Wertheim

Wirtschaftspädagoge Eigentlich wollte Fred Strauß den elterlichen Betrieb übernehmen, jetzt leitet er die Fach-und Berufsoberschule in Marktheidenfeld

Heimatnähe führte beruflich nach Bayern

Archivartikel

Fred Strauß leitet seit August die FosBos in Marktheidenfeld. Der Dertinger zog wegen der Heimatnähe eine Laufbahn in Bayern vor.

Dertingen/Marktheidenfeld. Sein Berufsweg war vorbestimmt. Fred Strauß wollte und sollte den kleinen Raumausstatterbetrieb des Vaters übernehmen. Die Ausbildung zum Raumausstatter hatte der heute 53-Jährige schon absolviert, sogar für die Meisterschule war er angemeldet. Doch es kam anders.

Heute ist der Dertinger Schulleiter an der FosBos Marktheidenfeld. Fos steht für Fachoberschule, Bos für Berufsoberschule. Hier können Schüler die Berechtigung für ein Studium erlangen. Seit August leitet er die Lehranstalt.

Vor einigen Jahren pendelten noch relativ viele Schüler aus dem badischen Raum in das benachbarte Städtchen am Main. Nach der Mittleren Reife konnten sie hier innerhalb von zwei Jahren die Fachhochschulreife einheimsen, wenn sie bereits eine Berufsausbildung absolviert hatten, war das schon nach einem Jahr möglich.

Ganz so schnell geht es heute nicht mehr (siehe Info-Box). Und im Gegensatz zu damals bietet das Berufliche Schulzentrum in Wertheim mittlerweile ähnliche Angebote.

Hier, auf dem Wirtschaftsgymnasium, hat Fred Strauß einst sein Abitur abgelegt. Kurios: Sein älterer Bruder Rainer, der eine Bankaufmannlehre absolviert hatte, saß im selben Klassenzimmer.

In Mannheim studiert

Nach besagter Ausbildung zum Raumausstatter und Wehrdienst plagten Fred Strauß zunehmend Knieschmerzen. Drei Ärzte hätten ihm unabhängig voneinander dazu geraten, sich beruflich neu zu orientieren, berichtet er. „Ich konnte mir damals nie vorstellen, nicht als Raumausstatter zu arbeiten.“ Andererseits machten ihm Veränderungen immer auch Spaß. Er habe nie bereut, den Lehrerberuf zu ergreifen, so Fred Strauß.

Der Weg dahin führte ihn über die Uni Mannheim, wo er Wirtschaftspädagogik und Mathematik studierte. Abschluss: Diplomhandelslehre.

Dann stand erneut eine schwierige Entscheidung an: Bayern oder Baden-Württemberg? Um im Ländle die Lehrerkarriere einschlagen zu können, hätte er zunächst mindestens zwei Jahre in Heilbronn verbringen müssen.

Das war ihm zu weit weg von der Heimat. Fred Strauß ist Dertinger durch und durch. In dem Weinort wuchs er auf. Genauso wie seine zwei, mittlerweile erwachsenen Kinder.

Und weil von Dertingen der Weg nach Bayern kürzer ist als in das entfernte Heilbronn, entschied er sich für die Laufbahn im Freistaat. Das Referendariat absolvierte er in Würzburg und Schweinfurt. Die erste Station als Lehrer war von 1997 bis 2005 die Berufsschule Main-Spessart in Lohr. In dieser Zeit war er schon stundenweise an die FosBos Marktheidenfeld abgeordnet. Anschließend bekam er dort eine volle Stelle.

Nach Marktheidenfeld ist es von Dertingen aus nur ein Katzensprung. In seinem Heimatdorf engagiert er sich im Fanfarenzug „Fränkische Herolde“. Zwölf Jahre war er Vorsitzender, weitere acht Jahre Stellvertreter. Aus dem Vorstand hat er sich zurückgezogen, bildet aber mittlerweile die Nachwuchstrommler aus.

Unter seinen Fittichen hat er auch die Schüler einer Klasse in Marktheidefeld. Fünf Stunden unterrichtet Fred Strauß noch selbst. Insgesamt bereiten sich rund 330 Schützlinge in 17 Klassen auf die Hochschulreife vor.

Fehlende ÖPNV-Anbindung

Nicht ohne Stolz führt er durch die modernisierten Klassenräume. Chemie- und Physiksäle, der EDV-Raum, die ruhige Bibliothek – alles prima ausgestattet. Weil es viele Nachmittagsstunden gibt, versorgt eine Mensa Schüler und Lehrer. Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre.

Fred Strauß würde gerne noch mehr Schüler, auch aus der baden-württembergischen Nachbarschaft, an die FosBos locken. Doch angesichts der dürftigen länderübergreifenden Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr ist das ein schwieriges Unterfangen.

Es gebe einen Schüler aus Dörlesberg. Der kann die FosBos nur besuchen, weil er als 17-Jähriger vom Landratsamt eine Ausnahmegenehmigung für die Strecke ins benachbarte Bayern bekommen habe. Mit dem Bus nach Marktheidenfeld und zurück? Für Wertheimer fast unmöglich.

Zum Thema