Wertheim

Goldene Hochzeit Marlene und Kurt Schuon haben sich vor 50 Jahren das Ja-Wort gegeben / Erst gemeinsam Prinzenpaar – zwei Jahre später schon verheiratet / Verlobung an einem Rosenmontag

Ein gemeinsames Leben für die Gastronomie

Archivartikel

Wertheim.Als sie 1968 Prinzenpaar waren, waren sie nur Freunde und ahnten nicht, dass sie bereits zwei Jahre später als Hochzeitspaar vor dem Traualtar stehen würden. Am 4. Mai 1970 wurden Marlene und Kurt Schuon standesamtlich getraut, am darauffolgenden Tag kirchlich. Ungewöhnlicherweise an einem Dienstag. Der Grund hierfür war einfach: Das Restaurant des begeisterten Gastronomenpaars hatte an diesem Tag Ruhetag. Ihr Leben widmeten sie – neben der Familie – der Gastronomie. Kaum ein Wertheimer wurde nicht von ihnen mit Nahrung versorgt, ob im Krankenhaus, in der Kantine des Beruflichen Schulzentrums oder über Jahrzehnte im Freibad. Heute feiern sie das Fest ihrer goldenen Hochzeit.

Marlene Schuon kam als Marlena Heilig 1947 in Wertheim zur Welt, die Familie lebte in Alt-Bestenheid. Der Vater ließ sie aus Versehen mit diesem Namen ins Geburtsregister eintragen, auch wenn sie zeitlebens in Wertheim als Marlene bekannt war und ist. Nach der Volksschule erlernte sie in Wertheim den Beruf der Maßschneiderin, anschließend arbeitete sie ein Jahr als Kontrolleurin in Aschaffenburg. Doch das Heimweh brachte sie zurück in die Main-Tauber-Stadt, und so arbeitete sie bis zur Hochzeit als Verkäuferin im Textilgeschäft Rehbein.

Am Ostersonntag 1939 erblickte Kurt Schuon im Wertheimer Krankenhaus das Licht der Welt und wuchs zunächst in der heutigen Hans-Bardon-Straße auf. Dort erlebte er den Einzug der Amerikaner 1945 und anschließend eine etwas holprige Schulzeit in der Nachkriegszeit.

„Den ersten wirklich ausgebildeten Lehrer hatten wir in der fünften Klasse“, erinnert er sich. Nichtsdestotrotz macht er seinen Abschluss und absolvierte eine Ausbildung zum Holz- und Kellerküfer. Es folgen einige freiwillige Jahre bei der Bundeswehr, bevor er bei seinen Eltern in die Bewirtschaftung der Burg einstieg. „Damals hieß das bei allen nur altes Schloss.“

Privates Glück gefunden

Schuon eroberte die Feste und Großveranstaltung der Gegend, beginnend mit der Bewirtung der Wertheimer Messe.

Später kamen unter anderem das Quätschichfest, Messen im Umland und zahlreiche Betriebsfeste und Veranstaltungen in der Main-Tauber-Halle und der Stadthalle Lohr hinzu.

Da ist es nur folgerichtig, dass er bei der Wolfschlucht Concordia den Namen „Schlosswolf“ erhalten hat. Und hier fand er neben dem beruflichen Erfolg sein privates Glück, in Person der Gardetänzerin Marlene. Zunächst sind sie 1968 ein Prinzenpaar. Das war damals – anders als heute üblich – meistens nicht im realen Leben liiert. Doch schon zwei Jahre später wurde Verlobung gefeiert – passend am Rosenmontag.

Drei Monate später waren sie verheiratet und gemeinsam in der Gastronomie tätig. „Das Besondere an meinen Eltern ist, dass sie in den vergangenen 50 Jahren Tag und Nacht zusammen waren. Denn sie haben ja zusammen gearbeitet“, stellt Tochter Sonja fest. Sie ist das dritte Kind des Paares, nach einem Bruder und einer Schwester. Alle sind im Abstand von einem Jahr in den Jahren 1971 bis 1973 geboren. Heute gehören noch vier Enkelkinder zwischen zwölf und 23 Jahren zur Familie.

Einen Tag vor der Eröffnung ihrer neuen Gaststätte im Bahnhof kommt Sohn Klaus zur Welt. Er trat später in die Fußstapfen seiner Eltern und übernahm im alten Krankenhaus die Kantine. Von Anfang an sind die Kinder am Familienunternehmen beteiligt, helfen später in den Kiosken der Familie im Berufschulzentrum und im Schwimmbad. Letzteren betrieben die Schuons 26 Jahre. Und hatten dadurch ein besonders Privileg: Da sie ja zu normalen Schwimmbadöffnungszeiten immer arbeiteten, durfte die Familie exklusiv nach Schließung des Bades noch schwimmen.

Geschickt war auch, dass sie 1983 ein Haus in unmittelbarer Nähe des Schwimmbads bauen konnten, das sie noch heute bewohnen. Seit 2008 sind sie Rentner – doch langweilig wird es ihnen nicht. Zum einen lassen sie es sich nicht nehmen, noch immer Festwirte bei der Wolfsschlucht zu sein. Zum anderen reisen sie gerne, waren schon in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb Europas. Kurt Schuon ist seit 50 Jahren im Fremdenverkehrsverein aktiv, 25 Jahre war er Vorsitzender. Außerdem ist er das älteste Mitglied der SV Viktoria, wurde bereits für 70-jährige Mitgliedschaft geehrt. Marlene Schuon bekleidet seit 25 Jahren das Amt der Vorsitzenden des Kegelclubs Staubwolke, sie macht gerne Sport, besonders Schwimmen.

Abendliches Ritual

Abends haben sie ein gemeinsames Ritual: den Rommé-Cup, den sie fast jeden Abend zu zweit austragen und bei dem sie alte Schlager hören. Der Cup kann schon mal über mehrere Stunden gehen.

Nach dem Geheimnis ihrer langen Ehe gefragt, antwortet Kurt Schuon pragmatisch: „Wir hatten gar keine Zeit, auf andere Gedanken zu kommen. Wir haben ja immer gearbeitet.“ Es habe Höhen und Tiefen gegeben, aber nie eine Krise. „Ich würde ihn wieder heiraten“, so Marlene Schuon.

Etwas traurig sind sie allerdings, dass durch die Corona-Krise nicht nur die Jubiläumsfeier auf der Burg nicht möglich ist, sondern genauso wenig eine ganz besondere Reise, die sie geplant hatten: Wie schon auf der Hochzeitsreise wollten sie im Jubiläumsjahr zu einer Mittelmeerkreuzfahrt starten. Doch auch dadurch lässt sich das Jubelpaar, das so viel miteinander gemeistert hat, nicht unterkriegen.

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