Wertheim

Es geht nur ums Geld

Archivartikel

Das Verhalten des Wertheim-Village-Management ist äußerst grenzwertig. Nach außen gab der Betreiber des Outlet-Centers vor, das für vergangenen Samstag geplante „Late-Night-Shopping“ abgesagt zu haben, „um die Gesundheit und Sicherheit der Gäste und Mitarbeiter zu schützen.“ Man sei der Empfehlung der Behörden gefolgt, heißt es in der entsprechenden E-Mail. Dreist. Denn in Wahrheit versuchten die Manager, ein entsprechendes Verbot der Stadtverwaltung per Gericht zu verhindern (wir berichteten).

Dem Beschluss des Verwaltungsgerichts vom Samstag ist zu entnehmen, dass die Manager argumentierten, „eine Interaktion der Kunden und das damit verbundene Infektionsrisiko“ sei nicht vorhanden. Das Village sei kein geschlossenes Einkaufszentrum, sondern eine offene Fußgängerzone mit kleinen Ladeneinheiten.

Die Betreiber führten demnach zudem an, man erwarte keine Besucher „aus bekannten Risikogebieten oder hochbetagte Menschen mit respiratorischen Beschwerden“, womit Lungenerkrankungen gemeint sind.

Das ist hanebüchen. Dem Management musste bekannt sein, dass zum Beispiel Skiurlauber auf dem Heimweg zum Shoppen vorbeikommen und das Corona-Virus munter verbreiten können. Mitarbeiter und Gäste waren in Gefahr.

Das Village blieb zwei weitere Tage geöffnet. Erst die Verordnung aus Stuttgart setzte dem Bestreben des Betreibers ein Ende, jeden nur möglichen Umsatz zu generieren.

Jetzt steht das Village nicht nur aufgrund der anstehenden, schmerzhaften Verluste vor schwierigen Zeiten. Die Schleiertänze in der Kommunikation der Value Retail Management Germany haben für ein verheerendes Echo in der Öffentlichkeit gesorgt, die sich in den Sozialen Netzwerken widerspiegeln.

„Euch geht es doch nur ums Geld“, schrieb eine Nutzerin auf Facebook.

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