Wertheim

Reformationstag Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh predigte beim Festgottesdienst des Evangelischen Kirchenbezirks Wertheim

Der Glaube zeigt im Alltag seine Kraft

Archivartikel

Den Reformationstag feierten die Gemeinden des Evangelischen Kirchenbezirks Wertheim gemeinsam. Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh predigte vor fast 300 Gläubigen.

Wertheim. Bei dem Gottesdienst am Donnerstagabend in der Wertheimer Stiftskirche führten Schuldekanin Cornelia Wetterich, Pfarrerin Dr. Verena Mätzke und Pfarrerin Carolin Knapp durch die Liturgie. Bei der Begrüßung stellte Wetterich fest, die Kirche sei im Umbruch, werde verändert von innen und von außen. Schon Luther habe solch notwendige Veränderung angesprochen. Was bleibe, sei das Fundament, auf dem die Kirche stehe: Jesus Christus. Das Reformationsfest erinnere daran, dass Leben „unterwegs sein“ heiße.

In den Gebeten wurde Bezug genommen auf die derzeitigen vielschichtigen Probleme in der Welt, verbunden mit dem Aufruf, über die eigenen „kleine Welt“ hinaus zu schauen. In weiteren Gebeten hieß es „Lehre uns Mut und Demut, deinen Auftrag zu erkennen“ oder dass die Menschen darauf angewiesen seien, „dass uns Gott gnädig ist“.

Der eigens für den Reformationsgottesdienst gebildete Projektchor unter der Leitung von Bezirkskantorin Katharina Wulzinger erwies sich als homogener Klangkörper. Die 35 Sänger intonierten die Lieder beherzt, beeindruckten mit strahlenden Melodienbögen und schönen Klanggeflechten. Für seine Leistungen erhielt der Projektchor abschließend Beifall. Die Bezirkskantorin spielte zudem die Orgel.

Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh unterstrich in seiner Predigt, dass am Reformationstag ein Fest des Glaubens gefeiert werde, dass der Glaube im Alltag begleite, im Leben trage und im Sterben tröste. Die Menschen feierten, dass der Glaube frei mache und mutig, Verantwortung zu übernehmen, vor Ort und gegenüber den Nächsten, aber auch in die weiten Horizonte. Cornelius-Bundschuh verwies auf den Predigttext aus dem fünften Buch Mose im sechsten Kapitel. Jesus öffne die Tür und lade zum Zuhören ein. Mit Blick auf jüdische Gemeinden und Menschen sagte der Bischof: „Wir gehören zusammen, wir glauben an einen Gott.“

Gott sei nicht auf den Begriff zu reduzieren, Gott lasse sich nicht für eigene Interessen instrumentalisieren. Diese Erkenntnis sei auch für die Reformation wichtig. Der Reformationstag widerspreche den Abgöttern und allen Versuchen, Gott und den Glauben für eigene Interessen in Dienst zu nehmen, betonte der Landesbischof. Gott wolle Menschen, die sich nicht fürchten, sondern aus der Kraft der Liebe Christi lebten, frei und aufrecht, besonnen und selbstbewusst. In diesem Sinne mache die Reformation kritisch, vor allem selbstkritisch.

Cornelius-Bundschuh unterstrich, der evangelische Glaube habe eine große kritische Kraft. Noch wichtiger aber sei das Vertrauen in die Liebe Gottes. Das sei die eigentliche reformatorische Entdeckung: „Entscheidend ist nicht, was wir tun, sondern was Gott für uns tut.“ Die Liebe Christi rette die Schwachen, verbinde trotz aller Unterschiede in einer wechselseitigen Gemeinschaft, öffne Wege in verfahrenen Situationen, entdeck in Konflikten kreative Lösungen.

Der evangelische Glaube lebe daraus, „dass Gottes Liebe uns zuvorkommt“, erklärte der Geistliche. Die Menschen müssten nur einstimmen und sich einfinden in die liebevolle Bewegung Gottes in dieser Welt. Manchmal falle das leicht, manchmal liege man auch wie ein schwerer Brocken im Weg.

Der Landesbischof betonte, über Glauben müsse man reden. Glauben könne man lernen, müsse man üben. Dann könne man „merken, was uns trägt“. Der Glaube sei etwas sehr Persönliches, aber keine Privatsache. Dabei wolle sich der Glaube gerade im Alltag bewähren; wolle mutig und frei machen, „uns in den Verantwortungen tragen und stärken“. Wenn jemand über seinen Glauben redet, lege er sich fest: „So stelle ich mir Gott vor.“ Cornelius-Bundschuh fasste zusammen: Glaube sei für den Alltag wichtig, da zeige er seine Kraft.

Die Fürbitten galten auch jenen, die ihre eigenen Interessen zurückstellen, die hungern, die den Frieden schützen oder jenen, die durch Krieg alles verloren haben. Sie schlossen ab mit der Bitte „mach uns mutig, zuversichtlich und tatkräftig“. Das gemeinsame Vaterunser, Dankesworte für alle, die den schönen Gottesdienst mitgestaltet hatten, der Segen des Landesbischofs sowie ein Orgelnachspiel beschlossen den Reformationsgottesdienst in der Stiftskirche.

Die Kollekte kommt der Arbeit des Gustav-Adolf-Werkes zugute. Am Ausgang gab es zur Überraschung vieler Reformationsbrötchen für den Nachhauseweg, den für den so mancher einen der eingesetzten Sonderbusse nutzte.

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