Wertheim

Geschichte Dem Konditormeister Friedrich Platz wurde es in Wertheim zu eng / In Würzburg ließ er einen gastronomischen Prachtbau errichten

Den Nerv seiner Epoche getroffen

Archivartikel

Der Platz’schen Garten in Würzburg wurde nach einem Wertheimer Konditormeister benannt. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse über das Leben des Friedrich Platz.

Wertheim/Würzburg. Wer Würzburg noch vor dem Zweiten Weltkrieg erlebte, kannte auch das seit über hundert Jahren bestehende Nahurlaubsziel der Eingesessenen, den Platz’schen Garten. Ostwärts der Residenz vor dem Rennweger Tor gelegen, hatte 1826 der Konditormeister Friedrich Platz diese Sommerwirtschaft eingerichtet, indem er in einer Obstgartenanlage eine vornehme Restauration im italienischen Villenstil durch den Architekten Anton Daug erbauen ließ.

Zunächst nur für die höhere Gesellschaft und gebildete Kreise gedacht, wurde der Platz’sche Garten in der Biedermeierzeit zu einer der Würzburger Attraktionen. Er hatte den größten Saal in der Stadt. Als noch im Gründungsjahr der neue bayerische König Ludwig I. seinen Antrittsbesuch in der Mainmetropole machte, gab ihm hier der Stadtmagistrat am 7. Juli 1826 vor einer begeisterten Menge einen rauschenden Empfang.

Die Geschichte des Platz’schen Gartens liegt gut dokumentiert vor, über seinen Gründer freilich ist außer Name und Beruf nichts bekannt. Einer Vielzahl von Würzburger Historikern scheint dieser Mangel bisher nicht aufgefallen zu sein. Dabei mag allein schon erstaunen: Konditor Friedrich Platz, der aus Wertheim kam, war Protestant.

Nach ausgedehnten Recherchen und dank bereitwilliger Unterstützung durch M. A. Thomas Wehner vom Diözesanarchiv und M. A. Sybille Grübel vom Stadtarchiv Würzburg lässt sich jetzt die bemerkenswerte Biographie von Friedrich Platz ausführlich schildern.

Ursprünglich Gerberfamilie

In der Main-Tauber-Stadt wurde er am 25. April 1780 als Sohn des Konditors Christian Lorenz Platz und der Maria Catharina, geb. Baumann, geboren und tags darauf als Friedrich Jacob getauft. Der Vater, aus alteingesessener Gerberfamilie stammend, hatte den Traditionsberuf verlassen. Als Konditor mochte er sich in der damals noch mit mehreren Grafenhöfen ausgestatteten Kleinresidenz Wertheim ein gutes Auskommen versprechen. 1771 hatte er sich selbstständig gemacht in dem vom Schwiegervater eingeräumten Haus Eichelgasse 14, das er 1786 erwerben konnte.

1789 ist Christian Lorenz Platz als Hofkonditor bezeugt: er war auch als Spezereihändler tätig. 1793 übersiedelte er in die gegenüberliegende Eichelgasse 11.

In diesem Umfeld wuchs Friedrich Platz mit Schwester Luise und dem zwei Jahre älteren Bruder Johann Christian auf. Mit diesem ergriff er gemeinsam den väterlichen Beruf und durchlief die Lehre als Konditor.

Unter den Umbrüchen des beginnenden 19. Jahrhunderts muss ihm als Zweitgeborenem Wertheim allerdings zu eng erschienen sein. Auf welche Weise er damals in engere Verbindung mit Würzburg kam, wissen wir nicht. Jedenfalls ließ er am 19. Juni 1806 verlauten, er wolle sich in Würzburg etablieren und verheiraten.

Es waren konfessionelle Mischehen, die er jeweils im Dom einging, insgesamt drei. Am 1. Juni 1807 wurde er erstmals mit der acht Jahre älteren Catharina Francisca Thecla, Tochter des verstorbenen Kochs Franz Marzineck, getraut. Sie starb jedoch bereits ein Jahr später an Brustwassersucht am 13. Juli 1808.

Bei seiner zweiten Trauung am 13. Februar 1809 wird Friedrich Platz als Stadtkonditor bezeichnet. Maria Margaretha Rau, mit der er die Ehe schloss, war ebenfalls etwas älter als er und Tochter des gleichfalls verstorbenen Würzburger Bretterhändlers Adam Rau. Eine Tochter entsprang im Oktober 1811 diesem Bund, aber schon am 12. April 1812 starb die Mutter an Lungensucht.

Bereits nach einem halben Jahr, am 15. November 1812, schritt Friedrich Platz zur dritten Ehe mit Sabina Sickenheim, Tochter des vormals fürstlich Kemptischen Stallmeisters Ferdinand Sickenheim, zuletzt tätig als fürstlich Würzburgischer Lotto-Revisor.

Mit Heirat Vermögen erlangt

Es kann keine Frage sein, dass Konditor Platz, in seinem Metier ohnehin erfolgreich, durch diese Ehe zu zusätzlichem Vermögen gelangt ist, vor allem nach dem Tod des Schwiegervaters 1822.

Sieben Kinder waren dem Paar zwischen 1813 und 1824 beschert; von ihnen sind vermutlich vier Söhne aufgewachsen. Eine Tochter, Maria Friederike, erlag 1835 im Alter von fast siebzehn Jahren den Folgen eines rheumatischen Fiebers. Ihre gedruckte Todesanzeige befindet sich in der Totenzettel-Sammlung des Stadtarchivs.

1826 war es dann soweit, dass Friedrich Platz die eingangs erwähnte Einrichtung des Platz’schen Gartens außerhalb des damaligen Würzburger Stadtrings verwirklichen konnte. In Anton Daug (1790 bis 1839), einem Schüler von Peter Speeth (Würzburg) und Friedrich Weinbrenner (Karlsruhe), fand er den gewünschten Architekten, der das villenartige Restaurant im beliebten Zeitgeschmack entwarf und realisierte. Damit hatte Friedrich Platz offensichtlich den Nerv seiner Epoche getroffen.

Platz blieb Protestant

Die Würzburger Konditorei von Platz befand sich in bester Lage, ursprünglich in der Plattnergasse 10, danach in Plattnergasse 4, wo sie noch 1824 belegt ist. Wann er diesen Broterwerb aufgegeben hat, ist noch unbestimmt. 1835 jedenfalls wohnte Platz in dem von ihm erworbenen Anwesen Domstraße 39 als „Particulier“ (von seinem Vermögen lebender Privatmann). Hierher übersiedelte auch sein Bruder, der Wertheimer Konditor Johann Christian Platz, nachdem dessen Frau 1837 dort gestorben war.

Das Leben von Friedrich Platz endete am 27. April 1844. Er verschied an den Folgen eines Brustleidens nach viertägigem Krankenlager im Alter von 64 Jahren und einem Tag. Die Todesanzeige in der „Neuen Würzburger Zeitung“ nennt ihn „Bürger und Mitglied der protestantischen Kirchen-Verwaltung dahier“. Demnach ist er seiner ererbten evangelischen Religion treu geblieben. Bruder Johann Christian folgte ihm am 5. April 1845 im Tod.

Wann der Platz’sche Garten in die Hände von Johann Feineis überging, ob noch zu Platz’ Lebzeiten oder danach, dies zu klären, soll der Würzburger Forschung überlassen bleiben. Hier galt es, ein Lebensschicksal wieder ans Licht zu bringen, das Würzburg wie Wertheim zur Ehre gereicht.

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