Wertheim

Amtsgericht Anhänger der Würzburger Kickers verstieß nicht nur einmal gegen das Gesetz / Behauptungen fanden keinen Glauben

Graffiti-Sprayer muss Schaden wieder gut machen und sich entschuldigen

Wertheim.Beim Amtsgericht Wertheim gelang die Überführung eines Graffiti-Sprayers aus der Main-Tauber-Stadt. Zusammen mit einem gesondert verfolgten Bekannten aus Niklashausen hatte er im Dezember 2018 an der Staatsstraße 2312 (früher B8) bei Rossbrunn die Rückwand eines Transformator-Häuschens und bei Waldbüttelbrunn die Rückwand einen Stromkasten eingesprüht, Gesamtschaden 650 Euro.

Weitere Tat

Dem Angestellten wurde eine weitere Tat zur Last gelegt. Ende August 2019 hatte er nach einem Fußballspiel „seines Vereins Kickers Würzburg“ in der Würzburger Domstraße beim Streit zweier Gruppen den Stuhl eines Cafes mit solcher Wucht auf den Boden geworfen, dass er zerbrach, Schaden 70 Euro. Die Richterin sprach unter Anwendung des Jugendstrafrecht den inzwischen 21-Jährigen der Sachbeschädigung in drei Fällen schuldig.

Sie verwarnte ihn und verhängte die Auflagen, sich bei den Geschädigten zu entschuldigen, den Schaden wieder gut zu machen, sich für ein weiteres halbes Jahr von Fußballveranstaltungen fernzuhalten und die Kosten des Verfahrens zu tragen. Dazu kommt das Honorar des Verteidigers. Die Fälle wurden in Wertheim verhandelt, da bei Jugendlichen und Heranwachsenden Staatsanwaltschaft und Amtsgericht des Wohnorts zuständig sind.

Ende 2018 hatte die Würzburger Polizei die Meldung eines Einbruchdiebstahls erhalten. Zwei junge Leute würden gesucht. In der Nähe des Bahnhofs kontrollierten Beamte die oben genannten Männer, und diese hatten Farbspritzer im Gesicht und an den Händen. Dass die Farbe vom Bemalen von Transparenten mit dem Emblem der Würzburger Kickers stammt, fand keinen Glauben.

Auf den Handys der beiden entdeckte die Polizei Fotos der genannten Graffitis. Die hätten sie beim Vorbeifahren entdeckt und fotografiert, so die Erklärung. Die Polizei stellte an den Tatorten fest, dass die Farbe noch frisch riecht, zu den Spritzern an den Körpern passt, und dass die Graffitis von der Straße aus nicht sichtbar sind.

Nur zugeschaut

In der Verhandlung räumte der Beschuldigte die Zerstörung des Stuhls ein, beim Besprühen des Stromkastens habe er nur zugeschaut, und mit dem Graffiti am Transformator-Häuschen nichts zu tun. Das Verfahren gegen den 23-jährigen Mittäter, ein Produktionshelfer, in seinem PKW hatte man Sprühdosen gefunden, ist beim Amtsgericht Würzburg mit der Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage abgeschlossen. Er musste jetzt als Zeuge die Wahrheit sagen, behauptete aber, er sei beim Sprühen allein gewesen.

Die Staatsanwältin will diesbezüglich die Einleitung eines Strafverfahrens wegen uneidlicher Falschaussage prüfen. Den Angeklagten bezeichnete sie als in allen drei Fällen überführt. Der Verteidiger nannte die Tatbeteiligung bei der Erstellung der Graffitis als nicht erwiesen und beantragte in soweit Freispruch. Im Übrigen hätte die Polizei vor dem Betrachten der Bilder auf den Handys die Betroffenen über ihre Rechte belehren müssen. Das Gericht schloss sich der Staatsanwaltschaft an, die Aussage des „Entlastungszeugen“ könne man „in der Pfeife rauchen“. Auch der Angeklagte sei unreif und habe noch keinen Schaden wieder gut gemacht. Er „komme nicht aus dem Quark“.

Dass sich die Fußballbegeisterung des Angeklagten zu Straftaten steigern kann, stellte auch das Amtsgericht München fest. Es sprach ihn Mitte August 2019 des tätlichen Angriffs schuldig und verhängte eine Geldauflage von 1000 Euro. Bei oder nach einem Fußballspiel des TSV 1860 München gegen die Würzburger Kickers hatte er einen Gegenstand gegen den Kopf eines Polizisten geworfen. goe

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