Wertheim

Amtsgericht Junger Mann muss hohe Geldstrafe zahlen

Angriff und Beleidigung geahndet

Archivartikel

Wertheim.Wegen tätlichen Angriffs gegen einen Polizisten, Widerstands, Körperverletzung und Beleidigung verurteilte das Amtsgericht Wertheim einen 26-jährigen Mann aus der Main-Tauber-Stadt zur Gesamtstrafe von 8225 Euro (150 Tagessätze je 55 Euro). Beim Delikt tätlicher Angriff beträgt die Mindeststrafe drei Monate oder 90 Tagessätze, die 55 Euro beziehen sich auf das derzeitige Einkommen, zur Zeit Arbeitslosengeld.

Bei einer nächtlichen Polizeikontrolle im Juni hatte der Angeklagte den Ausweis nicht zeigen wollen. Er wehrte sich. Die Beamten legten Handfesseln an und brachten ihn aufs Revier.

Nächtlicher Lärm an der Schule

Eine Anwohnerin des Realschulzentrums Bestenheid hatte gegen drei Uhr gemeldet, viele Leute würden grölen, trinken und Fußballspielen. Die Polizei fuhr mit zwei Streifenwagen zum Einsatzort. Vier Beamte näherten sich von zwei Seiten dem Gelände. Etwa 20 Personen waren anwesend, der Platz mit Flaschen „vermüllt“.

Die Polizei begann mit der Ausweiskontrolle, und der Angeklagte mischte sich mit Worten aggressiv ein. „Dazu besteht keine Verpflichtung, ich kenne mich mit deutschen Gesetzen besser aus,“ sagte er demnach. Einen Polizisten nannte er „Arschloch“. Als der Beschuldigte zur Kontrolle an der Reihe war, ergriff er zwei Flaschen. Nach Aufforderung stellte er eine ab, bezüglich der zweiten kam es zum Gerangel.

Dabei, so zwei Polizisten in ihrer Zeugenaussage, wollte der junge Mann mit der freien Faust gegen den Kopf eines von ihnen schlagen. Der Kollege konnte den Arm abfangen. Der Angeklagte wurde nun unter Überwindung seiner Gegenwehr zu Boden gebracht, gefesselt und die 80 Meter zum Streifenwagen geführt. Auf der Fahrt zum Revier folgten weitere Beleidigungen. Dort war keine Alkoholisierung feststellbar. Nachdem sich der junge Mann beruhigt hatte, durfte er gehen.

In der Verhandlung erklärte der Beschuldigte, er wohne bei den Eltern und habe eine Freundin. Nach abgebrochener Lehre sei er Maschinenbediener gewesen und habe dann coronabedingt den Arbeitsplatz verloren.

Zum Vorfall meinte er, die Polizisten hätten weder einen Mundschutz getragen noch den Abstand von 1,5 Meter eingehalten. Der Schlag mit der Faust sei ungezielt erfolgt. Am Boden habe er keine Luft bekommen und sich gewehrt. Die Beleidigungen seien in Folge von Schmerzen reflexartig erfolgt. Bei einem zweiten Verhandlungstermin ergab die Betrachtung eines Videos, wie vom Angeklagten beantragt, dass es erst nach der Fesselung der Hände aufgenommen war.

Die Referendarin der Staatsanwaltschaft sah in der Beweisaufnahme eine Bestätigung aller Vorwürfe und beantragte eine Strafe von sechs Monaten mit Bewährung. Der Verteidiger bezeichnete nur die Beleidigungen als erwiesen, eine Geldstrafe reiche. Die aggressive Grundstimmung sei auch von der Polizei ausgegangen. Eine objektiven Gefährdungshandlung gegen Polizisten nicht nachweisbar.

Klassische Widerstandshandlung

Das Gericht nannte es eine klassische Widerstandshandlung, wenn einem die Polizei sage, Hände auf den Rücken, und man wehre sich. Die Richterin wies erneut darauf hin, dass gegen den Angeklagten ein weiteres Strafverfahren läuft, wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung. goe

Zum Thema