Wertheim

Kultur Bedeutendes Bild der deutschen Kunstgeschichte erworben / Gemälde „Ein schwerer Gang“ von Fritz von Uhde aus der Sammlung Wolfgang Schuller jetzt im Schlösschen

Biblische Darstellung vermittelt den Betrachtern Zuversicht

Hofgarten.Auf Initiative des früheren Präsidenten des Rotary Clubs Wertheim, Hartmut Müller, erwarb der Club vor einiger Zeit mit Unterstützung der „Stiftung Christina Lachenmann“ für das Kunstmuseum „Schlösschen im Hofgarten“ eines der sehr bedeutenden Bilder der deutschen Kunstgeschichte: das Gemälde „Ein schwerer Gang“ von Fritz von Uhde (1902) aus der Sammlung Wolfgang Schuller.

Bereits 1884 malte Uhde das Gemälde „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ und erregte damit großes Aufsehen. Von Begeisterung bis zur schroffen Ablehnung reichten die Stellungnahmen. In diesem Bild ist das „soziale Genre“ mit religiöser Thematik verbunden worden, Jesus ist zu allen Kindern ohne Ausnahme auch in der bescheidensten Stube gekommen und so im Bild dargestellt. Für Uhde ist das biblische Geschehen gegenwärtig.

Auch das erworbene Gemälde „Ein schwerer Gang“, das nun im Schlösschen eine neue Heimat gefunden hat, gehört zu diesem Genre, welches das biblische Geschehen in die Gegenwart und in die heimische Gegend transponiert. Drei Fassungen und Zeichnungen sind von diesem Bild bekannt. 1911 hat Fritz von Ostini in seinem Buch über den Maler Fritz von Uhde den originalen Titel überliefert: „Den ’Gang nach Bethlehem’ hat die Münchner Neue Pinakothek in Besitz… Um empfindsame Gemüter zu schonen, hat man dem Bilde aber den Namen ’Ein schwerer Gang’ gegeben… Übrigens war das Bild auch in Paris, wo es großes Aufsehen erregt hat. Es hieß da ’L’auberge est là-bas!’ (’Gleich dort ist die Herberge’).“

Bei dieser Münchener Fassung sind im Hintergrund Häuser als möglich Herberge zu erkennen, während bei der Wertheimer Fassung die Herberge fast gänzlich hinter einer Nebelwand verschwindet. Der Mann – als ein Zimmermann trägt er eine Säge über der Schulter – führt seine Frau, die einen Korb mit farbigen Sachen über den Arm trägt und die Haltung einer Schwangeren hat. Sie sind allein auf dem Weg. In der Bibel heißt es an dieser Stelle „und sie hatten keinen Raum in der Herberge“. Uhde ist in der Wertheimer Fassung noch direkter am Text der Bibel und am Geschehen, das er allerdings eindeutig ins Dachauer Moos zur Winterzeit verlegt hat. Die beiden Menschen waren allein und gesellschaftlich isoliert. Ein Mann führt seine Verlobte zur Volkszählung. Damals war die voreheliche Schwangerschaft ein absoluter Tabubruch und wurde geächtet. Zwar war Maria die Schwangerschaft durch einen Engel angekündigt worden . Aber wer glaubt ihr?

Die gesamte Anspannung wird im Bild thematisiert. Heute wissen wir, dass die Geburt des Heilands bevorstand. Uhde hat genau diesen Moment festgehalten. Trotz der scheinbar düsteren Stimmung wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der Beiden deutlich. Joseph und Maria werden als ganz normale Menschen dargestellt, die sich außerhalb der gesellschaftlichen Norm befanden. Sie versuchen ihr Schicksal gemeinsam zu meistern. Erst mit den Worten der Hirten, dass Maria den Heiland geboren habe, kann sich die Spannung lösen. Unter diesen Aspekt ist dies Gemälde hochaktuell.

In der Ausstellung „Gott und die Welt – vom sakralen zum autonomen Bild 1871 is 1918“ in der Kunsthalle Kiel 2016/2017 hing dieses Bild an repräsentativer Stelle neben Werken von Macke, Barlach, Liebermann, Nolde und anderen bedeutenden Künstlern. Mit dem Kauf wurde die bedeutende Sammlung im Schlösschen um ein beachtenswertes Gemälde erweitert.

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