Wertheim

Vortrag im Schlösschen Wissenswertes über einen der ersten Freiluftmaler Deutschlands / Zahlreiche Bildbeispiele gezeigt

Eugen Bracht näherte sich allmählich an

Archivartikel

Hofgarten.Mit ernsten Worten begrüßte der Vorsitzende des Förderkreises „Schlösschen im Hofgarten“, Heiko Albrecht, die Zuhörer zum Vortrag von Benno K. Lehmann aus Mannheim über „Eugen Bracht und sein Kampf mit dem Impressionismus deutscher Prägung“.

Ihm war es ein großes Anliegen, nach den antisemitischen Anschlägen daran zu erinnern, dass Aspekte des Ausstellungsprogramms im Schlösschen bewusst das Thema aufgreifen und immer wieder Werke in der NS-Zeit verfolgter Künstler präsentiert. Max Liebermann und zahlreiche Maler der Berliner waren jüdische Mitbürger und ihre Werke wurden diffamiert. Albrecht rief dazu auf, wachsam zu sein, damit sich solche Exesse nicht wiederholen.

Der Maler Eugen Bracht (1842 bis 1921) stand der Berliner Secession nahe, war aber nicht Mitglied und forderte seine Schüler auf, Mitglied zu werden. Er gehörte zu der ersten Freiluftmalern in Deutschland.

Zunächst wies Lehmann auf den Beginn des Impressionismus in Frankreich hin und zeigte Bilder von Monet, Cézanne und Degas. Für den deutschen Impressionismus nannte er stellvertretend die Maler Liebermann, Slevogt und Corinth, die alle im Schlösschen mit ihren Bildern vertreten sind.

Mit diesen Hinweisen konnte der Referent das Werk von Eugen Bracht besser einordnen. Bracht war Freilichtmaler: Diese Malerei war dadurch möglich geworden, das Tubenfarben erfunden worden waren und der Maler die gewünschten Farben nicht mehr auf der Palette anmischen musste.

Konturen verschwammen, Farben flossen zusammen – soweit ging Bracht noch nicht ganz. Lehmann stellte auch fest, dass die Franzosen durch kleine Striche Wellenbewegungen erzeugen, Bracht hingegen noch großflächige Flächen bevorzugte.

Dramatische Landschaftsbilder schuf Bracht in relativ dunklen Farben. Auch der Inhalt dieser Bilder waren von einem fast symbolhaften Charakter, so „Der Erschlagene“, „Hannibalds Grab“, „Hünengrab in der Eifel“ oder „Gestade der Vergessenheit“. In Auftragwerken wandte sich Bracht auch Industriethemen zu, wobei ihm besonders die Wiedergabe des aus den Schlöten aufsteigenden Dampfs interessierte.

In den Werken, die auf Orientreisen entstanden, und die ungemein erfolgreich waren, hellt sich sein Palette auf.

Mit zahlreichen Bildbeispielen, die alle in der Ausstellung vertreten sind, zeigt Lehmann auf, wie Bracht sich allmählich dem Impressionismus annäherte, ohne dass er bis zum Extrem ging.

Spätwerk

Im sogenannte Spätwerk werden seine Bilder durch „die subtile Lichtführung“ immer heller und freundlicher. Die Farbe und das Empfinden wird vermehrt in seinen Bildern bestimmend und nicht die reine Form.

Der Vortrag, zu dem Albrecht den Stifter der Bilder der Berliner Secession im Schlösschen, Wolfgang Schuller, besonders begrüßte, zeigt deutlich, die Suche des Künstlers nach seinem Ideal. Weitere Vorträge im Rahmen der Ausstellung: 3. November – Benno Lehmann, Künstlerkonflikt auf Messers Schneide: Zwischen Anton von Werner und Eugen Bracht; 1. Dezember, Jörg Paczkowski, Eugen Bracht als Lehrer und seine Schüler (jeweils um 11.15 Uhr im Hofgartenschlösschen)

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