Wertheim

Comenius Realschule Beim Digi-Camp „Life in Balance“ der Initiative „BG 3000“ wurde gelehrt, wie der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien funktioniert

Aufklärung als Schutz vor der Sucht

Archivartikel

Während eines dreitägigen Projekts verbesserten Schüler der Comenius Realschule Wertheim ihre Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien.

Bestenheid. Smartphones und soziale Medien gehören für Kinder und Jugendliche heute zum Alltag. Neben ihren Vorteilen bergen sie jedoch auch Gefahren für Sicherheit und sogar die eigene Gesundheit. Beim Digi-Camp „Life in Balance“ der Initiative „BG 3000“ lernten vom vergangenen Mittwoch bis zum Freitag 150 Siebtklässler der Comenius Realschule, wie man verantwortungsvoll und kreativ mit den Möglichkeiten der digitalen Welt umgeht.

Digitale Bildung

Das Angebot der „Camps“ wird durch die Barmer sowie den TÜV Rheinland unterstützt. Das Kursangebot für die Schüler stand unter dem Motto „Immer online – nie mehr allein.“ „BG 3000“ entstand aus einer regionalen Initiative in Bonn-Bad Godesberg. Jede Woche führt das Unternehmen zwei bis drei Digicamps in Schulen in Deutschland und der Schweiz durch.

„Unser Ziel ist es, digitale Bildung durch konkrete Projekte an Schulen zu bringen und dabei auch präventive Aspekte in Sachen Gesundheit einfließen zu lassen“, erklärte Tim Willems von „BG 3000“ am Freitag im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Jugendliche seien ständig am Handy und immer erreichbar. Dies berge gesundheitliche Gefahren und Suchtpotenziale. Beispielhaft verwies er auf den „Handynacken“ mit Verspannungen und Kopfschmerzen durch den gebückten Blick aufs Smartphone.

Schüler hätten ihm bei Projekten erzählt, sie spielten nach der Schule sechs Stunden an der Konsole, an Wochenenden noch mehr, berichtete er. Katrin Amrhein, Schulleiterin der Comenius Realschule (CRSW) erklärte, sie habe vom Angebot des Camps in einem bayrischen Zeitungsbericht gelesen und wollte das Angebot an ihre Schule holen. „Wir Lehrer sind keine Fachleute auf diesen Gebieten. Zudem reagieren die Jugendlichen auf externe Fachkräfte anders als bei den eigenen Lehrern.“ In der ständigen Verfügbarkeit der Onlinewelt sah sie eine Ursache des Werteverfalls der Gesellschaft.

Handys in der Schule tabu

Während des gesamten Schultags sind Handys auf dem Gelände der Comenius Realschule verboten. „Damit die Kinder nicht abgelenkt werden und auch in der Pause miteinander reden“, begründete sie. Privat würden die Schüler das Gerät aber ständig nutzen. Es gehe auch nicht darum, es ihnen komplett zu verbieten. „Wir können nur Aufklärungsarbeit zum richtigen Umgang leisten und brauchen dazu die Unterstützung der Experten.“

Marc Wroblewski, Regionalgeschäftsführer der Barmer, lobte die Initiative der Schule, die sich selbst für das Projekt bewarb. Dies zeige das Engagement für die Thematik. Zum Camp gehörte auch ein Elternabend am Mittwoch mit den Experten der Initiative. Die Eltern seien von den Gefahren überrascht gewesen, so die Schulleiterin. Sie erhielten Tipps, wie sie damit umgehen sollen. „Kommunikation mit den Kindern zu den Themen ist zentral“, war dabei eine der Kernaussagen.

Am Mittwoch gab es für die Jugendlichen in verschiedenen Kursen in Theorie und Praxis Informationen zu zahlreichen Aspekten der digitalen Angebote. In einer Präsentation zum „Live-Hacking“ zeigte ein Informatiker und IT-Sicherheitsexperte, wie leicht es ist, unsichere Passwörter zu knacken.

Zudem bewies er, dass man mit einem via Handy geposteten QR- Code eines Flugtickets sogar den Flug eines anderen übernehmen kann.

Im Laufe des Vormittags standen unterschiedliche Workshops uf der Tagesordnung. Beim Thema „Internetsuch(t)maschine?“ ging es um die eigene Nutzungszeit der Bildschirmmedien und die Suchtgefahr. Als Tipp lernten die Jugendlichen unter anderem einen Wecker statt das Handy zu benutzen, denn der Blick auf das Smartphone am Morgen verleite dazu, alle sozialen Medien zu checken. Zudem sollte man sich alternativen zur übermäßigen Nutzung suchen, wie Sport im Verein und Treffen mit Freunden.

Cybermobbing

Bei „Sicherheit und Respekt im Netz“ wurde das Cybermobbing thematisiert. Dabei ging es um den respektvollen Umgang in der digitalen Welt sowie Tipps für Opfer dieser Mobbingform. Bei „Du bist was du isst“, wurde gesunde Ernährung im Alltag sowie Chancen und Risiken von Sport- und Fitnesstrackern thematisiert. „Fit durchs Netz“ bot Übungen zur Richtigen Handyhaltung und informierte über gesundheitliche Auswirkungen hoher Bildschirmzeit.

Workshops

Der Tag klang mit dem Trainieren der zehn Digi-Fit-Regeln aus. Am Donnerstag und Freitag konnten die Jungen und Mädchen zwei Workshops auswählen. Dabei ging es um die kreative Nutzung digitaler Medien, aber auch um Geschäftsmodelle der sozialen Medien und Stars in sozialen Medien als Vorbilder.

Unterstützt von Stefanie Ueberjahn, Lehrerin an einer Privatschule und Expertin für digitales Lernen, erstellten die Teilnehmer mit „Ipads und Co“ Präsentationen wie Videos. Die ehemalige Influencerin Irina Engelke gab Tipps für Instagram Posts mit Mehrwert. Jetpack Jay, eine erfolgreiche Youtuberin, unterstützte die Schüler beim Dreh von Videos mit der Kamera und bot Infos zur sinnvollen Nutzung der Videoplattform.

Von Christine Adam lernten die Jugendlichen „Prezi“ kennen, eine kostenlose und flexible Präsentationssoftware. Bei „Kids in Motion“ wurden, unterstützt von Kaja Krebaum, Trickfilme produziert. In allen Beiträgen der Heranwachsenden wurden Themen aus den Kursen am Mittwoch aufgegriffen.

Die Teilnehmer waren vom Projekt und den vielfältigen Möglichkeiten begeistert. Der zwölfjährige Manuel Dumke lobte vor allem den Ipad Kurs. Er hatte damit ein Video gegen Cybermobbing gedreht.

Film selbst drehen

Dem gleichaltrigen Philipp Busch gefiel der Kurs zu „Youtube“, da man dort mit Videokameras arbeitete. Auch er drehte einen Film gegen Mobbing. Am Ende des Projekts präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse. Alle Teilnehmer wünschten sich eine Wiederholung des Angebots.

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