Wertheim

Kultur Die japanische Pianistin Naoko Sonoda und der Wertheimer Cellist Joel Blido begeisterten am Sonntag im Schlösschen das Publikum

Dramatik findet zu Harmonie zurück

Die Pianistin Naoko Sonoda und der Cellist Joel Blido boten beim ersten Konzert im Hofgartenschlösschen nach der vorsichtigen Lockerung der Corona-Einschränkungen ein hochkarätiges Konzert.

Hofgarten. „Le Grand Tango“ lautete das Motto des Konzerts, mit dem die neue Konzertreihe „Wertheimer Kultursommer“ am Sonntag im Hofgartenschlösschen eröffnet wurde. Der Kulturkreis Wertheim hatte zu diesem ersten Konzert nach fast vier Monaten „Coronapause“ eingeladen, nachdem die Einhaltung der aktuell geltenden Hygienevorschriften sorgfältig vorbereitet und bereits bei der Einladung vorbildlich kommuniziert worden war.

Naoko Sonoda (Klavier) und Joel Blido (Violoncello) spielten Werke von Haydn, Brahms, Ligeti, Schumann und Piazzolla. Auch für die Solisten, so Joel Blido, sei es das erste Konzert nach langer Pause und man freue sich, „für Leute zu spielen und nicht für eine Wand“.

Sommerlich frisch begann das Konzert mit dem ersten Satz aus Joseph Haydns Cellokonzert Nr. 1 C-Dur. Die modern auskomponierte Kadenz - zu Haydns Zeit wurden Kadenzen improvisiert – am Ende des Satzes bot einen besondern, reizvollen Kontrast.

Die Sonate F-Dur von Johannes Brahms kennzeichnete Klangfülle und Dramatik, die immer wieder zu ruhiger Harmonie zurückfand. Filigran und füllig zugleich beeindruckte der zweite Satz „Adagio Affetuoso“. Vielleicht mutete dieser Satz besonders volkstümlich an, weil sich das bekannte Kinderliedmotiv „Bruder Jakob“ immer wieder deutlich einschlich und auch nach Moll verfremdet immer wieder zum Vorschein kam.

Interessante Rhythmik

Das „Allegro passionato“ hatte eine interessante Rhythmik, die durch eng aufeinanderfolgende Synkopen fast wie eine Vorwegnahme eines fetzigen Jazzstückes wirkte. Auch hier folgten anschmiegsame Cellomelodien, die an gesungene Hymnen erinnerten. Prägnante rhythmische Strukturen und im Crescendo und Decrescendo wiegende Arpeggien kontrastierten zum Abschluss des „Allegro molto“, gefolgt von begeistertem Applaus.

Nach der Pause ein weiterer Kontrast: die Sonate für Violoncello solo von György Ligeti, komponiert 1948 und 1953 für jeweils eine Cellisten-Kollegin des offensichtlich verliebten 25-jährigen Studenten, deshalb auch der zeitliche Abstand der beiden Entstehungsdaten. Besonders aufhorchen ließ das Pizzikato mit „eingebautem“ Glissando am Ende des ansonsten eher romantischen ersten Satzes. Energischer, virtuoser und kontrastreicher war der zweite Satz angelegt. Welchen, wenn auch indirekten Einfluss die beiden Damen auf die Kompositionen gehabt haben mögen, blieb, wie so oft in Kunst und Musik, der Phantasie der Zuhörer überlassen.

Robert Schumanns Cellosonate op. 70 gehört zu einer Auswahl von Stücken, die der Komponist nicht zwingend bestimmten Instrumenten zuordnete. So war dieses Werk ursprünglich für Horn vorgesehen, wurde aber auch in Bearbeitungen für Cello oder Violine gespielt, einer Praxis, die in der Barockzeit weit verbreitet, aber in der Folgezeit eher unüblich war.

Einflüsse aus Jazz und Klassik

Astor Piazzolla ist als Erneuerer und Weiterentwickler des Argentinischen Tangos bekannt.

Bereichert durch Einflüsse aus Jazz und Klassik, verquickt mit modernen, effektvollen Stilmitteln, entstand ein Werk, das sowohl besinnliche Elemente enthielt als auch atemberaubende Effekte wie ein musikalisches Feuerwerk auf die Zuhörer einwirkte. Hochvirtuose Spieltechnik beider Solisten sorgte beim zuhörenden und zusehenden Publikum immer wieder für Momente des ungläubigen Staunens, wie beim vielleicht schmerzhaften (?) Fingerknöchel-Glissando über die harte Klaviertastatur oder beim ultraschnellen Extrem-Stakkato und einer nie gesehenen Handgelenksakrobatik.

Zwei virtuose Zugaben bildeten den Abschluss eines unvergesslichen Konzerts, das dem zahlenmäßig begrenzten Publikum unbegrenzten Genuss bescherte.

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