Wertheim

Kirche mal anders Bei den Veranstaltungen von „Jesus House“ war Mitmachen und Kreativität gefragt / Provozierende Predigten

Gottesdienste speziell für junge Leute

Archivartikel

Wertheim.Auf den ersten Blick hatten die Veranstaltungen von „Jesus House“, die von Mittwoch bis Freitag vergangene Woche jeden Vorabend stattfanden, vieles von einem normalen Gottesdienst. Es gab einen Prediger, religiöse Lieder und Botschaften aus der Bibel, die das Leben der Gäste direkt betrafen.

Es zeigten sich jedoch vom ersten Moment an auch Besonderheiten. Statt Kirchenbänke warteten bequeme Sofas und Möbel aus Paletten auf die jungen Gläubigen. Die Musik der „Jesus House“ Projektband unter Leitung von Michael Kunkel war modern, die Predigten an der Zielgruppe ausgerichtet, und es gab viele Möglichkeiten mitzumachen.

Die Veranstaltung in Wertheim war Teil einer deutschlandweiten Reihe der Initiative „Pro Christ“. In Wertheim wurde sie von der evangelischen Allianz Wertheim, zu der sowohl die landeskirchlichen evangelischen Gemeinden als auch die freikirchlichen Gemeinden aus Wertheim gehören.

Spaß kam nicht zu kurz

Das letzte Mal fand Jesus House vor drei Jahren in der Main-Tauber-Stadt statt. Zusätzliche Helfer kamen vom CVJM Marktheidenfeld. Über 20 Ehrenamtliche sorgten für besondere Vorabende. Die Events richteten sich vor allem an junge Menschen von 13 bis 20 Jahren. An jedem Abend gab es für die Gäste ein zum Thema passendes Begrüßungsgeschenk. Neben den religiösen Aspekten kam der Spaß nicht zu kurz. Sehr beliebt war das Spiel, bei dem Nägel mit einem besonderen, hohlen Hammer in einen Baumstamm geklopft werden mussten. „Der war jeden Abend belagert“, erzählt Lukas Scheurich, leitender Organisator der Wertheimer Events. Jeder Gottesdienst begann mit dem offiziellen Intro-Video der deutschlandweiten Aktion. Bei der modernen Lobpreismusik der Band in deutsch und englisch wurde mitgesungen und manchmal auch getanzt.

Prediger war Björn Steinhilber aus Mücke, Leiter des christlichen Tagungshaus Flensburger Hof. Mit seinen kreativen und manchmal auch provozierenden Predigen traf er den Nerv der jungen Leute. Scheurich erklärte, man habe Steinhilber über einen deutschlandweiten Predigerpool der Initiative gefunden.

„Wir verstanden uns von Anfang gut, auch wenn er älter ist als wir“, so Scheurich. Nach der Predigt gab es verschiedene Aktionen passend zum Thema, bei dem die Mitfeiernden ihren Glauben symbolisierten. Nach dem Segen bliebt man noch zu lockeren Gesprächen zusammen. Dazu gab es ein Bistro, eine abgetrennte Station für persönliche Gebete sowie Gespräche mit dem Team und Informationsstände mit Büchern, Broschüren und Informationen über die Angebote der Gemeinden der evangelischen Allianz Wertheim.

Leitthema der gesamten Woche war: „Eine neue Art Mensch zu sein.“ Am Mittwoch widmete man sich dem Glück, der Freude und der Zuversicht den Glauben vermitteln kann. Symbolisiert wurde dies zum Beispiel durch Lachgummis als Gastgeschenk.

Steinhilber hatte seine ganz eigene Art, die Botschaften von Jesus zu vermitteln. Er verglich beispielsweise den Glauben mit einer Banane. Für viele Lacher sorgte er, als er in die Frucht mit Schale biss. So schmecke sie natürlich nicht, stellte er fest. Das Innere hingegen sei lecker. So sei es auch mit dem Glauben. Man solle sich mit dem Kern des Glaubens und seiner Freude und nicht mit seinen äußeren Problemen befassen.

Gast und Freund

Am Donnerstag ging es um das Thema „Jesus gibt Sicherheit.“ Der Freitag stand unter dem Thema „Eine neue Art geliebt zu werden.“ Der Prediger bezog sich dabei auf die Bibelgeschichte der Begegnung von Jesus mit dem Zöllner Zachäus. Dieser habe die Menschen betrogen und ausgenommen. „Er lebt gemäß des Lieds ,Du musst ein Schwein sein, in dieser Welt’“, sagte Steinhilber. Dennoch habe Jesus sein Gast und sein Freund sein wollen. „Gott liebt Schweine“. Das habe das Leben des Zachäus verändert. „Er hatte festgestellt, er wird geliebt, ohne anderen etwas wegzunehmen.“

Seither half der Zöllner den Armen. Steinhilber stellte auch Bezüge zu den Menschen von heute her. „Nicht Moral oder der heimliche Deckmantel verändern, sondern Jesus.“ Dieser habe betont: „Lass mich in dein Haus und ich mache dich zu meinem Kind.“ Es gelte auch heute um das eigene Leben zu verändern, müsse man Jesus Chef des eigenen Leben sein lassen.

An jedem Event nahmen 40 bis 50 junge Menschen teil. Wie gut die besonderen Gottesdienste bei diesen ankamen, zeigten die Notizen die zu jedem Tag an einer Wäscheleine aufgehängt werden konnten. Dort stand beispielsweise: „Die Musik war mega und die Predigt genauso“ oder „Schlusslied zur verflogenen Angst war ein Lichtblick für die folgenden Tage.“

Für alle, die nicht vor Ort dabei sein konnten, wurden die Gottesdienste und Aktionen live auf Instagram übertragen. Ursprünglich waren weitere Veranstaltungen am Samstag und Sonntag geplant. „Diese haben wir nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt aufgrund der Verbreitungsgefahr des neuartigen Coronavirus aber abgesagt“, so Scheurich.

So fand der Lobpreisabend als krönender Abschluss der Veranstaltungswoche bereits am Freitag statt. Nach dem Gottesdienst wurde bei den vielen weiteren Liedern der Band mitgesungen und den Glauben im Kreis gleichgesinnter junger Menschen gefeiert. bdg

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