Wertheim

Geschichte Wertheimer Ahnenbilder (Teil 56 und 57) / Heinrich Friedrich Platz war kunstbegeistert auf Wanderschaft

Auch bei Platz gab es Schwarz- und Schönfärber

Archivartikel

Wertheim.In der zehnten Ahnenbilderfolge wurden bereits zwei Angehörige Platz vorgestellt, Angehörige der größten Wertheimer Gerbersippe. Nicht alle nachgeborenen Söhne konnten oder durften sich dem angestammten Beruf widmen, so auch Johann Philipp Platz, der den kurzlebigen Färberzweig der Familie begründete.

Als Rotgerbersohn am 4. November 1771 geboren, erhielt er eine Ausbildung als Schwarz- und Schönfärber. 1798 machte er sich selbstständig im Haus Eichelgasse 15, das ihm der Vater überließ.

Zeitgleich verheiratete er sich am 15. Februar 1798 mit Maria Apollonia Österlein, der am 18. April 1775 geborenen Tochter des Nestlers und Handelsmannes Christian Österlein, angesehenen Gerichtsmitglieds, Bürgermeisters und Feldschulheißen. Vier Kinder gingen aus der Ehe hervor.

Christian Friedrich, sein ältester Sohn, Gymnasialprofessor hier und in Karlsruhe, vertrat Wertheim von 1833 bis 1846 als Abgeordneter im Landtag, arbeitete ab 1849 mehrere Jahre als Archivrat im Landesarchiv und starb als Geheimer Hofrat 1876 in Karlsruhe.

In Polen und der Schweiz

Mit Heinrich Friedrich, dem zweiten Sohn, der die Nachfolge in der Färberei antrat, allerdings noch vor dem Vater 1847 starb, beschäftigt sich der folgende Beitrag.

Von den 1807 geborenen Zwillingstöchtern wuchs nur Philippine Maria, genannt Bine, auf; sie blieb ledig. Vater Johann Philipp, der Mitglied des Kirchengemeinderats war, ist am 17. Januar 1851 gestorben, seine Frau Maria Apollonia am 31. März 1859. Die beiden Silhouetten sind Eigentum des Historischen Vereins.

Heinrich Friedrich Platz erblickte am 3. Juni 1803 in Eichelgasse 15 das Licht der Welt als Sohn von Färber Johann Philipp Platz und Maria Apollonia, geborene Österlein. Er besuchte einige Jahre das Gymnasium, trat aber nach der Konfirmation in das väterliche Geschäft ein.

Nach der Gesellenprüfung ging er 1824 bis 1827 auf Wanderschaft. Diese brachte ihn durch ganz Deutschland, nach Russisch-Polen, in die deutsche und französische Schweiz. Das dabei geführte Wanderbuch hat sein Enkel Karl Seldner im Jahrbuch 1927 ausführlich besprochen.

Unter den 1113 Wandertagen stand er 532 Tage in Arbeit, drei Wochen lag er krank. Geistig sehr aufgeschlossen, spürte er historische Denkmäler auf, vor allem in Berlin, wo er in Theater und Oper die großen Darsteller der Zeit erlebte. In Cottbus besuchte er die Familie seines dort sesshaft gewordenen Rotgerberonkels Philipp Jacob Platz.

Heinrich, so sein Rufname, heiratete am 4. August 1831 als Schönfärbermeister die am 19. April 1807 geborene Catharina Apollonia Bach, Tochter des Rotgerbers Georg Nicolaus Bach aus der Maingasse. Zur Verlobung hatte er ihr Klopstocks gesammelte Werke in 13 Bänden geschenkt.

Die Ehe sollte keine lange Dauer haben. Seine Frau wurde lungenleidend und starb am 1. September 1835.

Er selbst folgte ihr am 31. Oktober 1847 im Tod. Lediglich eine Tochter, Maria Apollonia, war ihnen 1832 beschieden gewesen; sie heiratete 1853 Notar August Seldner.

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