Wertheim

Kultur Am Dienstag letzte Vorstellung auf dem Parkplatz am Schlösschen / Betreiber mit positivem Resümee / Jetzt geht es auf der Burg weiter

Autokino hat sich finanziell getragen

Das Wertheimer Autokino neigt sich dem Ende zu. Die Veranstalter zogen am Wochenende bereits ein positives Resümee.

Wertheim. Am Dienstag werden Autofahrer aus nah und fern letztmals einen Film auf der großen LED-Wand des Wertheimer Autokinos am Schlösschenparkplatz genießen können. Zu sehen gibt es ab 20.30 Uhr „Dirty Dancing“. Karten sind noch verfügbar.

Die Bilanz der drei Partner des Autokinos fiel am vergangenen Wochenende positiv aus. Alle hatten Spaß daran, den Leuten eine Abwechslung zu bieten. Bis zum Sonntagabend konnten 91 Filme genossen werden. Über 7000 Zuschauer nutzten die Gelegenheit dazu.

Weiterhin gab es zwei Gottesdienste, die 90er Party und zwei LiveEvents mit Stargästen. „Wir waren positiv überrascht, dass so viele Zuschauer kamen“, stellen Wolfgang und Gabi Gebauer, Inhaber des Roxy Kino, fest. Für beide war das Autokino eine ganz neue Erfahrung. „Wir konnten die Zeit der Schließung des Roxy überbrücken“, sagt Wolfgang Gebauer. „Die Zuschauer waren begeistert, sie bedankten sich für das einmalige Erlebnis.“

Einmal sei sogar ein ganzer Chor aus Urspringen in mehreren Autos gekommen, um sich gemeinsam den Film „Bohemian Rhapsody“ anzuschauen. „Das war ihr gemeinsamer Jahresausflug.“

Begeisterte Kinder

Besonders begeistert vom Autokino seien auch die Kinder gewesen: „Sie fanden es toll, im Auto Popcorn zu essen und den Filmton über das eigene Autoradio zu hören.“

Auch ein Problem mit der LED-Wand wurde umgehend gelöst. „Nach zehn Tagen wurde diese komplett getauscht, weil es Bildprobleme gab, das hat super geklappt“, so Wolfgang Gebauer. Mit der Öffnung weiterer Angebote sei die Zahl der Zuschauer im Autokino zurückgegangen. „Wir haben allerdings auch die Filme in den Wochen mehrfach zeigen müssen, da es wegen der Coronakrise keine neuen Filme gab.“

Die Roxy-Betreiber freuen sich nun auf den Start in ihrem eigentlichen Kino. Ende Juli soll es dort wieder losgehen. „Dann wird es auch wieder neue Filme geben“, so Gebauer. Sehr zufrieden war auch Innenstadtmanager Christian Schlager. Er dankte allen Partnern für die hervorragende Zusammenarbeit.

„Hut ab, für die schnelle Realisierung und den sehr guten Ablauf“, lobt Schlager. Bedenken, dass sich zum Beispiel ein Rückstau auf der Landesstraße bilden könne, seien nicht eingetreten. Auch wegen der Lautstärke habe es nur sehr wenige Beschwerden von Nachbarn gegeben.

Kritisiert worden sei nur das Hupen bei den Live-Veranstaltungen. „Nach dem Abend mit Joy Kelly kam die Polizei wegen der Beschwerde über das laute Hupen als Applausersatz“, erzählt Schlager. Die Beamten seien aber sehr nett gewesen, lobte Schlager.

Kaum Beschwerden

Lob sprach er auch seinen Kollegen von der Stadtverwaltung aus. Die interne Zusammenarbeit sei ebenso sehr gut gelaufen. „Wirtschaftlich hat sich das Autokino selbst getragen, da wir das einzige Angebot für die Leute waren“, so Schlager.

Toll fand er auch, dass die Zuschauer aus einem weiten Einzugsgebiet kamen und teils lange Anfahrten auf sich nahmen. Seine persönlichen Höhepunkte waren neben den Live-Auftritten unter anderem der Konzertfilm von Rammstein. „Es war schwierig, die Rechte daran zu bekommen“, plaudert der Innenstadtmanager aus dem Nähkästchen.

Es sei generell schön gewesen, das Autokino zu erleben. Für ihn selbst war es das erste Mal. Dank sprach Schlager der evangelischen Kirchengemeinde für die Unterstützung aus. Sie hatte die Infrastruktur kostenfrei für zwei Gottesdienste nutzen dürfen.

Die Kirchenleute hätten sich dann bereit erklärt, die Technik für die Liveauftritte der Künstler ehrenamtlich zu betreuen. Schlager schwärmt besonders er von den beiden Liveshows, auch wenn diese nicht so gut besucht waren. So kamen bei Kelly 55 Autos, bei Ingo Appelt seien es etwas weniger gewesen.

„Die Künstler berichteten, Live-Shows in Autokinos seien generell schwierig, vor allem in Zeiten, in denen es schon Alternativen gab“, so Schlager. So seien selbst in Stuttgart bei einem Auftritt von Kelly nur 50 Autos gekommen. „Die 55 waren für Wertheim eine echt gute Zahl“, so der Innenstadtmanager.

„Ich hatte damit gerechnet, dass die Veranstaltungen ausgebucht sind“, meint Schlager. Wegen des umsatzabhängigen Künstlerhonorars hätten sich die Abende dennoch finanziell getragen. „Die Künstler waren froh, überhaupt vor Fans auftreten zu können“, berichtet er. Die Stimmung sei an den Abenden hervorragend gewesen. „Die Künstler begrüßten jeden im Auto persönlich und nahmen sich Zeit für ihre Fans“, erzählt er.

Aufbruchstimmung bei Schlager

„Auch als Veranstalter bereuen wir die Abende nicht, auch wenn sie nicht ausverkauft waren“, meint Schlager. Er ergänzt, dass er sich schon überlegt habe, das „Burgkino“ auf das Gelände des Autokinos zu verlegen. Dafür spreche die Infrastruktur und der Platz, dagegen allerdings die Beschallung der Nachbaranlieger, da der Ton dann über Lautsprecher übertragen würde und die Leute auf Stühlen sitzen.

Im Veranstaltungsangebot gehe man nun nahtlos zum „Jahrhundertsommer“ auf der Burg über. Das Filmfest im August soll zum geplanten Termin stattfinden. Auch für den Herbst entwickle man Ideen. „Ich bin im Abenteuermodus“, resümiert Schlager. „Ich fühle durch die Folgen der Krise auch eine Aufbruchsstimmung und positive Spannung“, gibt er sich optimistisch.

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