Wertheim

Konzert Trio Geringas spielte im Josephsaal von Kloster Bronnbach Kammermusik auf allerhöchstem Niveau mit Violine, Flügel und Cello

Dem Flügel neue Töne entlockt

Archivartikel

Bronnbach.Mit das Beste, was sich derzeit am Himmel für klassische Musik finden lässt, gab als Trio ein Konzert im Josephsaal von Kloster Bronnbach. Violinistin Erika Geldsetzer ist Gründungsmitglied im Fauré Quartett, das die Zuhörer auf den besten Bühnen der Welt mit ihrer Musik verzaubert. Außerdem ist sie seit 2014 Dozentin für Violine an der Akademie der Künste in Berlin.

Ihr Lebenspartner Ian Fountain beherrscht die weißen und schwarzen Tasten auf dem Klavier, wie nur wenige andere. Nach seiner Chorausbildung am New College in Oxford und später am Winchester Collage wechselte er zum Klavier und wurde mit 19 Jahren der jüngste Gewinner des Arthur Rubinstein Piano Masters-Wettbewerb in Tel Aviv. Auch er ist Lehrbeauftragter für Klavier an der Royal Academy of Music in London.

Beide zusammen waren bei einem bemerkenswerten Konzert bereits im Frühjahr im Schlösschen im Hofgarten aufgetreten. Nun gesellte sich mit David Geringas ein absoluter Meister am Cello hinzu. Der in Litauen geborene Künstler hat mit allen großen Orchestern und Dirigenten dieser Welt gearbeitet. Annähernd 100 CDs hat er bereits aufgenommen, darunter auch sämtliche Werke für Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven zusammen mit Ian Fountain. Hierfür gab es den „Editors Choice“ der Gramophone.

Trotz seines Alters ist Geringas immer noch ein gefragten Musiker. Zahlreiche hochkarätige Cellisten waren seine Schüler an den Musikhochschulen in Hamburg, Lübeck oder Berlin. Geringas spielte auf einem Cello des berühmtesten Erbauers dieser Instrumente, Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1761.

Zu Gehör kamen in Bronnbach „Great Connectins“ das Klaviertrio g-Moll op. 17 von Clara Schuhmann. Es ist eine Ehrung der großen Klavierspielerin und Komponistin zu ihrem 200. Geburtstag, welcher in diesem Jahr gefeiert wird. Die vier Sätze zeigten einmal mehr, welch großes Potenzial die Künstlerin bereits in jungen Jahren besaß. Ihre Kompositionen vor der Ehe mit Robert Schuhmann müssen sich nach Meinung von Fachleuten nicht hinter denen ihres berühmten Ehemanns verstecken. Das Trio Geringas brachte Clara Schuhmanns Werk so authentisch und präzise zu Gehör, dass der Beifall der gut 200 Besucher nicht enden wollte.

Beim zeitgenössischen Komponisten Jüri Reinvere und seiner Sonate für Klavier und Cello hatte Erika Geldsetzer Pause. Die Bühne gehörte nur den beiden Männern und ihren Instrumenten. Dabei gelang es Ian Fountain, dem Bösendorfer Flügel des Kloster Bronnbach so viele ungewohnte Töne und Schwingungen zu entlocken, wie man sie nur selten hört. Der ganze Raum war voller Musik und ergänzte sich harmonisch mit den Klängen von Geringas Cello.

Auch ihm gelangen die schweren Tonfolgen des jungen Komponisten wunderbar. Selbst die weichen und kaum hörbaren Striche über die Saiten des Cellos fügten sich in das Gesamtkunstwerk ein. Sicher war das Stück nicht für alle Ohren im Josefsaal harmonisch einfühlsam und nachempfindbar, aber es zeigte einmal mehr, wie ausgewogen moderne und zeitgenössische Musik interpretierbar ist.

Nach der Pause spielte das Trio dann Peter Tschaikowsky’s Klaviertrio a-Moll op. 47. Obwohl das Stück nur aus zwei Sätzen besteht, hört es sich an wie eine Symphonie. Das liegt an den insgesamt zwölf Variationen des Hauptthemas im zweiten Satz. Entstanden ist das Klaviertrio im Jahr 1881/82 in Rom. Tschaikowsky wollte damit den Pianisten Nikolaj Rubinstein ehren, der ihn an das Moskauer Konservatorium berufen hatte. Erschüttert von des plötzlichen Tod und dem Begräbnis in der orthodoxen Kirche der Rue de Paris, entschloss sich Tschaikowsky zu der Komposition.

Dabei wurde es kein melodramatisches Werk, sondern die Freude überwog. Den Spagat zwischen Trauer und Freude des Lebens brachten die drei Musiker in Kloster Bronnbach bestens zur Geltung. Ihre harmonischen Klänge erreichten die Herzen der Zuhörer, die erst nach einer frenetisch geforderten Zugabe in die Nacht entlassen wurden – mit dem guten Gefühl ein wirklich einmaliges Konzert genossen zu haben.

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