Wertheim

Kleinkunstverein Convenartis Thomas Schreckenberger überzeugte mit seinem Auftritt im Gewölbekeller

Intelligente Spitzen gegen Hirnlosigkeit

Wertheim.„Aufgeben bringt ja auch nichts. Säen wir die Samen der Intelligenz.“ So beendete der politische Kabarettist Thomas Schreckenberger sein zweistündiges Programm beim Wertheimer Kleinkunstverein Convenartis. Damit fasste er hervorragend zusammen, was er den Besuchern im voll besetzten Gewölbekeller hatte vermitteln wollen. Natürlich kam bei allen Denkanstößen des topaktuell informierten Künstlers das Lachen nicht zu kurz.

„Hirn für alle“ heißt das aktuelle Programm Schreckenbergers, der im Convenartis-Kleinkunstverein kein Unbekannter ist und schon öfters in der Main-Tauber-Stadt gastiert hat. Eigentlich hat man das Gefühl, dass da jemand einfach plaudert, wie es ihm gerade einfällt. Doch dabei setzt dieser spitze und passende Pointen zu zahlreichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der Gegenwart.

Dass Schreckenberger dabei hochaktuell ist, merkte man am Samstag gleich am Anfang, als er auf die Wahl in Thüringen und die Diskussion um die Grundrente einging. Zunächst aber setzte sich der Wahl-Stuttgarter mit dem Wesen der Schwaben auseinander: „Ich habe schnell gelernt, mich hier anzupassen. Es ist ganz einfach: Was sich bewegt, wird gegrüßt. Was sich nicht bewegt, wird geputzt.“ Da fanden sich doch gleich etliche der Zuhörer wieder, genauso wie bei Schreckenbergers Anspielungen auf das Verhältnis von Männern und Frauen, wenn er etwa feststellte: „6000 Menschen sterben jährlich bei der Hausarbeit. Aber nur die Männer vermeiden dieses Risiko.“

Verstand hat nicht jeder

Im Mittelpunkt bei Schreckenberger stand der Verstand. Den allerdings nicht alle hätten. „Der Magen knurrt, wenn er leer ist, gut, dass das Gehirn das nicht tut.“ Er stelle sich gerade die Geräuschkulisse im Weißen Haus vor. Und begab sich gleich mit ein paar Zitaten Donald Trumps in den Bereich der Realsatire. Etwa, dass dieser in einer Rede gelobt habe, dass die Amerikaner im Unabhängigkeitskrieg 1776 die wichtigen Flugplätze der Engländer angegriffen hätten.

Schreckenberger analysierte die verschiedensten Themenfelder vom Gesundheitssystem über den Umweltschutz und die Digitalisierung bis hin zur Bildung und fragte sich, warum man die Ministerien nicht gleich unter den DAX-Unternehmen verlose: „Kevin Kühnert hat gefordert, BMW zu verstaatlichen. Ich finde das unnötig. Das Verkehrsministerium zu verstaatlichen, würde doch reichen.“

An Politikern quer durch alle Parteien ließ Schreckenberger selten ein gutes Haar. Dabei verstand er es meisterhaft, durch Gestik und Mimik nicht nur die Kanzlerin – bei der er sich fragte, ob sie schon in Altersteilzeit ist – zu imitieren, sondern auch deren Kollegen. Wenn zum Beispiel die SPD als Gollum zwischen dem Kadavergehorsam gegenüber der Kanzlerin und der eigenen Überzeugung hin- und hergerissen ist. In der Zugabe wurde es dann ganz bizarr, als er sich vorstellte, der Geist Klaus Kinskis sei in Merkel gefahren.

Diese Rollenspiele, zum Beispiel auch zwischen Gott und Mephisto in einer Aktualisierung des Fausts, unterbrachen immer wieder den Monolog in Plauderton. Letzterer wurde allerdings in keiner Sekunde langweilig, so rasant waren die Themenwechsel und so zielgenau die Pointen.

Zwischendrin gab es ernste Töne, etwa wenn der Künstler forderte, ähnlich den Schockbildern auf Zigarettenschachteln auf Smartphones Bilder der kongolesischen Kinder zu drucken, die für die Bestandteile arbeiten müssen. Oder wenn er seiner Überzeugung Raum gab, dass kein Kind als Rassist auf die Welt komme. So antworteten seine Söhne auf die Frage, wo ihr Fußballtrainer, ein Flüchtling, herkomme, ganz einfach: „Ich glaube, der wohnt beim Hallenbad.“

Durch die fröhliche Atmosphäre gelang es Schreckenberger mit Sicherheit besser als mit manchem mahnenden theoretischen Vortrag, seine Zuhörer zum Umdenken zu bringen, etwa mit dem Appell, unverpackte Ware zu kaufen und auch mal „unperfektes“ Obst und Gemüse. Insgesamt erlebten die Besucher im Convenartis-Keller einen Abend der guten Unterhaltung, der sicher lange nachklingen wird.

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