Wertheim

OB-Wahl Markus Herrera Torrez wird jüngster Oberbürgermeister Deutschlands

Kurzer Wahlkampf, großer Sieg

Archivartikel

Nach einem kurzem, knackigem Wahlkampf stand der Sieger fest: Markus Herrera Torrez ist neuer Oberbürgermeister Wertheims.

Wertheim. Es war ein kommunalpolitischer Paukenschlag: Die Wertheimer wählten am 3. Februar Markus Herrera Torrez zu ihrem neuen Oberbürgermeister – mit überwältigender Mehrheit. 63,6 Prozent der Stimmen entfielen auf den 30-Jährigen, der sich damit unerwartet klar gegen Bürgermeister Wolfgang Stein und den dritten Kandidaten Gerhard Wolf durchsetzte. Herrera Torrez ist der erste Sozialdemokrat seit 37 Jahren, der in der Main-Tauber-Stadt auf dem Rathaus-Chefsessel Platz nimmt – als jüngster Oberbürgermeister Deutschlands. Parallele in der Geschichte: Sein Parteigenosse Karl-Josef Scheuermann war bei seiner Wahl 1961 mit 34 Jahren der jüngste Bürgermeister Baden-Württembergs.

Es war ein kurzer, knackiger Wahlkampf, aus dem der junge Lauffener als Sieger hervorging. Mit knapper Mehrheit hatte der Gemeinderat den Wahltermin auf Anfang Februar gelegt und die Länge des Wahlkampfs faktisch auf etwas mehr als vier Wochen begrenzt. Zunächst schien dies ein Vorteil für Bürgermeister Wolfgang Stein zu sein. Als Stellvertreter des erkrankten OB Stefan Mikulicz hatte er schon zwei Jahre die Geschäfte im Rathaus geführt. Mit seiner Erfahrung und der Bekanntheit im Rücken sollte es ein Einfaches sein, die Wahl für sich zu entscheiden.

Bekanntlich kam es anders. Markus Herrera Torrez gab seine Kandidatur unmittelbar nach dem Jahreswechsel bekannt und legte sofort los. Das klassische Programm: Plakate, Hausbesuche, Abendveranstaltungen, Gespräche mit der Presse. Aber auch die sozialen Medien setzte er geschickt ein.

Schockwellen

„Herrera Torrez inszenierte perfekten Wahlkampf“ titelten die Fränkischen Nachrichten nach dem Urnengang in einer Analyse. Viele Helfer des SPD-Ortsvereins und der Grünen, dessen Unterstützung sich Herrera Torrez gesichert hatte, verteilten intensiv Informationsmaterial. Kein Briefkasten war davor sicher. Seine Botschaften kamen im wahrsten Sinne des Wortes an. Bürgermeister Wolfgang Stein indes vermochte es nicht, die Bürger von seiner Qualifikation zu überzeugen. Er musste eine bittere Niederlage hinnehmen. Stein nahm sie auch persönlich. Über Wochen tauchte er nicht in der Öffentlichkeit auf, befand sich im Krankenstand.

Es gab lediglich ein Pressegespräch – etwa zwei Wochen nach dem Urnengang. Die Schockwellen des Wahlbebens trafen auch die CDU. Bei den Kommunalwahlen im Mai verlor sie mehr als elf Prozentpunkte und fünf von elf Sitzen – auch wegen der von ihr forcierten Verkleinerung des Gremiums. Markus Herrera Torrez hat die ersten Monate seiner Amtszeit ohne größere Herausforderungen hinter sich gebracht. Es gab eine Niederlage bei der Abstimmung um die Hauptsatzung, die er sich gewünscht hatte.

Obwohl: Niederlage, dieses Wort mag er nicht so recht: „Eine Niederlage habe ich am Sonntag auf dem Fußballplatz mit dem FC Eichel gegen Külsheim kassiert“, antwortete der aktive Kicker auf dem Kurznachrichtendienst auf eine entsprechende Meldung der FN. „Am Montag gab es eine demokratische Abstimmung über einen Geschäftsordnungsantrag, in der die Stadträte mehrheitlich entschieden haben.“

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