Wertheim

Tägliche „Kreuzfahrt“ von Bayern über den Main Gebürtiger Wertheimer Albrecht Krimmer wird 80 Jahre / Neben beruflicher Tätigkeit als Weinhändler in vielen Bereichen ehrenamtlich engagiert

„Bei so viel Glück wollte ich etwas zurückgeben“

Archivartikel

Wertheim/Kreuzwertheim.Ob man nun Weinliebhaber, Faschingsnarr, Kirchenbesucher oder pflegebedürftig ist: Auf die eine oder andere Weise hat der Weinhändler Albrecht Krimmer das Leben vieler Wertheimer beeinflusst. An diesem Mittwoch feiert der engagierte Rentner seinen 80. Geburtstag.

„Geboren und aufgewachsen bin ich in der Eichelgasse“, berichtet Krimmer. „Da waren wir immer bis zu 25 Kinder auf der Straße und hatten unseren Spaß – ganz ohne Handy.“ 1938 waren seine Eltern nach Wertheim gezogen, denn sein Vater, von Beruf Kellermeister, hatte von einer Weinhandlung erfahren, die man mieten konnte.

Krimmer selbst lernte seinen Vater allerdings erst im Alter von fünf Jahren richtig kennen, denn bei seiner Geburt war dieser an der Front und kam nur zu kurzen Heimatbesuchen nach Wertheim. Albrecht Krimmer besuchte die Volksschule und das Gymnasium, bis ein Schicksalsschlag die Familie ereilte: Sein Vater starb 1954 mit nur 42 Jahren. Nun war es an Albrecht als ältester von drei Brüdern, seine Mutter bei der Weiterführung des Geschäfts zu unterstützen. So machte er eine Lehre als Weinhandelsküfer, bei der er „die Pflege des Weins vom Rebstock bis in die Flasche“ lernte.

Eine Weiterbildung des damals 19-Jährigen in einer Großkellerei in der Pfalz brachte ihm sein privates Glück: Dort lernte er seine spätere Frau Ulla kennen – natürlich auf einem Weinfest. 1964 heirateten die beiden in der Wertheimer Stiftskirche. Dass seine Frau Buchhalterin war, war eine glückliche Fügung für die gemeinsame Weinhandlung, die Krimmer 1976 komplett von seiner Mutter übernahm.

Die Erkrankung der Mutter machte 1977 eine ebenerdige Wohnung für diese notwendig und dies führte zum Bau des Hauses in Kreuzwertheim, das Krimmer noch heute bewohnt. „Seitdem habe ich jeden Tag quasi eine Kreuzfahrt von Bayern nach Baden-Württemberg gemacht. Denn auch wenn ich in Kreuzwertheim wohne, bin ich doch durch und durch Wertheimer.“ In den folgenden Jahren wuchsen die 1967 und 1969 geborenen Söhne auf und die Weinhandlung florierte.

Das Ehepaar Krimmer entwickelte eine eigene Sektmarke „Alt-Wertheim“ und belieferte Restaurants und Gasthäuser im Umkreis von 50 Kilometern sowie Großveranstaltungen bis zur Erlanger Bergkirchweih, dem drittgrößten Volksfest Bayerns. Als die Söhne alt genug waren, um hin und wieder Urlaubsvertretung im Betrieb zu machen, begannen die Krimmers zu reisen. Bis nach Hawaii, Mauritius und Bali sowie in europäische Weinbaugebiete.

2004 schließlich verkaufte Albrecht Krimmer sein Geschäft an Wolfgang Michel, nachdem seine Söhne andere berufliche Laufbahnen eingeschlagen hatten.

Wer meint, der Weinhändler sei mit seiner Tätigkeit ausgelastet, täuscht man sich. Denn von je her war der Jubilar in zahlreichen Ehrenämtern aktiv. Die längste Treue hält er der Wolfschlucht Concordia, der er seit 50 Jahren angehört. 14 Mal war er Büttenredner und sang im Chor. Einmal wöchentlich trifft er sich zum Stammtisch der „Grauen Wölfe“. Bis heute ist er aktiv in einer Rad- und Wandergruppe. „Hier hat jeder einen anderen Beruf. Das macht das Ganze sehr interessant.“

Als Rentner nahm er sein Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde auf. 2006 war Krimmer Gründungsmitglied des Fördervereins Stiftskirche und organisierte über Jahre den Weihnachtsmarkt der Gemeinde. Außerdem ist er erster Vorsitzender der Evangelischen Sozialstation, Mitglied im Kuratorium des Wohnstifts und Beisitzer bei den CDU-Senioren. Bis im vergangenen Jahr war er Schatzmeister des Fremdenverkehrsvereins.

Warum er sich engagiere, sei er einmal gefragt worden. „Ich war nie im Leben ernsthaft krank und hatte immer eine funktionierende Familie. Bei so viel Glück wollte ich etwas zurückgeben“, so die einfache und bewundernswerte Einstellung Krimmers. Er sei in der Stiftskirche getauft und konfirmiert worden und habe dort geheiratet. Das verbinde.

2014 musste der Jubilar einen schweren Schlag verkraften, als seine Frau starb. Doch heute hat er eine neue Partnerin, und freut sich, mit ihr, zahlreichen Verwandten, seinen Söhnen und fünf Enkeln zwischen 16 und 27 Jahren sowie seinen Freunden und Weggefährten seinen runden Geburtstag zu feiern. Die Fränkischen Nachrichten schließen sich den Glückwünschen an.

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