Wertheim

Nachwuchs Grundstein für die Jugendfeuerwehr und die aktive Wehr im Erwachsenenalter soll bereits in jungen Jahren gelegt werden

Kinder früh für die Wehr begeistern

Archivartikel

Um Kinder für die Feuerwehr zu begeistern, ist es wichtig, sie möglichst früh an die Organisation zu binden. Neue Chancen bietet hier die Kinderfeuerwehr.

Bettingen/Kreuzwertheim. Die Jugendfeuerwehren gelten als wichtige Nachwuchsschmiede für den aktiven Dienst bei den Freiwilligen Feuerwehren. Allerdings dürfen die Jugendfeuerwehren in Baden-Württemberg erst Kinder ab zehn Jahren, in Bayern sogar erst ab zwölf Jahren in den Übungsdienst aufnehmen. „Immer wieder haben Eltern nachgefragt, wann ihre Kinder zur Jugendfeuerwehr dürfen.

Viele Kinder wollten außerdem nicht warten, bis sie zehn Jahre alt sind“, erklärt Daniel Tessmer, stellvertretender Jugendwart der Jugendfeuerwehr Wertheim, Abteilung Bettingen, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Aus Sicht von Jan Klüpfel, Betreuer der Kinderfeuerwehr Kreuzwertheim, kommt hinzu, dass Kinder bei anderen Vereinen schon früher starten können und so bereits feste Hobbys haben. Diese Kinder würden der Jugendfeuerwehr später häufig fehlen.

Um dem Trend entgegen zu wirken, etablieren sich in immer mehr Orten Kinderfeuerwehren oder Jugendgruppen der Jugendfeuerwehr. In Bettingen entwickelte man die Idee dafür vor etwa zwei Jahren.

Erfahrungsaustausch

„Wir wollen so der Nachfrage der jüngeren Kinder gerecht werden“, so Tessmer. Weiterhin sei eine frühere Bindung an die Institution Feuerwehr sicherlich von Vorteil, um den Nachwuchs frühzeitig sichern zu können. Während der Planungsphase nutzten die Bettinger die Beratung durch die Kreisjugendfeuerwehr. Zudem haben zwei Jugendgruppenleiter ein überregionales Kindergruppenseminar absolviert, bei dem Erfahrungen ausgetauscht wurden.

Aktuell ruht das Projekt Kinderfeuerwehr in Bettingen jedoch. „Die örtlichen Gegebenheiten im Feuerwehrhaus sind aktuell noch ungeeignet. Im geplanten Neubau eines Feuerwehrgerätehauses sollen dann geeignete Räumlichkeiten vorhanden sein“, so Daniel Tessmer. Zudem sei bei Kindern von sechs bis zehn Jahren ein erhöhter personeller Aufwand erforderlich, idealerweise mit pädagogischem Hintergrund.

Über eine längere Erfahrung mit einer Jugendgruppe in der Jugendfeuerwehr verfügt man in Kreuzwertheim. „Historisch wurde die Kinderfeuerwehr als Jugendgruppe im Jahr 1989 mit zwei Gruppen von sechs bis neun und zehn bis 13 Jahren gegründet“, blickt Klüpfel zurück.

Damals habe das Aufnahmealter für die Jugendfeuerwehr allerdings noch bei 14 Jahren gelegen. „Dieses wurde erst zum 1. August 1998 auf zwölf Jahre gesenkt“, informiert er. Nach einigen Jahren sei die Jugendgruppe aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen für einige Jahr entfallen. 1999 wurde sie bis zum Jahr 2004 wiederbelebt.

Aufnahme ab dritter Klasse

Nach der folgenden Pause ist sie mit der jetzigen Leiterin Anke Schütz seit 2010 wieder aktiv. Zur heutigen Kinderfeuerwehr Kreuzwertheim gehören Kinder ab acht Jahren. „Grundsätzlich ist es laut aktuellem bayerischem Feuerwehrgesetz erlaubt ab sechs Jahren eine Kinderfeuerwehr einzurichten. Die Feuerwehr Kreuzwertheim hat sich dazu entschlossen, das schon vorher angewandte Aufnahmealter ab der dritten Klasse aufrecht zu erhalten“, meint Jan Klüpfel.

Grund dafür seien die unterschiedlichen Interessen von sechs- oder zwölfjährigen Kindern. Das wäre nach unserer Auffassung nur mit zwei getrennten Kinderfeuerwehrgruppen möglich. Dafür sei allerdings die Mitgliederzahl zu gering, heißt es aus Kreuzwertheim.

In der Kinderfeuerwehr geht es nicht um eine feuerwehrtechnische Ausbildung, wie bei der späteren Jugendfeuerwehr. Bei den wöchentlichen Treffen im Kreuzwertheimer Feuerwehrhaus stehen gemeinsames Spiel und Spaß im Vordergrund.

Spiele, Feieren und Ausflüge

„Wir spielen zum Beispiel Verstecken im Gerätehaus oder andere Spiele und Basteln gemeinsam“, erklärt Anke Schütz. Hinzu kommen Feiern und Ausflüge, teilweise gemeinsam mit den Mitgliedern der Jugendfeuerwehr. Ziel des Ganzen sei es, dass die Kinder eine positive Bindung zur Jugendfeuerwehr aufbauen, ergänzt Klüpfel. Im Sommer sind Spiele rund ums Wasser besonders beliebt. So hat man spezielle kindgerechte Hohlstrahlrohre angeschafft, mit denen unter anderem auf Ziele gespritzt wird.

Die elfjährigen Kinderfeuerwehrmitglieder Maximilian, Magnus und Elina sind sich einig: In der Gruppe kann man viel Spaß haben. Auch ihnen gefallen die Spiele mit Wasser am Besten. Alle drei haben einen familiären Bezug zur Feuerwehr der Marktgemeinde. „Wir werden mit zwölf Jahren in die Jugendfeuerwehr wechseln“, sind sie sich einig.

Seit 1999 wurden insgesamt 19 Kinder der Jugendgruppe in die Jugendfeuerwehr übernommen, von denen später 17 in den aktiven Feuerwehrdienst gewechselt sind“, zog Klüpfel eine positive Bilanz. Bei der Auswertung dieser Zahlen müsse man beachten, dass nur die Feuerwehr Kreuzwertheim eine Kinderfeuerwehr anbietet und somit auch Kinder aus den Kreuzwertheimer Ortsteilen und Hasloch mitmachen. Diese würden dann in die jeweilige Jugendfeuerwehr wechseln.

Reger Wechsel

Betrachte man die vergangenen zehn Jahre, wechselten sechs Kinder in die Jugendfeuerwehr. Zeitgleich kamen dort sieben Jugendliche dazu, die zuvor nicht in der Jugendgruppe waren.

Mittelmäßige Übergangsquote

„Aus Sicht der Feuerwehr Kreuzwertheim lässt sich sagen, dass die Übernahmequote zur Jugendfeuerwehr mittelmäßig ist.“ Allerdings habe die Vergangenheit gezeigt, dass diejenigen, die den Wechsel von der Kinderfeuerwehr zur Jugendfeuerwehr vollziehen, in den meisten Fällen auch im aktiven Dienst ankommen. Jan Klüpfel: „Und genau darum geht es bei der Einrichtung einer Kinderfeuerwehr.“