieser Freude nur im kleinen Kreis Ausdruck verleihen dürfen – denn die Entlassfeier in der Main-Tauber-Halle musste ebenfalls abgesagt werden.

Am Beruflichen Schulzentrum war die Vorbereitung der Prüfungen ein gewaltiger Kraftakt, wie die stellvertretende Schulleiterin Andrea Holtfrerich berichtet. Dort machte am Dienstag das Kaufmännische Berufskolleg den Anfang, am Mittwoch begann dann für das Berufliche Gymnasium das Abitur.

Freitag ist „Großkampftag“

Ein „Großkampftag“ stehe am Freitag an, so Holtfrerich, wenn die Abiturienten mit dem Profilfach weitermachen, die zweijährige Berufsfachschule in die Prüfungen startet und die Berufsschüler ihr Fremdsprachenzertifikat ablegen. Auch in den kommenden Wochen ist das Programm nicht weniger voll. Denn durch die Schulschließung und das verschobene Abitur ballten sich nun die Prüfungen, wie Holtfrerich berichtet, während sie sonst viel gestreckter ablaufen würden.

So legen in enger Abfolge sämtliche rund 320 Schüler der Abschlussklassen ihre Prüfungen ab. Hinzu kommen die verschiedenen Änderungen, die sich aus der Pandemie ergeben. So erfolgt beispielsweise wie bei der Realschule die Zweitkorrektur des Abiturs im eigenen Haus, die Drittkorrektur falle komplett weg.

An der zweijährigen Berufsfachschule konnten sich die Schüler entscheiden, ob sie die praktische Prüfung wegfallen lassen. Eine Möglichkeit, die sämtliche Schüler nutzten. „Da gibt es viele Bereiche, in denen man den nötigen Abstand nicht einhalten kann“, erklärt Andrea Holtfrerich. Den Berufsschülern ist es freigestellt, ob sie die Prüfungen in Deutsch und Gemeinschaftskunde weglassen.

Die Rückmeldungen der Schüler selbst seien sehr unterschiedlich: „Manche haben die Unterbrechung sehr gut gemeistert, anderen ist es unheimlich schwer gefallen“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin. Dass die Schüler fachlich gut für die Prüfungen gewappnet seinen, daran hat sie keinen Zweifel. „Wir waren mit der Vorbereitung eigentlich schon vor der Schließung so weit und die Schüler konnten ihre Fragen in den vergangenen zwei Wochen loswerden.“ Als größeres Problem betrachtet Holtfrerich die psychische Belastung durch die aktuelle Ausnahmesituation. Darauf reagierten die Schüler ebenfalls individuell recht verschieden.

Viel Organisationsarbeit

Sehr zufrieden ist Andrea Holtfrerich mit der Leistung von Schulleitung und Kollegium im Vorfeld sowie während der Prüfungen. Allein die Verteilung der Schüler im Gebäude habe einiges an Organisation erfordert. Die Lehrer seien mit Aufsichten, Korrekturen und Fernlernen momentan doppelt und dreifach belastet. Zumal rund ein Drittel der Lehrkräfte zur Risikogruppe gehöre und so nicht vor Ort eingesetzt werden könne. Trotzdem sei alles reibungslos abgelaufen: „Wir waren gut vorbereitet.“

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