Wertheim

Convenartis Kabarettist Mathias Tretter füllte mit seiner neuen Show "Pop" die Stuhlreihe

Ironisch und frech mit viel Wortwitz

Archivartikel

Wertheim.Mathias Tretter gehört mittlerweile zu den ganz Großen des Kabaretts. Und mit seinem neuen Programm "Pop" schaffte er es, sämtliche Stuhlreihen im Gewölbekeller bei Convenartis in der Mühlenstraße in Wertheim zu füllen.

"Pop", das steht für Politkomik ohne Predigt. Mathias Tretter drehte von der ersten Minute an voll auf, jederzeit unterhaltsam, ironisch, bisweilen frech und mit einem schier atemberaubenden Tempo intelligenter Wortakrobatik.

"Glauben sie nicht, ich bin arrogant, ich bin einfach nur klug", das lässt dem amüsierten Zuhörer natürlich nur wenig Spielraum. Tretter trägt seit geraumer Zeit eine Brille, zunächst lästig, aber mittlerweile findet er es selbst wie Viagra im Gesicht.

Sein Äußeres und das seiner Mitmenschen ließ ihn nachdenklich werden. Kräftige Frauen sind nicht feminin, das ist einfach nur Übergewicht. Vorgefertigt auch seine Meinung zum Lippenstift: "Aus einem Renault Twingo wird kein Porsche, nur wenn du ihn rot anmalst." Der Kabarettist machte sich Gedanken, warum so viele auf glatte Haut stehen: "Haare sind eklig, weil sie uns immer daran erinnern, dass wir vom Affen abstammen und nicht vom glatten iPhone."

Korrektes Vokabular war Tretter wichtig: "Früher hätte einer nicht gesagt, dass er schwul ist, er hätte gesagt, dass er Priester ist." Seine Wortspielereien lösten viel Gelächter aus. Ernsthaft machte er sich Gedanken, in die Politik zu gehen: "Regieren kann heute jeder Depp." Das war die Kurve zu Donald Trump, der im Lauf des Abends immer wieder vom Kabarettisten gestreift wurde: "Wir leben im Zeitalter des Amateurs, im mächtigsten Amt der Welt sitzt ein Amateur".

Der aus Würzburg stammende Politkomiker fragte, was wäre die CDU ohne C: "Bei der Wahrheit." Er kam zu dem Ergebnis, dass Atheisten die nettesten Menschen sind, weil sie nicht nett sein müssen.

Vielmehr beobachtete Tretter, dass immer mehr Populisten verstärkt Politiker simulieren. "Wo haben sie das nur gelernt?" fragte Tretter und lieferte auch die Antwort: "Fernuniversität Braunau". Und: "Wenn Rechte schreiben, führt das nicht zur Rechtschreibung." In seiner Kindheit habe man ihm Angst gemacht: "Der Russe kommt", später hieß es: "Die Bahn kommt", beides sei aber nie eingetreten.

Begriffe, die jeder benutzt, wurden von ihm zerpflückt. "Im Internet surfen suggeriere Sport." Eigentlich müsste es "Im Internet schwabbeln" heißen, weil die meisten, die vor dem PC sitzen, einfach zu fett sind. Tretter erklärte auch, was eine App ist: "Das ist ein Programm, das Probleme für dich löst, die du vorher nicht hattest." Viel Gelächter, als Mathias Tretter Sickerpointen begreiflich machte: "Die kommen erst auf der Heimfahrt."

Deutlich die Friedensbotschaft des Kabarettisten am Ende: "Das beste Mittel gegen den Terror ist der Atheismus." Die Gegenpole von Religion, so Tretter, sind Gelassenheit und Lebensfreude. Ein kyrillischer Chor erklang aus dem Lautsprecher und das Publikum belohnte Mathias Tretter mit minutenlangem Beifall. Der Künstler verneigte sich und meinte schmunzelnd: "Dem Chor kann man nichts draufsetzen, das Programm hat keine Zugabe." hw