Wertheim

Michaelis-Messe Acht Fahr- und Spielgeschäfte sorgen ab 1. Oktober mit Jahrmarkt „Herbstvergnügen“ für kleinen Ersatz / Hygienekonzept bereits in anderen Orten erprobt

„Das Maximum, was in dieser Zeit geht“

Archivartikel

Ein Jahr ohne MichaelisMesse? In Wertheim ist dies nur schwer vorstellbar. Jetzt haben sich mehrere Schausteller zusammengetan und sorgen zumindest für einen kleinen Ersatz.

Wertheim. Den Termin für die Michaelis-Messe rund um den 3. Oktober braucht sich in Wertheim niemand mehr in den Kalender schreiben. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Und so kam, was kommen musste: Die Messe als solche wurde schon vor einiger Zeit vom Messeausschuss abgesagt – auch wenn das frühzeitige Absetzen nicht überall auf Zustimmung stieß. Doch nun gibt es in deutlich abgespeckter Form, einen Ersatz: der kleine Jahrmarkt „Herbstvergnügen“.

Die Idee dafür stammt von Daniel Saunders. Unter normalen Umständen gastiert der Schausteller mindestens drei Mal im Jahr in Wertheim. Er bereichert beispielsweise mit seinem Kinderkarussell den Ostermarkt. So wie alle Schausteller traf auch Saunders der Lockdown schwer. „Es war schon bitter, wenn man durch sein Lager geht und sieht, nichts bewegt sich“, blickte Saunders auf die Zeit ohne Einnahmen zurück. Einige seiner Kollegen haben laut Saunders diese Zeit finanziell gut überstanden, andere schränkten sich deutlich ein oder hielten sich mit Jobs als Lkw-Fahrer über Wasser. Jetzt sei jeder Schausteller froh, mit seiner Arbeit wieder unter Leuten sein zu können, so Saunders. Als man sich in Gunzenhausen endlich wieder zu einem Vergnügungspark zusammenfinden konnte, stellten sich Saunders und seine Kollegen der Aufgabe: Irgendwie muss doch, wenigstens auf einem ganz kleinen Level, so etwas auch in Wertheim möglich sein.

Weil alle Verantwortlichen in der Stadtverwaltung sehr schnell reagierten, konnte innerhalb kürzester Zeit dieses „Herbstvergnügen“ organisiert werden.

„Das, was wir jetzt machen, ist eigentlich das Minimum, was sein sollte, aber das Maximum was in der jetzigen, schwierigen Zeit geht“, stellte Saunders fest. Er ist sich natürlich im Klaren darüber, dass dieses „Herbstvergnügen“ in keiner Weise die Michaelis-Messe ersetzen kann. „Aber es ist zumindest ein Trostpflaster“, sagte er.

Eine Kombination mit dem Bauernmarkt zogen die Mitarbeiter der Stadt wohlweislich nicht in Erwägung, wie Innenstadtmanager Christian Schlager sagte. Also blieben nur die fünf Tage rund um den 3. Oktober.

Bis einschließlich Montag werden nun an drei Stellen insgesamt acht Schaustellergeschäfte für Unterhaltung sorgen. An der Main-Spitze nimmt ein Autoscooter-Fahrgeschäft seinen Platz ein, die Metzgerei Müller verkauft Bratwürstchen und ein weiteres Spielgeschäft, beispielsweise eine Losbude, komplettieren das Angebot an diesen Ort. Kinderaugen werden auf dem Busparkplatz beim Anblick des Kinderkarussells leuchten. Auch hier wird eine Spielbude zu finden sein. Nur ein paar Schritte weiter, auf dem Mainvorplatz, sind das Bungee-Trampolin, ein Süßwarenwagen und eine dritte Spielbude zu finden.

Das Hygienekonzept

Die Aufteilung der Stände auf drei Orte wurde mit Bedacht gewählt, um Menschenansammlungen zu verhindern. An den jeweiligen Kassen wird es entsprechende Markierungen geben, damit nur von einer Seite angestanden wird. Mindestens alle zwei Stunden werden alle Flächen desinfiziert. Ausgegebene Chips landen sofort im Desinfektionsbad. Große Banner weisen die Besucher auf das richtige Verhalten hin, unter anderem auf das Tragen der Maske in der Warteschlange. Ob auch beim Benutzen des Fahrgeschäfts (für Kinder erst ab sechs Jahre) Maskenpflicht besteht, wird erst kurzfristig festgelegt. An jedem Fahrgeschäft sind Ständer mit Desinfektionsmittel aufgestellt. Dass dieses Hygiene-Konzept gut funktioniert, davon konnten sich die Schausteller bei ihren Gastspielen beispielsweise in Schwabach, Gunzenhausen oder Augsburg überzeugen.

„Das funktioniert in größeren Städten, warum also nicht auch bei uns?“, so Innenstadtmanager Christian Schlager. „2020 wird nicht das Jahr der Besucherrekorde, sondern das Jahr, in dem wir gegen das Nichts ankämpfen.“

Er ist stolz darauf, dass nun an jedem Oktoberwochenende etwas in der Stadt geboten wird.

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