Wertheim

Zu Geldbuße verurteilt

Hitler-Gruß war nicht nachzuweisen

Archivartikel

Wertheim.„Stress am Bahnhof Wertheim“ gab es im April 2018. Ein „besoffener“ Mann aus der Main-Tauber-Stadt fühlte sich durch seine Alkoholisierung (1,3 Promille) und drei Begleiter stark. Auf dem Bahnsteig beleidigte er einen arabisch- stämmigen, körperlich unterlegenen 16-Jährigen, drückte ihn an die Bahnhofswand und schubste ihn bis zum Busbahnhof.

Wegen Körperverletzung und Beleidigung verurteilte jetzt das Amtsgericht Wertheim den 25-jährigen Montagehelfer zur Strafe von 70 mal 30 Euro. Bezüglich des Vorwurfs „Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ erging Freispruch. Die Richterin war sich sicher, dass der Angeklagte „rechte Sprüche“ klopfte, dass er aber auch „Heil Hitler“ sagte und den Hitler-Gruß zeigte, dafür waren ihr die Angaben des Geschädigten nicht konkret genug.

Zeugen bekommen Probleme

Staatsanwalt und Richterin gelangten außerdem zur Überzeugung, dass zwei der damaligen Begleiter jetzt als Zeugen die Unwahrheit sagten. Sie müssen mit einem Strafverfahren wegen falscher uneidlicher Aussage rechnen.

Der Beschuldigte, vorbestraft wegen unerlaubten Drogenbesitzes und Drogenhandels, sprach von Erinnerungslücken und stritt die Vorwürfe im Wesentlichen ab. Viele seiner Freunde seien Ausländer. Zwei der damaligen Begleiter, einer befindet sich zur Zeit „auf Therapie“, meinten, der Geschädigte sei mit einem 50 Zentimeter langen Grillspieß gekommen, äußerte, er suche Streit, und habe damit begonnen. Der Angeklagte habe weder geschlagen noch „Heil Hitler“ gerufen.

„Einziger Wertheimer Nazi“

Der Geschädigte ist Auszubildender und wohnt jetzt in Hamburg. Als er damals mit seiner Freundin am Gleis stand, habe ihn der Beschuldigte ausgefragt und sich als „einziger Nazi von Wertheim“ bezeichnet, dann zu schubsen und zu schlagen begonnen, Heil Hitler gerufen und den Hitler-Gruß gezeigt. Ein älterer Mann, der aus dem Zug stieg, habe den Angeklagten aufgefordert, Ruhe zu geben. Die Freundin erinnerte sich als Zeugin nur an ausländerfeindlichen Bemerkungen.

Der Staatsanwalt hielt alle Vorwürfe für erwiesen und beantragte eine Strafe von acht Monaten mit Bewährung, eine Geldbuße von 2000 Euro sowie 90 Stunden gemeinnützige Arbeit. Der Verteidiger sah nur die Körperverletzung („Kratzer“) als erwiesen an und stellte eine Geldstrafe ins Ermessen des Gerichts.

Seelische Verletzung

Das Gericht ging auch von seelischer Verletzung aus. Ausländer als Freunde zu haben, sei kein Hinderungsgrund für Beleidigungen, einerseits gebe es auch da inzwischen internationale Zusammenarbeit, andererseits verschiedene Herkunftsgebiete von Ausländern. goe

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