Wertheim

Am Amtsgericht verhandelt

Aus 65 Euro wurde handfeste Strafe

Wertheim.Beim Abholen eines Pferdes durch die Eigentümerin, ihre Bekannte und deren Freund kam es zu Silvester in Nassig zum Streit. Wegen Zahlungsrückständen kündigte der Landwirt beziehungsweise sein Sohn und Nachfolger den Einstellungsvertrag zum Jahresende 2018. Der Streit begann, weil der Rückstand, 65 Euro, angeblich bezahlt war. Der Landwirt wollte aber einen Beleg sehen und verlangte, zu warten, bis der Sohn da ist, der die Buchführung macht.

Der nun angeklagte Freund der Bekannten versetzte dem Landwirt einen Kopfstoß oder Faustschlag, wodurch dieser zu Boden fiel. Die drei Personen ließen den Verletzten liegen und fuhren mit dem Pferd im Anhänger und zwei Pkw davon.

Der Sohn des Landwirts sah die Autos und entdeckte den Vater vor der Pferdehalle liegend. Er war ansprechbar, konnte aber nicht sagen, was passiert war. Der Sohn verständigte Polizei und Notarzt. Die Untersuchungen ergaben einen Nasenbeinbruch, einen abgebrochenen Zahn, Einrisse am Außenohr, Verletzung des Trommelfells sowie Platzwunden, vor allem am Auge.

Bei Gericht meinten der Angeklagte, ein Anlagenmechaniker aus Hoechst im Odenwald, und die beiden Frauen, 27 und 24 Jahre, die Aggressivität sei vom Landwirt ausgegangen. Der körperlich unterlegene 61-Jährige, der als Privatkläger dem Verfahren angeschlossen ist, wies das zurück. Seine Nachforschungen ergaben, dass der Beschuldigte Mitglied der Rockergruppe „Outlaws“ ist. Der Mann räumte das ein.

Mehrfach vorbestraft

Er ist mehrfach wegen unerlaubten Besitzes von Waffen und Munition, Widerstands, Beleidigung und Drogenbesitzes vorbestraft. Die Staatsanwaltschaft fand keinen Glauben am Ablauf, wie ihn der Beschuldigte und die Frauen schilderten. Sie beantragte eine Strafe von einem Jahr ohne Bewährung. Der Verteidiger meinte, der Mandant habe sich übermäßig gewehrt, und fand eine Geldstrafe ausreichend.

Wegen Körperverletzung verurteilte das Amtsgericht Wertheim den 46-Jährigen zur Strafe von acht Monaten mit Bewährung und setzte ein Schmerzensgeld von 3000 Euro fest. Er wird das Urteil wohl annehmen, weitere erhebliche Kosten kommen auf ihn zu: die Gebühren des Gerichts, des Verteidigers, des Anwalts der Nebenklage, Regress des Krankenkasse und eventuell Schadenersatz des Landwirts. Die 65 Euro Rückstand seien im Januar 2019 ausgeglichen worden. Am Ende der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte beim Landwirt. goe

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