Wertheim

Pandemie Berichte aus den Partnerstädten / Absage von Festival in Gubbio schmerzt / Situation in Huntingdon und Godmanchester angespannt / Elf Todesfälle im „Pays Salonais“

Bereitschaft zur Einhaltung der Regeln „ermüdet“

Wertheim.Trotz Corona – oder gerade wegen Corona – und den damit verbundenen Einschränkungen direkter Begegnungen sind die Kontakte der Wertheimer Partnerschaftsvereinigung mit den Freunden in den Partnerstädten sehr intensiv, vielleicht intensiver denn je, berichtet Klaus von Lindern.

Persönliche Erfahrungen

Man habe jüngst sehr persönliche Berichte darüber, wie Corona das tägliche Leben verändert hat, bekommen. Den Freunden in Salon-de-Provence, in Huntingdon & Godmanchester, in Szentendre & Csobánka sowie in Gubbio gehe es gesundheitlich gut. Allen Nachrichten sei auch die Freude gemein: „Es tut gut, zu erfahren, dass Ihr in Wertheim wissen möchtet, wie es uns geht.“

Als Beispiel nennt von Lindern den Gruß des Stadtrates für internationale Beziehungen Helyes Imre aus Szentendre: „Ich möchte noch einmal unsere Anerkennung für Ihr freundliches und anhaltendes Interesse sowie Ihre Bemühungen und Ihre Unterstützung zum Ausdruck bringen, durch die unsere Partnerschaftskooperation trotz dieser schwierigen Umstände immer noch funktioniert und Fortschritte macht. Ich wünsche Ihnen, Ihren Lieben und Mitgliedern des Stadtrats von Wertheim, dem Bürgermeisteramt sowie den Bewohnern der Stadt viel Gesundheit und viel Erfolg bei ihren Bemühungen, diese Pandemiesituation zu überwinden.“

Von Imre hat Klaus von Lindern erfahren, dass bis zum 11. Mai in Ungarn 3263 Personen mit dem Covid-19-Virus infiziert wurden, 933 von ihnen haben sich bereits erholt. 413 seien verstorben. Laut Statistiken sind etwa zwei Drittel der Infektionsfälle in Budapest und Pest County zusammen aufgetreten (die Hauptstadt befindet sich im geografischen Gebiet des Pest County, in dem sich auch Szentendre befindet). „Wenn man die Statistiken liest, kann man zu dem Schluss kommen, dass die Zahl der Infizierten bisher nicht zu hoch angestiegen ist“, so Imre. Ähnlich wie in anderen Staaten sei auch in Ungarn nur ein Teil der Bevölkerung getestet worden.

Weiter schreibt er: „Letzte Woche wurden die strengen Regeln für Bewegungseinschränkungen mit Ausnahme von Budapest und Pest County etwas gelockert. In Szentendre befinden wir uns also weiterhin in der gleichen Situation und können unser Zuhause nur in berechtigten Fällen verlassen. Personen über 65 können zwischen 9 und 12 Uhr den Arzt besuchen, in die Apotheke oder in Geschäfte gehen.

Das Tragen von Handschuhen und einer Maske, die den Mund bedeckt, wird dringend empfohlen. Jeder muss die Regeln der sozialen Distanzierung beachten. Schulen, Kindergärten und Kitas sind noch geschlossen. Spielplätze können ebenfalls nicht besucht werden. Imre beobachtet auch, dass die Bereitschaft, sich strikt an alle Einschränkungen zu halten, „ermüdet“.

Aus dem Rathaus in Salon-de-Provence wurde Lucy Weber und Thomas Wettengel mitgeteilt, dass es im „Pays Salonais“ (200 000 Einwohner) elf Todesfälle und 184 bestätigte Infizierte gibt. Das Krankenhaus Salon habe genügend Kapazitäten, alle Kranken zu behandeln.

Wachsende Skepsis

Laura Zampagli, die gemeinsam mit Eva Walter-Paczkowski die Partnerschaft mit Gubbio aufgebaut hat, berichtet aus ihrer Heimatstadt, dass die Situation in Gubbio (zurzeit drei Infizierte) und in Umbrien (180 Infizierte) „ermutigend“ sei. In „Phase 2“ sei die Sperre etwas gelockert worden, Parks, öffentliche Gärten, Fabriken und Büros seien wieder geöffnet. Endlich könne man wieder längere Spaziergänge machen.

Ab dem 18. Mai sollen alle Geschäfte, Museen, Kinos und Theater zum Neustart bereit sein. Schulen bleiben bis September geschlossen, nur die Abschlussprüfungen in Sekundarstufe II finden statt.

Wie Imre in Szentendre beobachtet auch Laura eine wachsende Skepsis der weniger belasteten Regionen gegenüber den Maßnahmen der Zentralregierung. Wie schon Eva Walter-Paczkowski berichtet hat, treffen die Regelungen zum Ceri-Fest die Eugubinis und natürlich auch Laura ins Mark: „Wie Sie sich vorstellen können, fehlt in Gubbio das Ceri Festival! Viele Menschen hier warten auf den 15. Mai 364 Tage im Jahr und das soziale und kulturelle Leben unserer Stadt konzentriert sich auf dieses außergewöhnliche Ereignis, das in acht Jahrhunderten während des Ersten und Zweiten Weltkrieges nur zweimal abgesagt wurde! Die Farben der Ceri werden jetzt auf die Fassade des Konsulpalastes projiziert, um jeden an die Bedeutung der Ceri für unsere Gemeinde zu erinnern.“

Aus den englischen Partnerstädten war von Karl Webb, dem stellvertretenden Bürgermeister von Huntingdon und von Dominic Whitehead, dem Leiter des Jugendtheaters, dass in Cambridgeshire, der Grafschaft, zu der Huntingdon und Godmanchester gehören, zu erfahren, dass von 650 000 Einwohnern 827 Personen mit dem Corona-Virus infiziert sind, 162 seien gestorben. Differenziertere, direkt auf die Stadt bezogene Zahlen werden nicht veröffentlicht.

Karl Webb und seine Frau Hilary arbeiten von zu Hause aus und versuchen zudem, für ältere Gemeindemitglieder Einkäufe zu erledigen, Rezepte einzulösen und Medikamente zu besorgen. Gesichtsmasken zu tragen, wird empfohlen, ist aber nicht Vorschrift. Seine ganz persönliche Meinung ist, dass die restriktiven Maßnahmen in diesem Stadium nicht gelockert, sondern strenger umgesetzt werden sollten.

Webb legt großen Wert darauf, dass er als Privatperson und nicht als Gemeinderat spricht. „Wir werden den Virus nicht stoppen, können aber die Ausbreitung weiter verlangsamen. …. Die Hauptsache ist, dass wir alle (… über die Grenzen hinweg …) zusammenarbeiten, um einen Impfstoff zu finden, der die Menschen schützt,“ ist Webbs Meinung.

Dominic und Beryl Ann Whitehead, so berichtet er, seien normalerweise ehrenamtlich stark im sozialen Bereich, vor allem in der Arbeit mit Jugendlichen, engagiert. Diese Betreuungsarbeit könnten sie zurzeit nicht leisten.

Das Huntingdon Jugend Theater, in dem Jugendliche lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich in eine Gemeinschaft einzubringen, sei geschlossen.

„Wenn ich die Berichte aus den Partnerstädten lese, wird mir wieder bewusst, dass Menschen in Frankreich, in Ungarn, in Italien und in England über die Grenzen hinweg viel mehr verbindet als unterscheidet oder trennt. Wie ähnlich sind unsere Sorgen um die Familie, um Kranke, um Hilfsbedürftige, um sozial Schwächere. Wird die Welt nach der Pandemie eine andere, eine bessere sein? Unzweifelhaft sind die Verbindungen zu unseren Freunden in den Partnerstädten in den letzten Wochen intensiver geworden. Sollte das nicht ein Beispiel für die Europa- und Weltpolitik sein?“, so Klaus von Lindern.

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