Wertheim

Pandemie Wertheim bei Corona-Infektionen derzeit im Landkreis an der Spitze / Diffuses Infektionsgeschehen lässt sich nicht auf wenige Quellen zurückführen

Lenkungsstab der Stadt rechnet mit verschärften Regeln statt mit Lockerungen

Archivartikel

Wertheim.Mit Sorge beobachtet der Corona-Lenkungsstab die steigenden Infektionszahlen in Wertheim. Mit über 40 aktiv Infizierten „stehen wir im Landkreis leider an der Spitze“, wird Bürgermeister Wolfgang Stein in einer Pressemitteilung zitiert. Das Gesundheitsamt habe demnach die Einschätzung bestätigt, dass das Infektionsgeschehen diffus ist. Es lässt sich nicht auf einige wenige Quellen zurückführen. Die Einschränkung der sozialen Kontakte, die seit Anfang November verordnet ist, behalte hohe Priorität.

Das bestätigte Ordnungsamtsleiter Volker Mohr nach Gesprächen, die man bei Quarantänekontrollen mit Erkrankten geführt hat: „Häufig werden private Treffen als Infektionsquelle genannt.“ Manche erzählten von heftigen Krankheitssymptomen. „Für das Verleugnen oder Verharmlosen von Corona gibt es kein Verständnis,“ schloss Volker Mohr seinen Erfahrungsbericht.

Angesichts der landes- und bundesweiten Entwicklung geht der Lenkungsstab nicht davon aus, dass der „Lockdown light“ Ende November beendet wird: „Wir müssen uns eher auf Verschärfungen einstellen.“

Seit 8. November ist eine neue Quarantäneverordnung in Kraft, die viele Nachfragen beim Ordnungsamt auslöst. Generell dauert die Quarantäne jetzt nicht mehr 14, sondern zehn Tage. Durch Vorlage eines negativen Testergebnisses kann sie verkürzt werden, der Test darf aber frühestens fünf Tage nach der Einreise durchgeführt werden. Allerdings regelt die neue Verordnung Ausnahmen von der Quarantänepflicht. Sie sind jeweils gekoppelt mit zeitlicher Begrenzung der Einreise oder des Aufenthalts im Ausland oder im Risikogebiet. „Die Ausnahme wird durch die neue Verordnung zur Regel. Wir können nicht schablonenartig entscheiden, sondern müssen jeden Einzelfall prüfen,“ so Mohr. Insgesamt stelle man in Wertheim eine rege Reisetätigkeit fest, „überwiegend aus beruflichen und familiären Gründen.“

Die Verfügbarkeit der Intensivbetten im Landkreis liegt nach dem DIVI-Ampelsystem derzeit „im gelb-grünen Bereich“. Krankenhausdirektorin Cornelia Krause wies im Lenkungsstab darauf hin, dass für die Versorgung von Corona-Patienten die Personalausstattung der entscheidende Faktor sei und verwies auf die Erkältungszeit. Hoch qualifizierte Pflegekräfte in der intensivmedizinischen Betreuung ließen sich nicht ohne weiteres ersetzen. In der Vergangenheit hatte sich die Leitung den FN gegenüber nicht konkret zur Situation in der Klinik geäußert.

Auch im Kindergartenbereich bereitet die Erkältungs- und Grippezeit Sorgen. „Krankheitsbedingte Ausfälle beim Fachpersonal können kaum noch ersetzt werden“, schilderte Fachbereichsleiter Helmut Wießner die Entwicklung. Familien werden auf mögliche Szenarien vorbereitet, die bei personellen Engpässen oder einem Infektionsfall greifen. Die Verwaltung frage vorsorglich den Bedarf an der unbedingt erforderlichen Betreuung ab. stv

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