Wertheim

Uli Masuth zu Gast Musikkabarettist bringt Publikum gleichermaßen zum Schmunzeln und Nachdenken

„Ich, Mir, Mein ist die neue Dreieinigkeit“

Archivartikel

Wertheim.Das pausenlose Abfeuern von Witzen und dauerhafte Lachsalven sind seine Sache nicht. Der Musikkabarettist Uli Masuth ist eher ein Meister der leisen, spitzen, teilweise sarkastischen Töne. Und gerade damit brachte er bei seinem Auftritt am Samstag im Convenartis Kleinkunstverein seine etwa 60 Zuschauer gleichermaßen zum Schmunzeln und Nachdenken.

„Ich frage mich, warum Sie gekommen sind. Denn in meinem Programm geht es ausschließlich um mich“, erklärte der Künstler, der schon häufiger in Wertheim aufgetreten ist. Auch Skandale seien nicht zu erwarten, schließlich sei er von Haus aus katholischer Kirchenmusiker und Familienvater.

Politisch und gesellschaftskritisch

Doch rasch wird klar, dass ein „Ich“ nicht ohne seine Umwelt existieren kann und so wird es rasch politisch und gesellschaftskritisch. Dabei ist das Programm hochaktuell, gleich zu Beginn geht Masuth auf die vergangenen Wahlen in Sachsen und Brandenburg ein. Oder auf den Plan der SPD, eine Doppelspitze zu wählen: „Da gibt es inzwischen mehr Paare als bei ,Lets’s dance’.“

Dann kommt der Bühnenkünstler zu den „großen Fragen“. Er könne die Fragen der Zuschauer nicht beantworten, sondern nur ergänzen, betont er. Und das gelingt ihm in den zwei folgenden Stunden. Dabei unterstützt der Wahl-Weimarer seinen Vortrag immer wieder durch Klavierspiel. Das müssen die Zuschauer bezeugen, denn sonst bekomme er sein Geld von der Gema nicht.

Von Scheidungen und dem Brexit

Der Kabarettist beobachtet die Menschen ganz genau und fragt sich bei der Aussage, dass jede dritte Ehe geschieden wird, warum eigentlich nur jede dritte. Man kenne von den Menschen nur noch die Verpackung, Einkaufen sei das letzte gemeinsame Ritual.

Rasch und doch verknüpft wechselt er die Themen, von Scheidung gelangt er zum Brexit: „Selten war Politik unterhaltsamer. Eine Figur wie Boris Johnson hätte sich Monthy Python nicht besser ausdenken können.“ An den wenigsten Politikern lässt er ein gutes Haar, amüsiert sich beispielsweise über „Fettnäpfchen-Annegret“ Donald Trump, der im Kindergarten besser aufgehoben wäre, oder Edmund Stoiber, „einen Kollegen, den ich schmerzlich vermisse“. Immer wieder streut der gut informierte Masuth Politikerzitate ein, die schon in sich eine unfreiwillige Komik beinhalten.

Dabei zeigt er klare Kante, gegen die AfD, aber auch gegen selbstgerechte, untätige Parteien, „ohne die es eine Partei wie die AfD gar nicht gäbe.“

Ebenso beleuchtet er gesellschaftliche Entwicklungen, etwa Kinder, die nur noch mit dem Handy beschäftigt sind, oder die „Gesellschaft von Egoisten“, in der jeder nur noch an sich denkt. „Ich – Mir – Mein ist die neue Dreieinigkeit.“

Man hört hier den Theologen heraus, auch wenn er kaum auf Linie der Amtskirche ist, etwa wenn er den geschiedenen Ehen den katholischen Pfarrer entgegensetzt, der seiner Haushälterin über Jahrzehnte treu ist. Oder die Verführung Adams durch die Schlange als „erste Fake News der Geschichte bezeichnet“.

Masuth spielt selbst gern mit Sprache und daher fallen ihm sprachliche Ungereimtheiten auf: „Wir leben in einer Vorgaukelgesellschaft. Da gibt es widersinnige Wortzusammenstellungen wie sicheres Herkunftsland oder sauberer Diesel.“ Einer der zahlreichen Momente während dieses Abends, an denen der Zuhörer denkt: Stimmt, ist mir noch gar nicht aufgefallen.

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