Wertheim

Städtefreundschaft Bürger von Huntingdon, Gubbio und Salon de Provence gehen mit Einschränkungen ins neue Jahr / Derzeit noch Ungewissheit wegen geplanter Aktivitäten

Auch in den Partnerstädten ist Silvester anders

Archivartikel

Weihnachten war dieses Jahr anders. Das vergangene Jahr war anders. Nicht nur in Wertheim, auch bei den Bürgern in den Partnerstädten.

Wertheim. Auch sie mussten auf Altgewohntes verzichten, mussten mit Einschränkungen leben oder erfahren, was es bedeutet, wenn jemand in der eigenen Familie am Covid19-Virus erkrankte.

„Dieses Jahr wird Silvester anders sein, schreibt uns David King aus Huntingdon in seinem Bericht über den Jahreswechsel. Er und seine Frau Gwen kommen schon seit vielen Jahren nach Wertheim. Gwen King ist vielen Wertheimern durch den Verkauf ihrer selbst hergestellten Grußkarten bekannt, die sie früher am englischen Stand während der Wirtschaftswoche verkaufte und mit dem Erlös eine Brustkrebsselbsthilfeorganisation unterstützte.

Gwen und David sind Schotten und pflegen mit Freunden der Caledonian Gesellschaft in Huntingdon schottische Bräuche. Dazu gehört auch Hogmanay, einer der bedeutendsten schottischen Festtage, den die beiden früher zusammen mit bis zu 70 Mitgliedern und Freunden der Caledonian Gesellschaft am Abend des 31. Dezember bis in die frühen Morgenstunden des 1. Januar in der Commemoration Hall gefeiert haben. David schildert: „Ein Caterer servierte eine Mahlzeit. Getränke und selbstverständlich einen guten schottischen Whisky und einen Black Bun, ein Früchtebrot, brachte jeder selbst mit.

Mit Dudelsack durch die Stadt

Es gab ein Programm mit schottischem Country-Tanz und Partyspielen, Gedichte wurden vorgetragen und ein oder zwei Lieder gesungen. In den vergangenen Jahren trafen wir uns draußen und zogen mit einem schottischen Dudelsackpfeifer durch die Stadt zum Rathaus auf dem Marktplatz.

In diesem Jahr wird es nichts davon geben, aber hoffentlich können wir nächstes Jahr diesen Brauch wieder aufnehmen,“ hofft David King. Übrigens erlebte die Region um Huntingdon über die Weihnachtsfeiertage ein Hochwasser. Der Fluss Ouse trat über die Ufer.

Gesine Devere, die auch schon viele Jahre in der Partnerschaft aktiv ist und die Fahrten nach Wertheim organisierte, ist in Deutschland geboren. Sie teilt mit: „In den vergangenen Jahren feierten wir meist zu Hause. Wir hatten ein befreundetes Ehepaar zu Besuch, das dann auch bei uns übernachtete. Es gab ein leckeres Essen mit Wein, lange Gespräche. Viele Engländer gingen natürlich zu Partys – privat oder arrangiert– in Restaurants oder trafen sich in einer der unzähligen Pubs, ähnlich einem Silvester in Deutschland. All das ist in diesem Jahr untersagt.

Viele Teile Großbritanniens - inzwischen auch Cambridgeshire - sind jetzt im sogenannten Tier (Stufe) 4. Es ist praktisch nichts erlaubt. Alle Geschäfte außer Lebensmittel sind geschlossen. Die Menschen dürfen sich über Weihnachten und Silvester nicht besuchen, nicht übernachten, nicht das Land verlassen. Jeder soll, wenn nur irgend möglich, zuhause bleiben und keinen Kontakt mit anderen haben.“

Mauricette Roussel, die Präsidentin des Partnerschaftsvereins in Salon-de-Provence, lässt wissen, dass es auch dort keine öffentlichen Feiern geben wird, dass die Polizei angewiesen sei, auch die nächtliche Ausgangssperre streng zu kontrollieren.

Alle seien aufgefordert, ihre Masken zu tragen. Silvester könne nur zu Hause im Familienkreis gefeiert werden. Beleuchtete Häuser, Girlanden in den Straßen und 3D-Illuminationen sollen dennoch für eine festliche Stimmung sorgen.

Aus Gubbio, der Partnerstadt in Italien, schreibt Laura Zampagli, die zusammen mit Eva Walter-Paczkowski die Partnerschaft mit Wertheim aufgebaut hat: „Wie Sie wahrscheinlich wissen, werden wir bis zum 6. Januar in einem harten Lockdown leben müssen, mit Ausnahme des 28., 29. und 30. Dezember und des 4. Januar, wenn die Leute „normale“ Einkäufe tätigen dürfen, also nicht nur wichtige Dinge, wie Lebensmittel oder Medikamente. Am Silvesterabend gehen die Leute in Gubbio (normalerweise haben wir viele Touristen) nach einem großen Abendessen mit Freunden zu Hause oder in Restaurants gerne zur Piazza Grande, um um Mitternacht dem Klang der großen Glocke des Palazzo dei Consoli zu lauschen. Sie begrüßen das neue Jahr mit einem Toast, Gesang und Tanz (auf dem Platz gibt es Live-Musik). Feuerwerk ist auf dem Platz oder in der Innenstadt nicht erlaubt, aber auf dem Berg Ingino und in der ganzen Umgebung in Privathäusern. Nun, all dies wird dieses Jahr nicht möglich sein, aber die Glocke im Turm des Palazzo dei Consoli wird das neue Jahr immer noch begrüßen und ein Zeichen der Hoffnung für die gesamte Gemeinde sein. Auch wenn dies alles nicht sehr aufregend klingt, können wir die Einschränkungen nur respektieren. Wir hoffen, dass die Menschen dies tun! Die Geldstrafen bei Verstößen sind sehr hoch.

„Wenn wir die Zukunft selbst gestalten wollen, müssen wir die geänderten Bedingungen wahrnehmen, uns darauf einstellen und reagieren. Dies gilt auch für unsere Partnerschaftsaktivitäten. Ob das geplante internationale Sportturnier stattfinden kann, weiß heute noch niemand. Das 40-jährige Partnerschaftsjubiläum mit Huntingdon und Godmanchester wurde bereits abgesagt bzw. auf 2022 verschoben. Vielleicht müssen wir über ganz andere Formen des Austausches nachdenken“, schreibt David King.

„Das unsichtbare Coronavirus hat es nicht geschafft, den Abstand in der Partnerschaft zu vergrößern. Im Gegenteil. Durch den intensiven Kontakt über Telefon und E-Mail haben wir aneinander gedacht, von unseren Sorgen gehört, wir sind uns trotz räumlicher Ferne nähergekommen“, so King.

Online–Treffen der IPW

Dass es neue Wege der Begegnung gibt, zeigten die italienischen Freunde, die kurzfristig ein Online-Treffen mit Vertretern aus allen Partnerstädten organisierten , zu dem sie aus Wertheim die Vorsitzende der Partnerschaftsvereinigung IPW Lucy Weber, Eva Walter-Paczkowski, Elvira Väth und Klaus von Lindern einluden. Etwa 20 Teilnehmer freuten sich in einer fröhlichen Runde über dieses unerwartete Wiedersehen auf virtueller Ebene.

Weihnachts- und Neujahrsgrüße verbunden mit den besten Wünschen auch an die Bürger der Partnerstädte und ihre kommunalen Vertreter wurden zwischen den Partnerschaftsaktivisten ausgetauscht.

Man war sich einig, dass diese erstmalig genutzte Form der Begegnung eine Möglichkeit für die Zukunft sei, in engerem, auch visuellem Kontakt zu bleiben, um Ideen auszutauschen und Projekte zu planen – auch für eine Zeit nach der Pandemie.

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