Wertheim

VHS-Kino „Systemsprenger“

Ein kraftvoller und ehrlicher Film

Wertheim.Benni ist voller Wut. Auf die Erwachsenen, auf die Kinder, auf die ganze Welt. Nur nicht auf ihre Mama. Zu ihr will das neunjährige Mädchen zurück. Doch das Jugendamt sagt, das ginge nicht, solange Benni so viel Wut in sich spürt, die sich immer wieder auch mit Gewalt Bahn bricht. Und so wandert Benni von Einrichtung zu Einrichtung, von Erzieher zu Erzieher, von Wutanfall zu Wutanfall. Bis der Betreuer Micha auftaucht, der einen Zugang zu Benni findet. Doch während Benni in Micha eine Art „Ersatzvater“ sieht, muss Micha sich bemühen, die professionelle Distanz zu bewahren.

Nora Fingscheidts Spielfilmdebüt „Systemsprenger“ ist ein Film, der so kraftvoll und energisch daherkommt wie seine junge Protagonistin. Immer dann, wenn Benni in eine Wutphase verfällt und mit allem um sich schlägt und schreit, greift der Film diese Energie auf. Es ist phänomenal, mit welch körperlicher Wucht Helena Zengel Benni spielt. Alles an ihr ist kraftvoll und ausdrucksstark. Umso erstaunlicher, wieviel Unschuld und Zartheit an anderen Stellen sichtbar ist. Albrecht Schuch als Micha ist ein perfekter Gegenpol zu Benni. In ihrem gemeinsamen Spiel kreisen sie nicht um- sondern prallen aufeinander. Und obwohl man nicht anders kann, als mit Benni zu fühlen, ist es die Perspektive der Ämter und der Betreuer, die der Film einnimmt– allen voran Gabriela Maria Schmeide als Mitarbeiterin des Jugendamts, die alles Mögliche unternimmt, um Benni im Rahmen des Systems zu helfen. Einem System, das an diesem Anspruch scheitert und durch Kinder wie Benni „gesprengt“ wird. Ein kraftvoller, konsequenter und ehrlicher Film, der den Zuschauer nicht mehr loslässt. 24bfv

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