Wertheim

Geburtstag Elzbieta Gorniak wird am heutigen Samstag 90 Jahre alt

Im Laufe der Zeit drei Staatsformen erlebt

Archivartikel

Wartberg.Obwohl Elzbieta Gorniak bis zu ihrem Umzug nach Deutschland mit 60 Jahren nie den Wohnort gewechselt hat, hat sie im Lauf ihres langen Lebens drei Staatsformen erlebt: Das selbstständige Polen bis 1939, das von Deutschen besetzte im Krieg und schließlich das von der kommunistischen Sowjetunion abhängige. Dabei hat sie immer versucht, mit allen friedlich zusammenzuleben. „Man muss mit den Menschen umgehen und gut leben“, ist sie überzeugt. Heute feiert die Jubilarin ihren 90. Geburtstag.

Gutes Zusammenleben

Das Zusammenleben genießt sie auch seit 30 Jahren in ihrer Wohnung auf dem Wartberg, die ihr die vorausgegangenen Söhne besorgt haben. „Wir sind aus der weiten Welt hierher gekommen“, beschreibt sie ihre Nachbarschaft im Hochhaus. Beim Einzug sei sie von einer Nachbarin begrüßt worden und bis heute hätte sie viel Hilfe im Haus erfahren.

Begonnen hat ihr Leben am 28. September 1929 in Teschen in Schlesien. Dort lebte sie mit ihren Eltern und älteren Geschwistern im „Bergerhaus“, von dem sie noch heute schwärmt. „Ich war das einzige Kind, ich wurde verwöhnt.“ Dieses Kindheitsglück fand ein jähes Ende, als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach. Sie wechselte als Deutschstämmige von der polnischen auf die deutsche Schule. Später, nach Übernahme durch die Kommunisten, machte sie ihr Abitur wieder auf einem polnischen Gymnasium.

Der Gestorbenen gedenken

Den Krieg selbst hat sie als schlimme Zeit in Erinnerung, ob es um das Schlange stehen für ein Stück Brot ging, das Ausheben von Schützengräben oder den Verlust lieber Verwandter und Freunde. Ihrem 20-jährigen Cousin hatte sie einen Brief an die Front geschrieben, er kam zurück mit dem Vermerk „Für Großdeutschland gefallen“.

Deshalb engagiert sie sich bis heute im „Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge“: „Wenn man an die Verstorbenen denkt, existieren sie weiter“, ist sie überzeugt.

Mit dem neuen Regime nach dem Krieg konnte Gorniak sich ganz gut arrangieren, fand Arbeit in der Kantine einer Molkerei. Ressentiments wegen ihrer Deutschstämmigkeit erlebte sie nicht. „Die Menschen haben sich vertragen.“ Sie sang begeistert im Krichenchor, heiratete und bekam drei Söhne.

In der Wendezeit

Nachdem ihr erster Mann sie im Stich ließ, fand sie mit ihrem zweiten Gatten das Glück. Leider starb dieser bereits mit 60 Jahren. Dann kam in der Wendezeit der Entschluss ihrer Kinder, nach Deutschland zu gehen. Sie ließen sich in Wertheim nieder und hätten alle gute Anstellungen, wie die Mutter stolz berichtet. Sie selbst folgte nach dem Renteneintritt. Die Söhne kümmern sich um sie, derjenige, der nach Bayern gezogen ist, ruft jeden Abend an. Auch fünf Enkel und drei Urenkel gehören zur Familie. Alle zusammen werden den Geburtstag gebührend feiern.

Heimweh nach Polen hat Elzbieta Gorniak noch oft, besonders nach der Kirche, in der sie einst im Chor sang und in der die Eltern und zwei Geschwister begraben sind. In den vergangenen Jahren hat Gorniak immer wieder die alte Heimat besucht. Heute verbringt sie ihre Zeit gerne mit Lesen und freut sich über die Besuche von Familienangehörigen und Nachbarn.

Den Glückwünschen zum 90. Geburtstag schließen sich die Fränkischen Nachrichten an.

Zum Thema