Wertheim

Erinnerung Gedenkbuch Stolpersteine ist jetzt in zweiter, erheblich erweiterter Auflage in digitaler Form im PDF-Format erschienen

Ergänzungen und komfortable Suchfunktion

Wertheim.Anlass für die Fortschreibung des Wertheimer Gedenkbuches zum Projekt Stolpersteine gab zum Einen die Betreuung von Nachfahren ehemaliger Wertheimer Juden bei ihren Besuchen in Wertheim und der Region durch den Autor Dieter Fauth. Diese Begegnungen haben gezeigt, dass auch heute noch fast jedes Detail des damaligen Geschehens für die Erinnerungsarbeit der Nachfahren und damit für ihre Möglichkeit zur Aussöhnung wichtig sein kann. Diese Erfahrungen wurden dem Autor oftmals zur moralischen Herausforderung, weiter zu forschen und den Nachfahren dieses neue Wissen bereit zu stellen. Oft haben Nachfahren auch ihm neues Wissen über ihre Vorfahren bieten können.

Zum Zweiten begegnete Fauth im Zusammenhang mit seinen weiteren Forschungsarbeiten nach Erscheinen des Gedenkbuches im August 2013 neuen für das Thema ergiebigen Quellen. Zum Dritten wurde Fauth durch seine Arbeitskontakte zur Recherche-Gruppe „Euthanasie“ im Würzburger Arbeitskreis Stolpersteine angeregt, sich nochmals systematisch mit „Euthanasie“-Verbrechen an Wertheimer Kindern zu befassen. Die Aufarbeitung dieser Verbrechen an Wertheimer Erwachsenen schien ihm 2013 bereits umfassend gelungen.

Ärzte und Hebammen waren ja ab 1933 angehalten, Kinder mit Missbildungen über die Gesundheitsämter, den Erbgesundheitsgerichten, die bei den Amtsgerichten angegliedert waren, zu melden. Ein „Reichsausschuss“ entschied dann zentral, welche dieser Kinder in sogenannten „Kinderfachabteilungen“ zu „behandeln“,also umzubringen seien. Teils neu und teils noch einmal hat Fauth die Akten aller damaligen Erbgesundheitsgerichte in Baden, die im Generallandesarchiv in Karlsruhe liegen, und die Akten der für Wertheim zuständigen oder möglichen „Kinderfachabteilungen“ in Wiesloch, Heidelberg, Stuttgart, Eichberg, Kalmenhorst, Ansbach, Eglfing-Haar und Kaufbeuren ausgewertet.

Wieder hat ihn dabei sein damaliger Mentor für den Buchteil 1 zur „Euthanasie“, Dr. Hans-Werner Scheuing, beraten. Fauth hatte nach der Veröffentlichung des Gedenkbuches im August 2013 einfach das Gefühl, auf diesem Gebiet noch nicht alles versucht zu haben.

Zwar kamen keine neuen Forschungsergebnisse zutage, aber es hat sich für den Autor jetzt erst der Eindruck eingestellt, alles Mögliche getan zu haben.

Diese zweite Auflage enthält nun Korrekturen, Streichungen und Ergänzungen, die alle in roter Farbe kenntlich gemacht sind. So kann die Leserschaft leicht die Differenz zur ersten Auflage erkennen. Geboten werden vor allem Ergänzungen vieler biografischer Einzelheiten. Allerdings würde dies eine Neuauflage nicht begründen, da dieser Prozess, immer weiter Biografica anzuhäufen, schier endlos fortgesetzt werden könnte.

Substantieller ist es, wenn Personen ganz neu ergänzt oder gestrichen werden müssen. Die insgesamt 523 Personenartikel der ersten Auflage wurden um fünf Artikel ergänzt, ein Artikel wurde gestrichen.

Im Buch enthalten sind jetzt 38 „Euthanasie“-Ermordete; 106 ermordete Juden und ein Roma; 336 überlebende verfolgte Juden; drei ermordete Andersdenkende; 44 überlebende, verfolgte Andersdenkende.

Vorliegende Neuauflage in digitaler Form bietet nun die Gelegenheit, über die im PDF-Programm bereitgestellte Suchfunktion nach Namen, Orten oder Sachworten zu suchen. Damit wird eine Schwäche der Buchausgabe ausgeglichen, da dort lediglich ein Ortsregister geboten wird.

Vielmehr hat das Buch vielfältige Bestärkung erfahren und auch vielfältig Ermutigung bei Nachfahren aufgeführter Opfer des NS-Regimes erzeugt. Den Autor erreichten viele Rückmeldungen in Gesprächen mit Wertheimern und in Briefen aus vielen Regionen der Welt, vor allem aus den USA, Israel, England und Frankreich, die von großer Dankbarkeit, Genugtuung und bewirkter Versöhnung berichten. Das Buch bietet offenbar seinen kleinen Beitrag dazu, dass der ohnehin große Respekt vor der selbstkritischen Erinnerungskultur in Deutschland bekräftigt wird.

Die Erinnerungskultur

Diese Erinnerungskultur erleichtert es vielen Menschen aus aller Welt, Deutschland und auch Wertheim zu besuchen.

Immer wieder hört der Autor dies von den Stadtführerinnen und Stadtführern Wertheims, wenn sie mit ihren Besuchergruppen vorwiegend aus den USA vor den Stolpersteinen in der Kernstadt verweilen. Entsprechendes bekundeten dem Autor gegenüber immer wieder Nachfahren von Opfern, die er während ihres Besuchs in Wertheim, zu dem sie oft genug erst durch das Wertheimer Projekt Stolpersteine und das vorliegende Gedenkbuch den Mut fanden, begleitete.

Es ist erlaubt und erwünscht, diese zweite erweiterte Auflage in digitaler Form zu kopieren und zu verteilen. Sie kann über den Verlag Religion & Kultur, Betzengraben 5, 97299 Zell a. Main/post@verlag-religionundkultur.de bei geringem Kostenersatz bezogen werden. df

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