Wertheim

Am Amtsgericht verhandelt Rentner wegen Nötigung, fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort vor Gericht

Gesperrte Straße befahren und Person verletzt

Archivartikel

Wertheim.Einem Rentner wurden gleich mehrere Straftaten vorgeworfen, die er als Autofahrer in einem Abschnitt der Theodor-Heuss-Straße auf dem Reinhardshof beging, der wegen einer Baustelle gesperrt war. „Nötigung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung sowie unerlaubtes sich Entfernen vom Unfallort“, lautete die Anklage. Der 79-Jährige legte Einspruch ein, und hatte jetzt in einer Verhandlung beim Amtsgericht Wertheim Glück.

Ein Belastungszeuge verstand zu wenig deutsch und ein Dolmetscher war nicht geladen worden zur Verhandlung. Der andere Zeuge, der Geschädigte, fehlte entschuldigt. Ein nächster Verhandlungstermin sei frühestens in 18 Wochen möglich, so das Gericht.

Der Verteidiger drängte, das Verfahren abzuschließen. Der Mandant räumte die Körperverletzung ein, habe sie aber nicht bemerkt. Staatsanwalt und Richterin verzichteten schließlich auf die Vernehmung der Zeugen, und es erfolgte nur eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung , mit 50 mal 40 Euro und drei Monaten Fahrverbot.

Das Ergebnis hätte gravierenden Folgen im Zivilbereich. Bei einer Verurteilung wegen unerlaubten sich Entfernens vom Unfallort hätte die KFZ-Haftpflichtversicherung den Rentner in Regress nehmen können für die Kosten der Heilbehandlung des Verletzten. Diese belaufen sich laut Aussage des Verteidigers auf rund 5000 Euro.

Im Oktober des vergangenen Jahres passierte es mehrfach, dass Autofahrer verbotswidrig in den gesperrten Abschnitt der Theodor-Heuss-Straße fuhren. Am Tattag stellte sich der später Verletzte deswegen mit gekreuzten Armen auf die Straße, um die Durchfahrt zu verhindern. Der erste Fahrer rangierte deshalb zurück. Der Aangeklagte Rentner jedoch verstand diese Haltung nicht oder wollte nicht verstehen. Er fuhr weiter auf den Mann zu, heißt es im Strafbefehl, der verlesen wurde. Immer wieder habe er Gas gegeben, machte mit der Hand eine Wischbewegung als Aufforderung die Straße zu verlassen und blieb letztendlich auf dem rechten Fuß des Mannes stehen. Durch eine ungewollte Drehbewegung wurde das linke Knie des Mannes erheblich verletzt. Der Arbeiter war einen Monat arbeitsunfähig.

Der Strafbefehl stützte sich auf die Ermittlungen der Polizei, welche die Zeugen befragt hatte. Danach wurde der Rentner vom zweiten Zeugen durch mehrfaches Klopfen mit der flachem Hand auf die Motorhaube und mit Worten hingewiesen, dass sein Rad auf dem Fuß steht. Der Beschuldigte habe also mit einer Verletzung rechnen müssen, sei aber weitergefahren. Der Verteidiger gab als Erklärung ab, dass sein Mandant trotz Hörgeräten schwerhörig sei. Er habe weder verstanden, was gemeint war, noch die Verletzung mitbekommen. So fehle es am Tatbestand des unerlaubten sich Entfernens vom Unfallort. Das Gericht fügte „möglicherweise“ hinzu, hätte sie aber bemerken müssen. goe

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