Wertheim

Bezirksfrauentag Pfarrerin Heike Kuhn hielt interessanten Vortrag

Gemeinsam Heimat suchen

Wertheim.Warum ist in der globalisierten Welt Heimat ein Sehnsuchtsort und was ist überhaupt Heimat? Über dieses Thema referierte die Tauberbischofsheimer Pfarrerin Heike Kuhn am Freitag beim Bezirksfrauentag im Wertheimer Stiftshof vor etwa 50 Frauen aus dem ganzen Kirchenbezirk. Organisiert wird die jährlich Anfang November stattfindende Veranstaltung von einem Team rund um Ingrid Kachel, Vorsitzende der Bezirksfrauen im Kirchenbezirk Baden.

Schuldekanin Cornelia Wetterich überbrachte die Grüße des Kirchenbezirks. Dann widmeten sich die Frauen der Thematik. Kuhn erklärte, dass Heimat laut Christian Schüle ein Phantomschmerz sei. Wenn die Wirtschaft die Ländergrenzen sprenge, entstehe Sehnsucht nach Regionalismus. Dies zeige die Renaissance der Heimatvereine und der Mundart. „Heimat ist, wo Vertrauen herrscht“, fasste die Leiterin der evangelischen Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber zusammen. Dabei sei es zweitrangig, ob man in dieser Heimat geboren oder durch Migration hinzugekommen sei.

In der Bibel gebe es den Begriff Heimat nicht, höchstens in Hinblick auf die künftige Heimat im Himmel eng mit Gastfreundschaft verknüpft. Sie selbst, so Kuhn, habe sich bei ihren Reisen immer dort am wohlsten gefühlt, wo ihr die größte Gastfreundschaft entgegengeschlagen sei. Heimat sei damit verbindend, nicht trennend. Deshalb sei es auch so wichtig, diesen Begriff nicht den Rechten zu überlassen. Mit Zitaten zur Heimat quer durch die Parteien zeigte Kuhn auf, dass dieser Wert nichts mit nationalistischer Gesinnung zu tun haben muss.

Dass zur hiesigen Heimat auch Menschen gehören, denen es nicht so gut geht, daran erinnerte Katrin Rappert, Vorsitzende des Fördervereins der Tafel. 300 Erwachsene und 250 Kinder hätten derzeit Berechtigungsscheine. Die Ziffer der Armen sei aber wohl noch höher. Denn gerade aus den Dörfern hätten die Kunden keine Möglichkeit, den Tafelladen in der Kernstadt aufzusuchen. Deshalb hatte sich das Team entschlossen, die Kollekte an den Förderverein zu spenden. Mit diesem Geld, betonte Rappert, würden keine Lebensmittel gekauft. Denn das widerspreche dem zweiten Zweck der Tafel, Essen zu retten. Aber um die Ware sicher und hygienisch einzusammeln, hat der Förderverein einen Kühlwagen angeschafft. Die Kollekte soll dessen Unterhalt dienen.

Über das Gehörte tauschten sich die Frauen dann bei Kaffee und Kuchen aus, bevor der Nachmittag mit einem thematisch angeglichenen Gottesdienst in der Stiftskirche endete. Da es keine Anmeldungen gebe, sei es immer überraschend, welche und wie viele Frauen kommen, so Kachel. Es gebe treue Besucherinnen, die jedes Jahr dabei seien, aber auch neue. Einige seien konfessionell gebunden, andere nicht, manche interessiere einfach das Thema. nad

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