Wertheim

Am Amtsgericht verhandelt Sprinter-Fahrer zahlte Tankrechnung am Autohof in Bettingen nicht

Aus 50 Euro für Diesel werden 6400 Euro Strafe

Archivartikel

Wertheim.Der Fahrer eines Mercedes-Sprinters aus dem Raum Schweinfurt tankte im Juli 2019 an der Esso-Tankstelle am Autohof Bettingen 41,3 Liter Diesel. An der Kasse behauptete er, er habe den Geldbeutel vergessen und werde am nächsten Tag zahlen. Das geschah nicht. Nun musste sich der 47-jährige Lieferdienstfahrer vor dem Amtsgericht Wertheim verantworten.

Der Sprinter gehörte nicht dem Angeklagten sondern einer Firma, für die der Mann Auftragsfahrten erledigt. Laut dem Kassier der Tankstelle gibt es jeden Monat zwei bis drei Fälle, dass Kunden unter Ausreden nicht zahlen. Dann verlange er zumindest einen Ausweis. Als der Beschuldigte auch auf schriftliche Mahnungen nicht reagierte, stellte der Tankstellenbetreiber Anzeige wegen Betrugs. Die Staatsanwaltschaft ging von Vortäuschung der Zahlungswillig- und Zahlungsfähigkeit aus, und erhob Anklage.

Die Verhandlung sollte im Juli stattfinden, doch der Mann fehlte ohne Entschuldigung. Es erging Haftbefehl, und seit dem 23. September saß der Beschuldigte in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall ein. Er wurde von dort nach Wertheim gebracht. Hier zeigte er sich geständig und gab sich geläutert. Er habe die Absicht gehabt, zu zahlen, es aber doch nicht getan.

Mehrfach vorbestraft

Der Mann ist mehrfach vorbestraft, wegen versuchten Betrugs, Betrugs, Vorenthalten von Arbeitsentgelt und Unfallflucht. 2018 folgte durch das Landgericht Würzburg eine Verurteilung zu zwei Jahren mit Bewährung wegen räuberischer Erpressung und Bedrohung. Auf Nachfrage sprach der Angeklagte von Kurzschlusshandlung in einer Sparkasse. Weitere Taten sind Verstöße gegen das Haftpflichtversicherungs- und das Tierschutzgesetz. Nach der Tat in Bettingen gab es weitere Geldstrafen: wegen Hinterziehung von 42000 Euro Steuern und wegen eines erneuten Tankbetrugs. Im jetzigen Fall nannte die Staatsanwältin die Sozialprognose schlecht und beantragte eine Strafe von drei Monaten. Der Pflichtverteidiger bat um erneute Geldstrafe. Die 14 Tage in Schwäbisch Hall hätten vielleicht zum Sinneswandel geführt.

Das Gericht schloss sich an, beurteilte aber die behauptete Lebensänderung kritisch. Ob die Bewährungsstrafe von zwei Jahren widerrufen werde, entscheide das Landgericht. Wegen Betrugs verurteilte das Amtsgericht den 47-Jährigen zur Strafe von 80 Mal 80 Euro. Die im Vergleich zum Schaden hohe Strafe orientiert sich an den Vorstrafen, zudem stand der Angeklagte bei der Bettinger Tat unter Bewährung. goe

Zum Thema