Wertheim

Vernissage Bilder der Künstlerin Ruth Roth als Sonderausstellung im Grafschaftsmuseum zu sehen

Besucher verlieren sich in den Facetten des Wassers

Archivartikel

Wertheim.Als sie die neu gestaltete Ausstellung „Wertheim am Wasser“ im Grafschaftsmuseum sah, war die Künstlerin Ruth Roth inspiriert und bot ihre abstrakt gemalten Bilder zum Thema Wasser für eine Ausstellung an. Museumsleiterin Stefanie Arz griff zu und so können Besucher bis zum 1. November die abstrakten Bilder in der Sonderausstellung betrachten und falls gewünscht käuflich erwerben. Am Mittwoch fand die Vernissage statt, durch die Corona-Regeln vor dem Museum.

Hier hatten sich einige Interessierte eingefunden, die nun der Laudatio des ehemaligen Wertheimer und jetzt Bahlinger Künstlers Gert Dominik zuhörten, der sie mit auf eine fantasievolle Reise hinein in Roths Bilderwelt nahm. „Wasser ist Leben“, so sein Grundgedanke. Siedlungen seien – wie Wertheim – immer am Wasser gebaut worden und ein Glas Wasser gegen den Durst könne Leben retten. So sei das einfache Molekül H2O Grundlage allen Lebens, aber eben noch viel mehr.

Dominik lud die Besucher ein, mit geschlossenen Augen den Veränderungen von Main und Tauber durch die Tages- und Jahreszeiten nachzuspüren. Es sei nicht verwunderlich, dass Künstler für die Darstellung von Wasser die gesamte Farbpalette nutzten. Wie eben Ruth Roth, die seit 1969 in Wertheim lebt und am Reinhardshof ihr Atelier für Malerei und Farbästhetik betreibt. In ihrer Kunst bleibt sie stets im Abstrakten. „Man erkennt nichts Genaues. Zunächst sieht man nur Farben, Kleckse, ein Chaos“, so Dominik. Auf den zweiten Blick entstünden Formen und Wirklichkeit. So stellte der Laudator Roth in die Tradition der romantischen Künstler und des Dichters Novalis, der auf der Suche nach der blauen Blume war.

Während er in einigen Bildern durchaus Krise, Bedrohung und Wagnis erkenne, gehe es der Künstlerin immer um Konsens, Harmonie und Verständnis. „So werden die Bilder zum Paradies in einer chaotischen Welt“, schwärmte Dominik.

Doch wie soll man die Bilder betrachten? Hier gibt der ehemalige Lehrer der Wertheimer Realschule genaue Tipps, beispielsweise für die Bilder im Treppenaufgang: „Sprechen Sie mit den Felsenfiguren, Sie werden neue Freunde finden.“

Und plötzlich macht Dominik etwas, wogegen sich Künstler normalerweise verwehren, was für Roth aber völlig in Ordnung ist: Er dreht ihre beiden Bilder auf den Staffeleien einfach um und stellt sie auf den Kopf. Gleich entfalten sie eine ganz andere Wirkung. Diese verschiedenen Betrachtungsweisen empfiehlt Dominik auch den Besuchern: „Spielen Sie mit den Bildern, drehen Sie sie im Kopf.“ Und wenn man trotzdem nichts Neues mehr entdeckt? Auch dafür gibt es einen Rat: „Reden Sie mit Ihrem Nachbarn, dann werden Sie neue Blickwinkel entdecken.“ Dieser Empfehlung folgten die Anwesenden sogleich und gingen gemeinsam im Inneren des Grafschaftsmuseums in den Bildern auf Tauchgang. nads

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