Wertheim

Michaelis-Messe 20 Interessierte waren bei der von der Stadtverwaltung angebotenen Backstage-Führung dabei

Interessante Blicke hinter die Kulissen

Archivartikel

Ein Angebot, das viele Interessierte lockte: Die Backstage-Führung der Stadtverwaltung ermöglichte einen Blick hinter die Kulissen.

Wertheim. So einen Crèpe zu machen, kann doch gar nicht so schwer sein. Einfach ein Klecks Teig und den dann locker mit dem Stab auf der Platte verteilen, wenden – fertig. Das dachten die gut 20 Teilnehmer am Mittwoch beim Blick hinter die Kulissen der Wertheimer Michaelismesse, den die Stadtverwaltung Wertheim anbot, zunächst. Für Edeltraud aus Wertheim, ein „echtes Messemädel“, wie sie sagt, war das Crèpemachen dann aber gar nicht so einfach. Letztlich reichte sie doch einen leckeren französischen Pfannkuchen über die Theke. Als Naturtalent entpuppte sich hingegen Norbert aus Külsheim. „Für den könnte man sogar Geld verlangen“, lobte Besitzer Patrick Böttcher.

Den Anfang machte die Gruppe aber am Beginn des Marktes. Dort erzählten Werner Baumeister und Sindy Gimpel, wie viel Arbeit dahinter steckt, bis so ein Markt komplett ist. „Nach der Mess ist vor der Mess“, erklärt sie die Arbeit, die von Seiten der Stadt nötig ist.

Schausteller mit Herzblut

Werner Baumeister selbst ist schon seit vielen Jahren Schausteller mit Herzblut. Mit Fahrgeschäften und Mandelbrennereien ist er auf unzähligen Märkten unterwegs. Viele Schausteller kommen schon seit Jahren nach Wertheim. Der Messner-Gewürzstand ist mit fast 60 Jahren am längsten dabei. „Es ist schön zu beobachten, wie die Leute heranwachsen“, erklärt Baumeister.

Auf der Wertheimer Messe trifft man viele Stammkunden, die erst als Kinder ihre Mandeln gekauft haben und dann irgendwann mit ihren eigenen Kindern wieder am Stand stehen. So begründet er auch, dass das Internetgeschäft keine große Konkurrenz zum Markt ist. Aber natürlich gibt es neben guten auch schlechte Verkaufstage.

„Das ist Kult“, beschreibt Baumeister das Kettenkarusell, oder wie er sagt den Kettenflieger, vor dem die Gruppe dann stand und alle stimmten ihm zu. Es ist das älteste Karussell im Vergnügungspark, das schon viel erlebt hat und vor ein paar Jahren bei einem Sturm in Königshofen teilweise zerstört wurde. Aber man konnte es wieder komplett restaurieren. Bei der Backstage-Tour geht es nicht nur darum, alles Mögliche zu erfahren, sondern auch ums ausprobieren. „Mit vier das erste Mal, mit über 70 Jahren das nächste Mal“, freut sich eine Teilnehmerin über den Flug im Karussell. Ausprobieren durften die Teilnehmer auch den Simulator von Marlon Roder. Ein kompaktes , aber sehr modernes Fahrgeschäft. Mit gerade mal vier Stunden Aufbau ist es im Verhältnis zu den andern fix betriebsbereit. In Wertheim achten die Betreiber des Vergnügungsparks auf familienfreundliche Fahrpreise, erklärt Werner Baumeister. Aber natürlich müsse man auch daran denken, dass man nur 80 Spieltage im Jahr hat, um alles zu finanzieren.

„Als Angestellter wäre ich jetzt mit einem gelben Zettel krank daheim“, beschreibt Werner Rohleder den Unterschied zur Selbstständigkeit. So erklärt er trotz Erkältung gerne, wie er Schausteller wurde. Er hat schon als Kind das Schaustellerleben kennengelernt und war mit seinen Eltern unterwegs. Nach seiner Ausbildung als Kfz-Mechatroniker entschied er sich dann, in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten. Er betreibt auf der Messe den „Crazy Coaster“.

29 mal 15 Meter Fläche – das kann nur der Autoscooter von Familie Roth sein. 8000 LED-Lämpchen sorgen hier für eine tolle Beleuchtung. Die Umstellung hat Rainer Roth rund 15 000 Euro gekostet, aber es hat sich gelohnt und den Stromverbrauch fast um die Hälfte gesenkt. Natürlich waren alle gespannt, wie so ein Auto von unten aussieht.

Um DIN-Vorschriften und TÜV-Prüfungen ging es, bevor die Gruppe einen Bereich betreten durfte, den man sonst nicht zu Gesicht bekommt. Mit Timo Zöllner warf die Gruppe einen Blick unter die rasanteste Fahrattraktion auf der Messe – den „Break Dance“. Auf drei Lastzügen wird die Anlage transportiert. Mit mehreren Männer braucht man 16 Stunden für den Aufbau und 10 Stunden für den Abbau.

Wie bei allen anderen Attraktionen wird auch hier jeden Tag eine Sicherheitsprüfung vorgenommen. Drei Stunden dauert das, bevor der Betrieb losgehen kann, erklärt Zöllner. Natürlich dürfen die Teilnehmer auch hier einmal mitfahren. Ein paar Mutige wagen die Fahrt, bei der bis zu 3 G auf den Körper wirken können.

Zum Thema