Wertheim

Erinnerung an Kriegsende Johannes Schwab und Stadtbaumeister Armin Dattler stellten in Nassig die geplante Stele vor / Wertheim vor Zerstörung gerettet

Jedes Profil fließt in die Gedenkstätte ein

Archivartikel

Bei einer Sitzung des Ortschaftsrats in Nassig stellten Johannes Schwab und Armin Dattler die Pläne für das Erinnerungsprojekt auf der Burg vor.

Nassig. „Zeigen Sie Profil“. So beendete Ortsvorsteher Volker Mohr am Dienstag die Ortschaftsratssitzung in Nassig. Und er meinte das in doppeltem Wortsinn. Denn er warb gemeinsam mit dem Künstler Johannes Schwab nicht nur dafür, sich gegen Krieg und Intoleranz auszusprechen, sondern auch ganz konkret, seine Profillinie in die geplante Gedenkstätte für die Wertheimer Heinrich Herz und Anton Dinkel auf der Burg einzubringen.

Es war die erste einer Reihe von Veranstaltungen, in denen die Bürger über das Projekt und die Beteiligungsmöglichkeiten informiert wird. Nachdem das Projekt 2015 auf Anregung von Pro Wertheim gestartet war, gab es viele Diskussionen, wie man der beiden Männer würdig gedenken könne, die am 1. April 1945 durch Hissen der weißen Fahne auf der Burg wohl verhindert haben, dass die US-Streitkräfte die Altstadt zerstörten.

Zunächst berichtete Stadtbaumeister Armin Dattler. Er zeigte die Historie auf. Einig sei man sich gewesen, dass man die beiden Männer präsenter darstellen wollte als durch die Gedenktafel auf der Burg. Die Idee, einen Platz oder eine Straße entsprechend zu benennen, habe das Fachgremium, bestehend aus Mitgliedern des Gemeinderats, des Denkmalamts, von Fachleuten und Stadtführern, verworfen.

Bürgerprojekt

Dann sei Johannes Schwab hinzugezogen worden, der daraus ein Bürgerprojekt gestartet hat. Die Stele, die dabei herauskommen soll, wurde auf der Sitzung des Ortschaftsrats im Verhältnis eins zu drei zu der auf der Burg geplanten vorgestellt.

Außerdem zeigte der Johannes Schwab das Porträt mit eigener Profillinie, das jeder erhält, der bereit ist, 180 Euro zu spenden. Dabei gehen 100 Euro direkt ins Projekt, 80 Euro werden für das Material des persönlichen Porträts verwendet. Die Profillinien der einzelnen Porträts werden in die Stele integriert und bilden dann dort die Fußabdrücke. 40 Porträtlinien benötige er für einen Abdruck, 500 für die ganze Stele. Die Besucher der Ortschaftsratssitzung regten an, eine Liste zu erstellen, damit nachher jeder Spender weiß, an welcher Stelle im Kunstwerk sein Konterfei zu finden ist.

Man merkte beiden Rednern an, dass es sich für sie um ein Herzensprojekt handelt. Schwab meinte, er habe bewusst auf ein Honorar für die persönlichen Porträts verzichtet, werde aber natürlich bei Fertigstellung für die Stele entlohnt. Davor stehe aber ein großes künstlerischer Risiko. Bei der Technik mit „dem Wertheimer Werkstoff Glas“ hat er nur einen Versuch, die Fußbabdrücke aus der gerußten Scheibe herauszukratzen. „Dieses Material erlaubt keine Fehler oder Retuschen“, sagte er .

Nur eine Chance

Dafür habe er sich bewusst entschieden. „Denn auch Herz und Dinkel hatten nur genau eine Chance, das zu tun, was sie getan haben.“

Der Kosten für das Projekt sind auf etwa 100 000 Euro angesetzt, 20 000 davon habe die Stadt in den Haushalt eingestellt.

Aber nicht nur wegen der Finanzierung seien die spendenden Bürger wichtig, sondern auch, damit es wirklich ein Bürgerprojekt wird. Er wolle keine fiktiven Linien, betonte Schwab. Denn die Menschen, derer damit gedacht wird, waren ebenfalls nicht fiktiv.

„Ich erlebe den Umgang mit der Erinnerungskultur teilweise ein bisschen wie in Schockstarre. Und gerade die jüngsten Ereignisse zeigen, dass es keinen gesellschaftlichen Konsens mehr darüber gibt“, sagte er. Deshalb sei das Projekt so wichtig.

Man habe sich entschlossen, neben Info-Stelen zu Herz und Dinkel sowie zur Zerstörung Nassigs ein Zitat von Richard von Weizsäcker anzufügen, in dem er die jungen Menschen auffordert, sich nicht in den Hass hineintreiben zu lassen und miteinander leben zu lernen.

„Wir sind 23 500 Wertheimer, 1500 Nassiger. Da müsste das doch zu schaffen sein“, zeigte sich Mohr optimistisch. Und hofft, dass von diesem ersten Treffen in Nassig eine Schneeballwirkung hinein in die anderen Ortschaften und Stadtteile geht. Die zahlreichen Besucher der Veranstaltungen zeigten sich auf jeden Fall sehr interessiert. Wer sich beteiligen will, kann erreicht das Atelier Schwab per Mail: atelier@johannes-schwab.com

Zum Thema