Wertheim

Riskantes Überholmanöver

Hohe Geldstrafe, Führerschein weg

Wertheim.Im Berufsverkehr, 5.45 Uhr, ereignete sich im April auf der Verbindungsstraße Bestenheid-Wartberg ein Unfall, da ein Autofahrer bergwärts einen Lkw mit Anhänger überholen wollte. Er hatte aber wegen einer folgenden Linkskurve nur eine Sichtweite von 250 Metern. Ein entgegenkommender VW-Passat-Fahrer verhinderte durch eine Vollbremsung einen Zusammenstoß, doch ein nachfolgender Opel Astra fuhr auf den Passat auf: Sachschaden mehrere Tausend Euro.

Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verhängte jetzt das Amtsgericht Wertheim gegen den Verursacher, 31 Jahre, Arbeiter, Familienvater, eine Strafe von 50 Mal 50 Euro. Die Fahrerlaubnis, seit 4. August vorläufig, wurde endgültig entzogen. Die Sperrfrist für die Wiedererteilung beträgt acht Monate. Mit Rechtskraft des Urteils werden im Flensburger Fahreignungsregister drei Punkte eingetragen.

Der Vorfall ereignete sich nach der Haarnadel-Rechtskurve, wo die durchgezogene in eine unterbrochene Mittellinie überging. Der Angeklagte scherte aus, bremste aber auf halber Höhe des Lkw-Gespanns und ordnete sich wieder hinter dem Lkw ein, als er zwei Scheinwerfer entgegenkommen sah.

Als der Passatfahrer zum Stehen gekommen war, schaute er in den Rückspiegel. Von hinten näherten sich zwei Scheinwerfer, und schon habe es gekracht. Nach Einschätzung der Zeugen darf man an dieser Stelle nicht überholen, inzwischen sei aber die durchgezogene Linie verlängert.

Grob verkehrswidrig

Die Autofahrerin hinter dem Beschuldigten notierte sich dessen Kennzeichen, und um 23 Uhr erschien die Polizei in seiner Wohnung. Er äußerte, er habe den Unfall nicht bemerkt und das Hupen als Ausdruck der Verärgerung gewertet.

Der Verteidiger räumte grob verkehrswidriges Verhalten des Mandanten ein, fragte aber, ob das weitere Merkmal zur Tatbestandserfüllung (Rücksichtslosigkeit) gegeben sei. Zu prüfen sei auch ein eventuelles Mitverschulden der Astra-Fahrerin. Der Anwalt vertrat die Ansicht, der Beschuldigte habe nur eine Ordnungswidrigkeit begangen. Falls das Gericht aber doch zum Ergebnis Straftat komme, bat er, nur ein Fahrverbot zu verhängen. Die Strecke des Mandant zum Arbeitsplatz betrage einfach 52 Kilometer.

Das Gericht sah die Rücksichtslosigkeit darin, dass der Angeklagte überholen wollte, obwohl er die benötigte Strecke nicht einsehen konnte. Es dürfe nicht vom Zufall abhängen, ob einer entgegenkommt. Die Richterin sah kein Mitverschulden anderer.

Den Führerschein benötige jeder, um zur Arbeit zu kommen. goe

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