Wertheim

Geschichte Wertheimer Künstler Johannes Schwab präsentiert den Rotariern Konzept zur Verwirklichung der Burg-Gedenkstätte / Weiße Fahne rettete die Stadt

Für immer eine Mahnung zum Frieden

Der Wertheimer Künstler Johannes Schwab stellte den Mitgliedern des Rotary Clubs Wertheim sein künstlerisches Konzept zur Realisierung der Gedenkstätte am Aufgang zur Wertheimer Burg vor.

Wertheim. Es war ein außergewöhnlicher Vortrag, der die Zuhörer vor einigen Tagen mit in die jüngere Geschichte Wertheims nahm, so als sei sie geradezu eine Erinnerung für die Zukunft.

Was war geschehen? Vor 75 Jahren, genau am 1. April 1945, wurde auf dem Bergfried der Wertheimer Burg von zwei Wertheimern die Weiße Fahne gehisst. Heinrich Herz und Anton Dinkel sowie weitere Bürger der Stadt hätten durch dieses Zeichen der Kapitulation die Stadt Wertheim vor der Zerstörung durch amerikanische Truppenverbände bewahrt.

Die Stadt Wertheim, unterstützt von einem eigens dafür gegründeten Arbeitskreis, möchte nun in dauerhafter Form an dieses Ereignis erinnern. Aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses, so berichtete Johannes Schwab, sei er beauftragt worden, ein künstlerisches Konzept für eine Gedenkstätte am Fuße der Wertheimer Burg zu entwickeln.

Die Stadtverwaltung habe 2017, nachdem der Gemeinderat das von ihm entworfene Denkmal einstimmig angenommen hatte, 20 000 Euro dafür in den städtischen Haushalt eingestellt. 2018 habe dann auch das Landesdenkmalamt seine denkmalschutzrechtliche Genehmigung für die Umsetzung des Kunstprojektes erteilt.

Kollektives Bewusstsein

Das Denkmal am Hirschtor, so Schwab, lasse sich in der Tat verwirklichen, wenn es die Wertheimer als ihr eigenes Kunstobjekt ansähen und somit auch als Hauptsponsor aufträten, um, der künstlerischen Intention folgend, größtmögliche Authenzität zu gewährleisten. Man könnte sogar von einem Projekt „auf eigene Rechnung“ sprechen. Denn auf eigene Rechnung handelten seinerzeit auch Herz und Dinkel. Viel mehr noch – sie setzten ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Um diesem Geist im Sinne eines kollektiven Bewusstseins nachzuspüren, baue der Wertheimer Künstler auf eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung.

Die Bürger sind aufgerufen, sich von ihm porträtieren zu lassen und das Ergebnis als künstlerisches Ausgangsmaterial für das eigentliche Kunstwerk der Gedenkstätte zur Verfügung zu stellen. Zu einem Gesamtpreis von 180 Euro inklusive aller Materialien- und Rahmenkosten erhalte man nicht nur vom Künstler ein handsigniertes Original, sondern fördere mit 100 Euro vom Kaufpreis auch die Realisierung der Gedenkstätte.

Von der Idee her, so der Künstler, stehe bei dieser Gedenkstätte nicht so sehr der Aspekt der historischen Tat, das Hissen der Weißen Fahne und die daraus resultierende Verschonung Wertheims vor der Zerstörung im Vordergrund. Vielmehr gehe es um das das Auf- und Nachspüren gelebter, auch gegen die Obrigkeit gerichteter Zivilcourage, das Begreifen eines ideellen, überpersönlichen Profils, dem es nicht um die eigene Schärfung gegangen sei, sondern im Akt der Selbstlosigkeit ganz dem Gemeinwohl verpflichtet gewesen sei.

Herz und Dinkel seien diesen Schritt gegangen, hätten auf eigene Rechnung gedacht und gehandelt und somit die Konvention des Stillhaltens durchbrochen. Sie hätten durch ihre rückhaltlose Geste dem nahenden Feind die Feindschaft entzogen. Dadurch hätten sie das starre Freund-Feind-Bild aufgelöst, in dem sich das offizielle Wertheim noch immer und „bis zur letzten Kugel“ verortet habe. Ihr Handeln sei für immer Mahnung zum Frieden.

Schockstarre überwinden

So gesehen, sagte Johannes Schwab erläuternd zum Schluss, sei das Wertheimer Kunstprojekt auch der Versuch, diese „Schockstarre“, in der sich Wertheim an jenen Tagen befand, als Ausgangskonstellation für die künstlerische Bearbeitung eines Themas zu begreifen, welches in seiner nebulös-abstrahierenden Artikuliertheit bis heute von unterschwelliger Ohnmacht und Verdrängungsreflexen gekennzeichnet sei. Der Präsident des Rotary Clubs Wertheim, Michael Bannwarth, dankte Johannes Schwab für seinen mit großem Beifall bedachten tiefsinnigen Vortrag.

Er würde sich freuen, wenn viele Mitglieder des Rotary Clubs und darüber hinaus viele Wertheimer Bürger sich diese Geschichte Wertheims zu ihrer eigenen Geschichte machen würden und mithülfen, diese Gedenkstätte am Hirschtor am Fuße der Wertheimer Burg zu realisieren. rcw

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