Wertheim

Gemeinderat Weil im Wertheimer Osten die Flächen knapp werden, sollen 30 Hektar für ein Gewerbegebiet dazu kommen

Auch der Almosenberg kann erweitert werden

Archivartikel

Auch das Gewerbegebiet im Wertheimer Osten soll erweitert werden, um der Nachfrage entgegen zu kommen. Eine Diskussion gab es um das betroffene Wasserschutzgebiet.

Wertheim. Neben dem Gewerbegebiet Reinhardshof (siehe Seite 15) soll auch das Gewerbegebiet Almosenberg erweitert werden. Der gemeinderat machte am Montag den Weg frei und beauftragte die Verwaltung die Unterlagen zur Aufstellung eines Bebauungsplans und den Erlass entsprechender Bauvorschriften zu überprüfen und die Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Träger öffentlicher Belange anzustoßen.

Zunächst 12,3 Hektar

Thomas Müller vom Referat Stadtplanung stellte den Gemeinderäten den Stand der Planung vor. Derzeit stehe nur noch etwa ein Hektar für die Vermarktung zur Verfügung. Alle weiteren Flächen seien schon veräußert oder man befinde sich schon in sehr konkreten Verkaufsverhandlungen.

Die jetzt für die Erweiterung vorgesehenen Fläche von 30 Hektar, die sich übrigens auf Dertinger Gemarkung befindet. Das Landratsamt habe genehmigt, das Areal aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszulösen. Zunächst sollen dort 12,3 Hektar entwickelt werden.

Der Regionalverband hat die Erweiterung bereits bestätigt (wir bereichteten). Das Gebiet sei als Schwerpunkt für Industrie, Gewerbe und Dienstleistung vorgesehen. Aufgrund der eingegangenen Stellungnahmen im Planungsverfahren habe man den geplanten Grünstreifen an einer Sandgrube um sechs Meter verbreitert sowie den Abstand zum Wald auf 30 Meter festgelegt. zudem ist ein „luftschadstofftechnisches Gutachten“ vorgesehen, das die Einhaltung der Grenzwerte gewährleisen soll.

Biotopverbund

Christian Ulzhöfer (Bürgerliste) erinnerte daran, dass das Gelände im Wasserschutzgebiet und in einem Biotopverbund liege. Thomas Müller meinte dazu, dass keine negative Stellungnahme des Regionalverbands in Bezug auf den Biotopverbund vorliege.

Auch Richard Diehm (Grüne) verwies auf das Wasserschutzgebiet. Schon bei der Erschließung des ursprünglichen Gewerbegebiets habe man das Schutzgebiet verkleinert. Damals schon habe man eine Reduzierung der Wasserentnahme in Kauf genommen: Man habe zu Gunsten der Gewerbesteuereinnahmen auf Wasserversorgungssicherheit verzichtet.

Kein Verständnis

„Jetzt sind wir erneut so dreist und planen ein Gewerbegebiet in einem Wasserschutzgebiet!“, echauffierte sich Diehm. Die Fläche werde voraussichtlich zu 80 Prozent versiegelt. Der sandige Boden sei wichtig für das Grundwasser. Er habe kein Verständnis dafür. Thomas Müller entgegnete, dass die Stadtwerke ein erforderliches Gutachten in Auftrag geben werden.

Bisher gebe es keine ablehnende Stellungnahme. Zudem sei die betroffne Fläche von sehr geringem Ausmaß: Lediglich 0,5 Prozent des Wasserschutzgebiets seien betroffen. Jens Rögener vom Umweltamt ergänzte, dass die Regelungen zum Biotopverbund nicht strikt rechtsverbindlich gehandhabt würden. Zudem sei dort bisher eine Ackerfläche vorhanden, die mit einem Streifen im Sinne des Naturschutzes verbessert werden soll. Es lägen keine entsprechenden Restriktionen vor, was auch das Landratsamt als nächste zuständige Behörde bestätigt habe.

Stadtbaumeister Armin Dattler versicherte, dass die Verwaltung die Ergebnisse der Untersuchung hinsichtlich der Wasserversorgung dem Gemeinderat bei der nächsten Beratung vorlegen werde. Dann könne man exakte Aussagen machen, ob es Auswirkungen gibt. OB Markus Herrera Torrez sicherte dies ebenso zu und sagte in Richtung Richard Diehm: „Ich hoffe, dass Sie mir das auch zutrauen.“

Gefälligkeitsgutachten

Den Sinn von Gutachten zog Christian Ulzhöfer allgemein in Zweifel. Diese seien lediglich dafür vorgesehen, „Sachen durchzudrücken.“ Der Oberbürgermeister widersprach vehement: „Das wirft einen Grad von Bestechlichkeit der Einflussnahme auf Gutachten in den Raum.“ Das sei ein „schwieriger Vorwurf“, den er so nicht stehen lassen könne. „Wenn wir Gutachten in Auftrag geben, machen wir das nach bestem Wissen und Gewissen und nach gültigem Recht. Wir können keine Gefälligkeitsgutachten einholen.“

Gegen den Beschluss, die Planungen voranzutreiben, stimmten Christian Ulzhöfer, Richard Diehm und Marlise Teike. Birgit Väth (Grüne) enthielt sich.

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