Wertheim

Brauchtum Die Dertinger feierten in den vergangenen Tagen Traditionsfest / In der Predigt ging es um gestohlenes Obst und einseitiges Parken

Drei frische „Kerwa Buawa“ führten den Festzug an

Archivartikel

Dertingen.Die „Daddinga Kerwa“ feierte am Sonntag ihren Höhepunkt. Das Traditionsfest begann bereits am Donnerstag mit dem „Lawerwurscht-Dunnerschde“, bei dem es traditionell gekochte Leberwürste mit Kraut und andere Hausmachersorten gab.

Für die musikalische Umrahmung sorgte die Musikkapelle Dertingen. Am Samstag fand dann eine Weinprobe mit „Käse und Wein“ statt. Beides kam aus der Region. Die Weine wurden von unterschiedlichen Personen vorgestellt, unter anderem den „Daddinga Kerwa Buawa“ Gustav Schmidt, Ruben Link und Max Oesterlein. Alle drei nahmen die Aufgabe als Kerwa-Anführer erstmals war.

Am Sonntagmittag schlug dann ihre große Stunde. Sie führten den großen Kerwazug durchs Dorf an. Gefolgt von rund hundert Dertingern und Bewohnern der Nachbardörfern zogen sie durch die Straßen. Musikalisch begleitet wurde der Zug vom Fanfaren- und Spielmannszug Eberbach.

Von der Mandelberghalle aus ging es die Hauptstraße entlang zur Straße „Am Mandelberg“. Dort machten sich die Buawa auf, die vergrabene Kerwa zu suchen. Genau beäugt wurden sie dabei von den Kindern des Dorfs. Nach zwei Fehlversuchen wurde die Kerwa dann nahe des Spielplatzes gefunden.

Weiter ging es zum Gasthof „Löwen“. Auf dem Weg erklang immer wieder der Ruf „Drei, Vier, Göüger“ Vor dem Gasthaus wurde erstmals der „Kerwezäidl“, so heißt die Kerwepredigt in Dertingen, verlesen. Zu hören gab es diese später nochmals in der Halle, sowie am Sonntagabend. In ihrem Vortrag, der in Dertinger Mundart gereimt war, griffen die drei Jungen das Ortsgeschehen des vergangen Jahres auf. Dabei gab es auch Positives zu berichten, wie das Interesse an den Bauplätzen in Neubaugebiet und das Engagement bei der Aktion saubere Landschaft.

Aufgegriffen wurde aber auch so manches Ärgernis. Seit dem beim Gasthof Löwen das Parken in Richtung Wüstenzell verboten sei, parken nun alle auf der anderen Seite. Bedauert wurde auch, dass es zukünftig wohl weniger Veranstaltungen im Wohnmobilcenter geben werde, denn der Dertinger Sportverein habe hier bewirten dürfen.

Ein besonderes Ärgernis sei der Obstklau im Dorf. So mancher freue sich im Spätjahr, dass er ernten kann. „Dass er ernten könnte, wenn er denn könnte“, verwiesen sie weiter darauf, dass Obst und Nüsse vorher schon gestohlen würden.

Der Zug endete wieder in der Halle. Vor dieser wurde der „Göügerschor“ ausgetragen. Bei diesem schlugen Kinder bis ins Konfirmationsalter mit einem Holzstab und verbundene Augen auf einen Tontopf.

Wer ihr zerschlug, bekam als Preis einen lebenden Hahn. „Wollen diesen die Kinder nicht, geben wir ihn dem Züchter zurück. Wir passen auf, dass es dem Tier die ganze Zeit gut geht.“ betonte Patrick Volk, Vorsitzender des Fanfarenzugs Dertingen, der die Kerwa ausrichtet.

In der Halle trat erstmals an der Kerwa der Jugendfanfarenzug mit 13 Mitgliedern zwischen sechs und 19 Jahren auf. Sie hatten extra zwei Lieder dafür einstudiert.

Mit dem Auftritt wollte man auch für die Nachwuchsarbeit des Vereins werben.

Der Abend klang bei Musik der Musikkapelle Uissigheim aus. bdg

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