Wertheim

Lichteraktion Wertheimer setzten mit brennenden Kerzen ein Zeichen für Wärme und Menschlichkeit

Für die Gemeinschaft – gegen den Hass

Archivartikel

Wertheim.Zahlreiche Wertheimer kamen auf dem Marktplatz zusammen, um mit brennenden Kerzen ein leuchtendes Zeichen für Gemeinschaft und gegen Hass zu setzen. Die Aktion „Gemeinsam sind wir Wertheim“ fand bereits zum dritten Mal statt. Ins Leben gerufen wurde sie von Alex Schuck und Elvira Ungefucht. Der Gemeinschaftsaktion angeschlossen haben sich zahlreiche Partner aus Kirchen, Stadt Wertheim, Bildung und Zivilgesellschaft.

Alex Schuck betonte in seiner Begrüßung, dass man gemeinsam ein Zeichen setzen wolle, für ein friedliches Miteinander und für den Zusammenhalt in Wertheim und darüber hinaus. Dies sei gerade in der heutigen Zeit nötig. „Es scheint, als haben einige Politiker jeden Anstand verloren und wollen ihre eigene Macht dadurch erhalten, dass sie Feindbilder schaffen und gegen andere hetzen“, fügte er hinzu. Beispielsweise würden Obdachlose instrumentalisiert, um gegen Flüchtlinge zu hetzten. Seiner Meinung als braucht es Feinbilder, um von eigener Verantwortung abzulenken.“ Es scheine bequemer zu sein Schuldige zu haben, um nicht Farbe bekennen zu müssen.

Die Menschen, die zur Aktion zusammengekommen waren, wollten Farbe bekennen. „Für ein gemeinsames Miteinander setzen wir mit unseren Kerzen ein Zeichen, für ein Wertheim, in dem alle Menschen gut zusammenleben können.“ Im Anschluss an Schucks Rede stimmten die Anwesenden gemeinsam das Lied zur Aktion an, dass der Reicholzheimer Liedermacher Bousch Bardarossa (Michael Benz) im November 2017 geschrieben hatte. In dessen erster Strophe heißt es: „Ich achte Dich, du achtest mich, jeder ist ein Teil vom Licht. Wir achten uns in dieser Stadt, weil die Liebe durch uns spricht.“

Die Grüße der Stadt Wertheim überbrachte Brigitte Kohout, ehrenamtliche Stellvertreterin des Oberbürgermeisters. Sie beschrieb die Kerzen als Symbol für Wärme und für Menschlichkeit. Mancher frage sich vielleicht, ob es so eine Aktion überhaupt brauche, zumal die Menschen in Wertheim scheinbar auf einer Insel der Glückseligen leben würden. „Ja, ich bin überzeugt, dass wir sie brauchen.“ Die Stadt trage das Wort „Heim“ im Namen. Wertheim sei durch geschichtliche oder wirtschaftliche Faktoren in der Vergangenheit zur neuen Heimat für viele Menschen geworden.

Sie verwies auf die Heimatvertriebenen aus dem Osten im Jahr 1945, die Gastarbeiter 1955 und auf die Flüchtlinge, die in den letzten vier Jahren hier Schutz vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung suchen. „In Wertheim leben Menschen aus vielen unterschiedlichen Nationen. Die meisten von ihnen betrachten es als ihre neue Heimat.“

Integration erfordere unbedingt die Eigeninitiative der neu Hinzugekommenen, genauso aber auch Offenheit der aufnehmenden Gesellschaft. „Wertheim ist eine weltoffene Stadt und es ist uns ein Anliegen, dass sich alle Bürger hier wohlfühlen, ob hier Geborene oder Zuwanderer, Einheimische oder Hinzugezogene.“ Dies bedürfe einer gemeinsamen Anstrengung. Allen Extremisten, egal aus welchen Ecken sie auch kommen mögen, sollten die Menschen eine deutliche Absage erteilen. Abschließend dankte sie den Organisatoren der Veranstaltung und all denen, die sich für den Zusammenhalt in Wertheim engagieren. „Wir sind Wertheim“, schloss sie.

In Vertretung der katholischen Kirchengemeinde sprachen Gemeindereferent Herbert Buhleier und Pastoralreferentin Ute Zeilmann. Sie stellten fest, dass der November viel nachdenkliches mit sich bringe, auch mit Blick auf die vielen Lichter und den Himmel mit seinen Millionen Sternen.

„Wen kümmert es, wenn ein weiteres Licht ausgeht, in einem Himmel aus Millionen Sternen?“, fragten sie und zogen eine Parallele zu den Menschen. Kein Mensch sei überflüssig, keiner ersetzbar. Es sei nur schade, wenn einem das erst bewusst werde, wenn dieser Mensch nicht mehr da ist. Weiter stellten sie fest, Gott beachte jeden einzelnen Menschen. „Das ist der Auftrag für uns, gemeinsam schon jetzt zusammenzustehen, wenn wir leben.“

Nach diesen, zum Nachdenken anregenden Reden konnte jeder Gast am Mikrofon mit einer Aussage zur Gemeinschaftsaktion beitragen. Bousch berichtete, dass Wertheim „Lichtaußenstellen“ habe. So hätten seine Bekannten unter anderem in der Schweiz zur gleichen Zeit eine Kerze für die Gemeinschaft angezündet. Tobias Kraus rief aus: „Wertheim ist bunt, Augen auf gegen Rechts!“ Alex Schuck schloss die Ansprachen mit den Worten: „Wir treffen uns in einem Jahr hier wieder. Tragt die Liebe im Herzen und auf der Zunge!“

Nachdem die zahlreichen Teilnehmer noch einmal das Lied zur Aktion gesungen hatten, standen sie bei Kerzenschein und warmen Apfelsaft beisammen.

Zum Thema