Wertheim

Einzelhandel Plattform „Lokalhelden-Wertheim“ seit fünf Monaten online / Geschäftsinhaber ziehen bisher durchwachsenes Resümee

Kein Shopping-Portal – eher Schaufenster

Archivartikel

Als der Lockdown den Einzelhandel lahmlegte, schufen Stadt und Stadtmarketing-Verein eigens eine Homepage für die Gewerbetreibenden. Doch der große Erfolg blieb aus.

Wertheim. Man wolle mit der Homepage „die Sympathie zum Wertheimer Einzelhandel“ manifestieren – dies sagte Innenstadtmanager Christian Schlager Anfang April, als er gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Stadtmarketing-Vereins, Bernd Maack, die neu kreierte Internetplattform vorstellte. Unter www.lokalhelden-wertheim.de konnten sich die Einzelhändler während des Lockdowns mit ihren Produkten kostenlos präsentieren.

Neben dem Biolandhof Klein, dem Kaffeeraum, Leder Jäger und dem Glasmuseum sind fünf Monate nach dem Start insgesamt 24 Gewerbetreibende auf dieser lokalen Plattform zu finden.

Orientiert haben sich die Wertheimer an dem Vorbild in Buchen. Denn die Stadt und der Einzelhandel waren dank Unterstützung relativ schnell und erfolgreich mit ihrer eigens für den Handel geschaffenen Homepage während des Lockdowns am Start. Andere Städte dagegen, wie Tauberbischofsheim, sind an dieser Aufgabe gescheitert.

Altes Thema

„Die Forderung, dass der regionale Handel sich im Internet stärker engagiert, ist eigentlich ein altes Thema. Das verfolge ich schon die ganze Zeit“, sagt Maack. Er verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Wertheim den Stadtmarketingpreis Baden-Württemberg auch gewonnen habe, weil in ihrem Konzept eine solche, den Handel unterstützende Homepage vorgesehen war.

Doch eigentlich beiße sich seiner Meinung nach das regionale Kaufverhalten mit dem digitalen Shopping. Denn der Händler vor Ort habe oft nicht die Ressourcen, sein Angebot online ständig zu pflegen. „Diese Aufgabe kann ein kleiner Ein- oder Zwei-Mannbetrieb gar nicht managen“, so Maack. Mit dem Lockdown jedoch habe sich die Situation der Händler etwas verändert. Also stand die Frage im Raum: Wann, wenn nicht jetzt, diese gemeinsame Plattform der Wertheimer Händler ins Leben rufen? „Wir haben diese Homepage in der Stunde der Not mit einem Mörderaufwand gewuppt“, erinnert sich Christian Schlager.

Er sieht diese Homepage inzwischen nicht nur als reines Shopping-Portal, sondern eher eine Plattform, die Schaufenster-Charakter hat. „Die Leute bestellen nicht unbedingt, lassen sich aber inspirieren, rufen im Geschäft an, kommen, kaufen und besuchen vielleicht auch noch das Nachbargeschäft“, meint er. Bernd Maack als Inhaber eines Optiker-Fachgeschäfts bestätigt dies. „Mir war bewusst, dass wir darüber nichts verkaufen. Für uns ist die Präsenz auf der Homepage eher eine Präsentation“, sagt Maack. Ein Grund dafür war, dass die Optiker während des Lockdowns weiterhin geöffnet hatten. Außerdem ist für Maack eine Brille kein Produkt, dass der Kunde im Internet regional kauft. „Was wir anbieten und womit wir punkten, ist ein Rundum-Service. Und genau das unterscheidet uns von den Punkt-de Angeboten.“

Schwierig zu pflegen

Beinah genau die gleichen Aussagen trifft auch Heidi Schmidt. Sie betreibt in der Innenstadt „ Heidi’s Wäschelädle“. Auch ihr Geschäft ist auf der Homepage der Lokalhelden vertreten. „Diese Homepage ist eine tolle Sache, aber es ist schwierig, sie nebenbei noch zu pflegen. Dafür bräuchte man Personal. Und dann hätte man ganz sicher auch eine sehr gute Resonanz.“ Dennoch hat auch Heidi Schmidts Auftritt auf der Homepage kleine Erfolge nach sich gezogen. Weil sie auf der Homepage Angebote von Sportfunktionswäsche eingestellt hat, habe dies neugierig gemacht. „Aber die Kunden kamen dann hier in das Geschäft, denn sie haben Beratung gebraucht. Diese Beratung zeichnet mich doch aus. Und das kann ich online nicht anbieten.“ Der Kontakt zu ihren Kunden fand während des Lockdowns übrigens überwiegend per Mail und Telefon statt.

Einer der Lokalhelden, der auch auf der Homepage vertreten ist, ist die Burgkellerei Michel. „Diese spezielle Homepage einzurichten, war doch eine schöne Idee von der Stadt, um die Läden in der Innenstadt zu unterstützen. Bei so etwas Innovativem sind wir immer bereit, mitzumachen“, sagt Konrad Michel.

Der Fachhändler hat speziell für das Angebot auf der Homepage ganz besondere Weinpakete zusammengestellt. „Am Anfang kamen durchaus Bestellungen über das Portal und es wurde in der Bevölkerung auch darüber gesprochen. Von daher war der Werbeeffekt schon sehr groß.“

Nicht nur meckern

Allerdings ging auch bei der Weinhandlung nach Öffnung der Geschäfte der Absatz über diese Homepage deutlich zurück. Michel führt das darauf zurück, dass das Angebot auf dieser Plattform von ihnen nicht weiter ausgebaut wurde.

Trotzdem zieht er derzeit ein positives Resümee. „Generell finde ich die Bündelung auf dieser Homepage eine ganz tolle Sache. Man darf nicht immer nur meckern, sondern sollte auch die positiven Dinge sehen und froh sein, dass überhaupt etwas gemacht wurde.“

Anders als Unterwäsche oder Brillen sind Bücher ein Produkt, das gern mal über das Internet gekauft wird. Doch Angelika Hörnig vom Buchhandlung Buchheim hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten ihrer Kunden nicht über die Lokalhelden-Homepage Bücher bestellt haben, sondern über die digitale Suche direkt auf die eigene Internetseite gelangt sind.

Wie viele Nutzer allerdings von der Lokalhelden-Seite weiter auf den Link des Buchladens gelangten, kann nicht festgestellt werden. Genau wie Heidi Schmidt war auch Angelika Hörnig während des Lockdowns jeden Tag im Geschäft. Auch hier hielten Kunden überwiegend per Mail oder Telefon Kontakt und orderten darüber ihre Bestellungen.

In einem Punkt sind sich die Einzelhändler einig: seit die Geschäfte wieder öffnen durften, läuft der Absatz über diese Homepage nur noch recht schleppend.

Verknüpfung fehlt

Als Ursache dafür sieht Schlager nicht nur die ausbleibende Bestückung mit weiteren Angeboten, sondern auch die fehlende Verknüpfung zu anderen Begleitmedien und den damit verbundenen zusätzlich von den Inhabern zu stemmenden Zeitaufwand. „Außerdem ist es schwierig, im Wettbewerb der digitalen Plattformen eine so kleine ins Bewusstsein der Menschen zu rücken“, meint er.

Am Scheideweg

Damit ist klar, die Zukunft der Homepage steht am Scheideweg. „Soll sie als Schaufenster bleiben, muss zumindest eine bestimmte Anzahl an Gewerbetreibenden auf dieser Plattform aktiv sein“, so der Innenstadtmanager.

„Ich hoffe, diese Internetseite hat eine Zukunft“, wünscht sich Bernd Maack. Auch in seinen Augen hängt viel davon ab, wie sie „befüttert“ wird und wie stark andere Interessenten darauf zuzugreifen. Eine Möglichkeit wäre es in seinen Augen, die Seite mit anderen Inhalten, die stärker frequentiert werden, zu füllen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch Schlager plädiert für den Erhalt als zweites Standbein für die Händler.

Eine Entscheidung über das weitere Betreiben könnte am 29. September fallen. Dann treffen sich die Mitglieder des Stadtmarketing-Vereins zu ihrer Jahreshauptversammlung auf der Burg.

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