Wertheim

Kultur Gelungenes Konzert mit Ariana Burstein und Roberto Legnani in der Main-Tauber-Stadt, die mit einem neuen Programm aufwarteten

Gitarre und Cello schaffen neue Klangwelten

Wertheim.Keltisch-magische Mystik, Melancholie castillanischer Landschaften, feingewebte poetische Sequenzen, ein Feuerwerk argentinischer Klangfülle, jüdische Mystik und ein fremd-vertraut anmutendes Liebeslied aus China: Ariana Burstein (Cello) und Roberto Legnani (Gitarre) führten die Zuhörer im Barocksaal der Hofhaltung auf eine Reise der Sinne durch traumhaft schöne Klangwelten. "Klassik und Weltmusik" heißt schlicht das Thema, das sich die beiden Virtuosen für ihre Tournee 2017 gegeben haben.

Ihnen gelingt es beeindruckend, mit ihrer ungewöhnlichen Kombination von Gitarre und Cello eine intime, aber auch strahlende und tiefgründige Atmosphäre zu schaffen.

Verschiedene Themenkreise streifen sie mit ihrer Spielkunst und den ungewöhnlichen Eigenarrangements: Mit "Tir Na Nóg" tauchten sie ein in die irische Anderwelt der Feen. Kompositionen, die von dem irischen Komponisten O'Carolan dem Königspaar Sheehan von Tir Na Nog gewidmet wurde. Melodische Töne entwickeln sich majestätisch und werden von einem dynamischen Rhythmus getragen.

Mit langer, kraftvoller manchmal fast spröder Linienführung unterstreicht das Cello die Basis für das helle Klanggewebe der Gitarre, die die typisch irische Tonfolge meisterhaft und spielerisch leicht in Szene setzte. Dem Altmeister der fünfchörigen Barock-Gitarre, Gaspar Sanz, erwiesen sie ihre Referenz mit dem Arrangement seiner Kompositionen "Vieja Castilla" und "Las Hachas".

Enrique Granados war eigentlich ein begnadeter Pianist und Komponist. Aber viele seiner Werke wurden für Gitarre transponiert. Legnani und Burstein interpretierten seine "Valses Poéticos" mit einer Fülle magischer Impressionen. "Bamidbar -4Neginot" bezeichnet einen Leseabschnitt in der jüdischen Tora. Ihm erwiesen die beiden Künstler mit "Sukkot, Elam, Jam Suf" und "The caravan to Elim" ihre musikalische Referenz.

Mit einer Hommage an den irischen Komponisten des 17. Jahrhunderts Turlough O'Carolan, tauchten Burstein und Legnani nochmals in die Keltische Klangwelt ein. O'Carolan verband im damals unterdrückten Irland Volksmusik mit der kontinentalen Kunstmusik. Die Weiten Asturiens erspürten die Zuhörer in Isaac Albeniz gleichnamige Komposition "Asturias". "Mit den vier Stücken aus "Gesichter der Nacht". Einen weiteren grandiosen Glanzpunkt setzten Burstein und Legnani mit vier argentinischen Arrangements. Die ganze sinnlich-erotische Ausstrahlung und eine gehörige Portion Wehmut des Tango erfüllte den Saal.

So gespielt ist das Musik, die unter die Haut geht. So können ihn nur Argentinier spielen - die beiden Künstler eben.

Fremdartig und doch vertraut wirkte das chinesische Liebeslied. Die beiden Instrumente schufen eine asiatische Klangatmosphäre, wie man sie von Gitarre und Cello nicht erwartet hätte.

Melancholie, ja ein Hauch von Schwermut kam auf bei den Memorial-Stücken "an Krakau 1941" und "Mazal Tovel", schlug aber mit der frechen Zugabe "eine Katze in Paris" mit fröhlichen Jazz-Sequenzen in Erleichterung um.

Es ist erfreulich, dass Ariana Burstein und Roberto Legnani immer wieder den Weg nach Wertheim finden trotz ihres übervollen Terminkalenders.

Wieder einmal gab es einen rundum gelungenen Abend vor einem dankbaren Publikum mit einem wunderbaren Zusammenspiel zweier Instrumente, die in dieser Kombination leider viel zu selten zu hören sind.