Wertheim

Landgericht Mosbach 28-Jähriger wurde wegen schwerer räuberischer Erpressung, Diebstahl und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt

Fünf Jahre Haft für Tankstellenüberfall

Archivartikel

Wegen schwerer räuberischer Erpressung muss ein 28-Jähriger fünf Jahre in Haft. Er hatte 2018 in Wertheim eine Tankstelle überfallen – und war geständig.

Wertheim/Mosbach. Der Angeklagte wurde gestern direkt aus der Haftanstalt zur Verhandlung ins Landgericht Mosbach gebracht. Neben kleinen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz ging es vor allem um eine räuberische Erpressung Ende Dezember 2018 in einer Tankstelle in Wertheim.

Der Täter war kurz nach Weihnachten in die Tankstelle in Bestenhaid gegangen, um dort die Kassiererin zu bedrohen und die Einnahmen aus der Kasse zu rauben. Mit den Worten: „Kasse auf, nicht schreien“ forderte er die Herausgabe der Tageseinnahmen, wie mehrere Zeugen im Prozess beschrieben.

Zur Unterstützung seiner Forderung ließ er aus seiner Jacke ein Rohr herausschauen, das einem Gewehrlauf sehr ähnlich sah. Es handelte sich jedoch um ein Teil eines Notenständers. Dieses Rohr hatte der Angeklagte in der Wohnung seiner Eltern abmontiert und war damit in die Tankstelle für den Überfall gegangen.

Der junge Mann hatte nach dem Ende seiner Schulzeit eine Lehre als Metallbauer begonnen und erfolgreich abgeschlossen, kam danach mit seinem Leben nicht mehr zurecht, weil er zu dieser Zeit schon drogenabhängig war. In der Gerichtsverhandlung berichtete er von mindestens einem halben Liter Alkohol, den er regelmäßig zu sich nahm. Auch gab er zu, Marihuana, Speed und Extasy zu nehmen. In derselben Verhandlung wurde ihm auch der Besitz von kleinen Mengen Marihuana zur Last gelegt.

Diese Punkte wurden aber wegen des Geständnisses des Angeklagten und der geringen Menge fallen gelassen. Ebenso eingestellt wurde das Verfahren wegen Diebstahl. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, dass er kurz vor Weihnachten 2018 in eine Turnhalle in der Comenius Realschule in Wertheim eingebrochen war und aus einer unverschlossenen Umkleide sechs Smartphones entwendet hatte.

Kein Schaden

Nachdem alle Mobiltelefone wieder ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben werden konnten und dadurch kein Schaden mehr bestand, beschlossen Gericht und Staatsanwaltschaft auch diesen Anklagepunkt fallen zu lassen.

Blieb der Vorwurf der schweren räuberischen Erpressung übrig. Der Angeklagte berichtete, dass er bereits mit zehn Jahren mit Alkohol in Berührung gekommen sei und seitdem regelmäßig trinke. Außerdem benötigt er laut eigener Aussage mehrmals in der Woche Drogen, wie Speed oder Extasy. Er wollte kurz nach dem Überfall auf die Tankstelle mit seiner Freundin in die Niederlande fahren, hatte aber das nötige Geld nicht. Da habe er sich spontan entschieden, die Tankstelle zu überfallen.

Der bei Gericht anwesende Gutachter bescheinigte dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeit, der es schwer falle, aus seinen Fehlern und den Bestrafungen zu lernen. Dabei sei er aber nicht gewalttätig oder aggressiv. Er befürwortete eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, die bereits vor der Verhaftung im Februar dieses Jahres beantragt war, aber wegen der Inhaftierung nicht vollzogen werden konnte.

Der Staatsanwalt stellte fest, dass es an der Tat keinen Zweifel gibt, konnte aber keinen minderschweren Fall einer räuberischen Erpressung erkennen. Er forderte sechs Jahre Haft für den Angeklagten im Maßregelvollzug.

Zusätzlich befürwortete er aber auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Er bezeichnete die Tat als eine: „typische Raubtat“ und konnte keine verminderte Schuldfähigkeit feststellen.

„Nur Tankstellenüberfall“

Der Verteidiger hielt zwei Jahre für angemessen, da es sich „ja nur um einen Tankstellenüberfall“ handelte und nicht um einen Banküberfall, für den der Paragraf im Strafgesetzbuch eigentlich gemacht ist, auf den sich der Staatsanwalt bezog.

Letztlich entschied das Gericht unter der Vorsitzenden Richterin Christine Hofmann, dass der Angeklagte zu fünf Jahren Haft verurteilt wird. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, die sofort nach Verbüßen einer sechsmonatigen Haftstrafe angetreten werden soll. Die bisherige Untersuchungshaft wird dabei angerechnet. Entscheidend für das Strafmaß, so Hofmann, war die Schwere der Tat. Der Strafrahmen hätte einen Spielraum von ein bis zehn Jahren ermöglicht, ergänzte sie. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig,da beide Parteien überlegen in Revision zu gehen.