Wertheim

Geburtstag Gerda Grandke wird 90 Jahre alt / In der Gemeinde und der Jugendarbeit engagiert

In der Kirche eine Aufgabe und die Liebe gefunden

Wertheim.Die meisten Jugendlichen, die in den vergangenen Jahrzehnten in der Wertheimer evangelischen Stiftskirchengemeinde groß geworden sind, werden ihr begegnet sein: Erst hauptberuflich und später ehrenamtlich arbeitete Gerda Grandke stets in der Gemeinde, vor allem in der Jugendarbeit.

Dafür wurde ihr an ihrem 80. Geburtstag die Stadtmedaille in Bronze verliehen. An diesem Dienstag feiert die emsige Frau ihren 90. Geburtstag.

„Geholfen, wo es nötig war“

Geboren wurde die Jubilarin 1930 in dem kleinen Dorf Nöttingen zwischen Karlsruhe und Pforzheim als Pfarrerstochter. Später wurde der Vater nach Pforzheim versetzt. Im Herbst 1944, als auf Pforzheim schwere Bombenangriffe geflogen wurden, wurde die 14-jährige zur Großmutter nach Wertheim geschickt, wo sie von da an ihr gesamtes Leben verbrachte.

Nach dem Krieg erhielt der Vater eine Anstellung in Dertingen, sodass die Familie, zu der noch zwei Schwestern gehörten, nachkam. Durch den unregelmäßigen Schulunterricht und eine abgebrochene kaufmännische Lehre war Grandke bereits 20 Jahre alt, als sie die Mittlere Reife ablegte.

Ein Jahr in England

Deshalb entschied sie sich gegen das Abitur. Um ihr eine weitere Bildungserfahrung zu ermöglichen, ermutigte ihr Vater sie, für ein Jahr nach England zu gehen. Dort verdiente sie sich ihr Geld als „nurse maid“.

Nach ihrer Rückkehr machte sie eine Ausbildung zur Gemeindediakonin und arbeitete zehn Jahre in dieser Funktion im Pfarramt in Wertheim. Zu ihren Aufgaben gehörten Religionsunterricht, gleichermaßen in der Grundschule und der Berufschule, Jugendarbeit und Gemeindebesuche. „Ich half da, wo es am nötigsten war“, fasst Grandke ihr Tätigkeitsfeld zusammen. Und bei dieser Tätigkeit traf sie ihre große Liebe: Den aus Schlesien stammenden Horst Grandke, der ebenfalls in der Jugendarbeit tätig war.

1963 läuteten die Hochzeitsglocken. Nach der Heirat schied Grandke aus ihrem Beruf aus. „Das wäre nicht machbar gewesen mit den ganzen Abendterminen“, erklärt sie. Und schließlich kamen bald die drei Kinder, in den Jahren 1964, 1966 und 1972.

1966 konnte die Familie nach einigen Zwischenstationen in das Haus in der Edmund-Kaufmann-Straße ziehen, das das Ehepaar noch heute bewohnt. Inzwischen gehören auch vier Enkel zur Familie.

Ehrenamtlich weiter tätig

Doch dies hieß nicht, dass sie nicht weiter für die Kirchengemeinde da war, nun eben ehrenamtlich. Vierzehn Jahre leitete sie den Kindergottesdienst, vertrat hin und wieder im Religionsunterricht, war Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses und zwölf Jahre Mitglied der Landessynode.

Dass sie 30 Jahre im Kirchenchor sang, erwähnt sie nur nebenbei, das sei doch klar.

Acht Jahre wirkte sie außerdem als Jugendschöffin am Gericht in Mosbach und Tauberbischofsheim. „Das war in den Achtziger Jahren, als gerade die ganze Drogenproblematik aufkam“, erinnert sie sich. Angst um die eigenen Kinder habe sie dadurch nicht gehabt, wohl aber die eine oder andere Erfahrung als abschreckendes Beispiel mit ihrem Nachwuchs geteilt. Heute ist sie ruhiger geworden, macht gemeinsam mit ihrem Mann den Haushalt und genießt es, Kreuzworträtsel zu lösen.

Sie habe nichts Größeres für ihren Geburtstag geplant, ihre Kinder und die Enkel werden zu Besuch kommen. „Vielleicht eine Gartenparty.“

Dass dies wieder möglich ist, darauf freut sie sich, genauso wie auf eine andere Lockerung, die hoffentlich bald komme: die Wiedereröffnung des Schwimmbads. Denn noch in ihrem hohen Alter schwimmt Grandke regelmäßig und mit Begeisterung.

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