Wertheim

Thementag Führungen beim Archivverbund Main-Tauber zum Motto „Kommunikation“ / Sechs Kilometer historische Unterlagen bestaunt

Historische Schätze aus nächster Nähe

Archivartikel

Korrespondenz mit Alexander von Humboldt, ein Brief von Otto von Bismarck oder ein Scheidungsverfahren von 1501 – am Tag der Archive gab es in Bronnbach allerhand zu bestaunen.

Bronnbach. Der „Tag der Archive 2020“ war für den Archivverbund Main-Tauber Grund genug, die ohnehin schon offenen Türen am Montag noch ein bisschen weiter zu öffnen. Je eine Führung am späten Vormittag und zum Feierabend boten den Interessenten Möglichkeit, Archiv und Archivalien zum Thema Kommunikation näher kennenzulernen.

Zu Beginn stellte Dr. Monika Schaupp, Leiterin des Archivverbunds, diesen vor. Solch ein Zusammenschluss von Staatsarchiv Wertheim, Stadtarchiv Wertheim und Archiv des Main-Tauber-Kreises sei etwas Besonderes. Die Fachfrau ging auf die geschichtlichen Zusammenhänge bezüglich der Gründung des Archivs ein. Der Sinn der Sache sei die gemeinsame Arbeit. Schaupp erläuterte zudem die Vorteile entstehender Synergieeffekte. Im Lesesaal erklärte sie, dass es die historischen Dokumente nur einmal gebe. Diese würden, sofern für würdig befunden, für alle Ewigkeit aufbewahrt. Archivalien würden aufgehoben, weil ihre Inhalte für alle Zeiten gebraucht werden könnten. Anhand der historischen Quellen verdeutlichte sie Vorgehensweisen ihrer Arbeit und beantwortete, wie die ganze Führung über, Fragen. Archivierung sei im Mittelalter entstanden, Verträge gebe es ab dem siebten und achten Jahrhundert. Während man germanisches Recht mündlich weitergegeben habe, sei Römisches Recht schriftlich festgehalten worden. Über sogenannte „Findmittel“ seien mehr als 90 Prozent der Dokumente im Archivverbund im Internet abrufbar. Schaupp ging auch auf das umfangreiche Konglomerat an rechtlichen Rahmenbedingungen ein. Deutlich machte sie diese am Beispiel bestehender Schutzfristen.

Manches kam auf Umwegen

Die Leiterin des Archivverbundes freute sich, dass es Archivalien zum Kloster Bronnbach selbst vor Ort gebe, auch wenn diese erst über Umwege wieder zurückgekommen seien.

Der Gedanke „ein Archiv gehört zu seinem Ort“ entspreche ihrer Wunschvorstellung. In der Bibliothek seien etwa 40 000 Bände vorhanden, der Archivverbund sei auch wissenschaftliche Bibliothek des Main-Tauber-Kreises und Fernleihstelle. Schaupp meinte, eigentlich sammle man alles zum Main-Tauber-Kreis, alles zu Autoren aus dem Main-Tauber-Kreis und zudem das, was Forscher mit Hilfe von Materialien aus dem Bronnbacher Archiv an neuen Büchern veröffentlichen. Die Kompetenz, was denn „archivwürdig“ sei, liege allgemein bei den Archivaren.

Das Kreisarchiv unterstütze kleinere Gemeinden, so Schaupp, welche ohne Archivar sind. Sie vertrat die Meinung, ein ordentliches Archiv habe hohen Nutzen. Es sei auch gut, wenn Private, Vereine und/oder Firmen die Wertigkeit einer Archivierung erkennen. Die Fachfrau erläuterte auch an dieser Stelle lebendig und mit prägnanten Beispielen.

Die Gruppe machte sich dann auf ins archivalische „Allerheiligste“, zu dem normalerweise lediglich der Mitarbeiterstab Zutritt hat. Dort sorgen eine Temperatur von 18 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, laut Schaupp „ein Mischwert“, dafür, dass die sechs Kilometer Unterlagen bestens aufgehoben sind. Durch Schädlinge entstandene praktische Probleme bei der Archivierung seien in Bronnbach nicht gegeben. Spezielles Interesse fanden die bereitgestellten Archivalien, die passend zum Motto „Kommunikation: Von der Depesche bis zum Tweet“ ausgesucht waren. Schaupp präsentierte die raren Stücke und erzählte über deren Eigenheiten und Hintergrundgeschichten. Aus den Jahren 1501 und 1502 gab es Abschriften von Briefen anlässlich eines Scheidungsverfahrens, in einem Briefbuch zusammengestellt.

Korrespondenz mit Humboldt

Zu sehen waren auch rechtliche Schreiben aus dem Kloster Triefenstein, ein Protokoll aus 1580 und eines aus dem Nachlass eines Archivars sowie eine Korrespondenz mit Alexander von Humboldt samt Originalunterschrift. Schaupp legte auch persönliches Berührendes wie das Schreiben einer Enkelin an ihren Großvater vor oder eher Skurriles wie ein hinter Glas aufbewahrtes Schreiben von Reichskanzler Otto von Bismarck an ein vierköpfiges „Bismarck-Kränzchen“.

Die Teilnehmer der Führung konnten ein Schreiben von Bertha von Suttner ebenso einsehen wie ein Kerbholz betrachten, das für Abrechnungen genutzt und auf den 15. September 1613 datiert war. Schließlich gab es auch noch Depeschen aus früherer Zeit zu sehen. Die Führungen erhielten verdienten Beifall. Abschließend empfahl Schaupp nicht nur den insgesamt 16 Teilnehmern der Führungen bezüglich entstehender Fragen: „Kommen Sie auf uns zu!“

Zum Thema