Wertheim

„Runder Tisch Bildung“ Austausch und Vernetzung sind das Ziel / Akteure berichten aus ihre Bereichen

„Gut gebildet glauben“ dank vielfältigem Angebot

Archivartikel

Wertheim.Bei der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks in Wertheim wurde die Schuldekanin Cornelia Wetterich mit großer Mehrheit in ihrem Amt bestätigt. Pfarrer Oliver C. Habiger wurde als Dekan-Stellvertreter gewählt (wir berichteten). Passend zur Wahl der Schuldekanin war das Thema der Herbstsynode: „gut gebildet glauben“.

Kirchenrätin Sabine Jestadt, Karlsruhe, Personaleinsatz für kirchliche Religionslehrkräfte, hielt ein Einführungsreferat zur Bildungsgeschichte der Badischen Landeskirche. Bereits Martin Luther ließ die Theologiestudenten hebräisch und griechisch lernen, die Ursprachen der Bibel. Philipp Melanchthon gründete Schulen und entwarf Lehrpläne. Evangelische Pfarrhäuser wurden zum Hort der Bildung. Später lässt der Pietist August Hermann Francke in Halle an der Saale Lehrkräfte ausbilden. Ein Waisenhaus entstand, Schulen, Wohngebäude, Werkstätten, Gärten und eine Apotheke kamen dazu. Seine Vorstellungen für die Aufgaben der Pflegekräfte wurden im frühen 18. Jahrhundert richtungsweisend. Der Francke-Schüler Johann Julius Hecker gründete um 1750 die erste praxisorientierte Realschule in Berlin.

Unterschiedliche Arbeitsbereiche

Kirchliche Bildungsangebote finden sich heute ebenso in den einzelnen Kirchengemeinden wie in staatlichen Schulen und diakonischen Einrichtungen, in Kindertagesstätten, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Erwachsenenbildung. Daran ist abzulesen, wie weit das kirchliche Engagement für Bildung in viele gesellschaftliche Bereiche hineinreicht, etwa durch diakonische Bildungsangebote im Rahmen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe und bei den Familienzentren.

In der Badischen Landeskirche erhalten in knapp 2000 Schulen 195 000 Schüler Religionsunterricht. In Wertheim werden knapp 300 Stunden Religionsunterricht erteilt, davon 130 Stunden von kirchlichen Lehrkräften. Konfirmandenunterricht ist ein wichtiges Bildungsangebot der Kirche. Immer mehr Jugendliche lassen sich in dieser Zeit taufen.

Im Kirchenbezirk Wertheim hat Cornelia Wetterich den „Runden Tisch Bildung“ gegründet. Sie lädt Akteure zu Austausch und zur Vernetzung ein. Die Arbeitsbereiche der kirchlichen Bildung sollten den Synodalen näher gebracht werden.

Was bietet Kirche für geflüchtete Menschen an? Worin zeigt sich das „Evangelische Profil“ in den Kindertagesstätten? In sechs Gesprächsgruppen konnten solche Fragen gestellt werden und die Synodalen lertne die Arbeit vor Ort kennen. Die Gesprächsgruppe „Religionsunterricht“ wurde von Wetterich und Ute Schuhmacher, Religionslehrerin und Inklusionsberaterin im Kirchenbezirk, geleitet. Schuhmacher erläuterte, wie Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen im Unterricht berücksichtigt werden. Im Jugendraum der Emmausgemeinde traf sich Bezirksjugendreferent Alexander Kirchhoff mit den Synodalen, die Näheres über die Jugendarbeit erfahren wollten.

Die Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber, Pfarrerin Heike Kuhn, zeigte die Arbeitsbereiche der Erwachsenenbildung. In zahlreichen Vorträgen, Kursen und Seminaren trägt die Erwachsenenbildung dazu bei, den christlichen Glauben in der Gesellschaft lebendig zu erhalten.

Susanne Skirde, Erzieherin, ist beim „Runden Tisch Bildung“ Vertreterin der Kindertagesstätten. Sie bot mit der Erzieherin Sandra Kattinger einen Workshop an. Kirchliche Feste werden in der Kindertagesstätte Bestenheid ganz selbstverständlich gefeiert. Pfarrerin Carolin Knapp kommt regelmäßig vorbei.

Elke Hauenstein, Mitarbeiterin der Diakonie, berichtete in ihrer Gruppe von einem Kurs für geflüchtete Frauen, die hier mit einer für sie völlig fremden Kultur konfrontiert sind und sich erstmal zurechtfinden müssen. Themen im Kurs sind Familie und Kinder, Pubertät, Frauengesundheit und die Rollenbilder von Frauen und Männern in Deutschland. Hauenstein koordiniert das „wellcome“ Projekt des Diakonischen Werks Main-Tauber. Dabei geht es um praktische Hilfe nach der Geburt eines Kindes. Ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten Familien, die Unterstützung brauchen.

Flüchtlingshilfe im Kreis

Daniel Gehrlein, ebenfalls Mitarbeiter bei der Diakonie, erläutert die Arbeit der Ökumenischen Fachstelle für Flüchtlingshilfe im Main-Tauber-Kreis. Caritas und Diakonie haben die Fachstelle 2015 gegründet. Das Diakonische Werk und die evangelischen Kirchenbezirke im Main-Tauber-Kreis bringen alle Fachleute, die in dem Aufgabengebiet Flucht, Migration und Integration arbeiten, in diese Fachstelle ein. Ehrenamtliche Mitarbeiter werden qualifiziert und unterstützt. „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“, sagte Dietrich Bonhoeffer. Das gilt auch im Bereich der kirchlichen Bildungsarbeit, so das Fazit des Tages.

Zum Thema