Wertheim

Geschichte Vor 350 Jahren entstand die Bronnbacher Klosterbrauerei / Abt Heinrich Göbhardt holte einst einen Braumeister aus Bamberg / Jubiläumsveranstaltungen

Als die Mönche den Gerstensaft selbst brauten

Archivartikel

Bronnbach.In dem geistlichen und kulturellen Zentrum der ehemaligen Zisterzienserabtei Kloster Bronnbach im Taubertal kann in diesem Jahr das Jubiläum 350 Jahre Brauereigeschichte gefeiert werden. Bedingt durch die Corona-Pandemie mussten die bisher geplanten Veranstaltungen rund um das Jubiläum in den Herbst beziehungsweise das kommende Jahr verschoben werden.

Bereits im Gilgamesch-Epos über einen sagenhaften sumerischen König des Stadtstaats Uruk, welcher um 3000 v. Chr. das Zentrum der sumerischen Kultur darstellte, ist die Rede von Bier. Von den alten Ägyptern ist bekannt, dass sie Normalbiere und Starkbiere, teilweise mit Safran gefärbt und mit Honig und Anis gewürzt herstellten. Ein eigenes Kapitel in der Kulturgeschichte des Bieres ist insbesondere in Europa den Klosterbrauereien zuzuschreiben, denn hier wurde schon sehr früh für den Eigenbedarf Bier gebraut.

Im christlichen Abendland verstanden es die Mönche als erste, verschiedene Arten von Qualitätsbier zu brauen und bis heute sind die Starkbiere bayerischer Klöster, wie Andechs und Weltenburg berühmt. Viele heute bekannte Brauereien gehen auf ehemalige Klosterbrauereien zurück, die durch die Säkularisation verstaatlicht oder privatisiert wurden.

Braumeister aus Bamberg

Das genaue Datum der Gründung beziehungsweise Einrichtung einer Brauerei im Jahr 1670 in Kloster Bronnbach ist nicht bekannt. Aus vielen Quellen ist allerdings überliefert, dass in Zisterzienserklöstern Bier gebraut wurde. Die Biere der Trappisten, Zisterzienser einer strengen Auslegung der Ordensregeln, genießen einen ausgezeichneten Ruf und gehören zu den besten Bieren der Welt.

In Bronnbach wurde durch den seit 1783 amtierenden Abt Heinrich Göbhardt (1742 bis 1816), der einen Braumeister aus Bamberg nach Bronnbach holte, der Brauereibetrieb ausgebaut. Das Brauhaus wurde 1793 nach den Bedürfnissen der Mönche neu errichtet. Als Läuterbottich war ein Holzbottich in Verwendung in dessen Boden ein von Hand gelochtes Blech eingelassen war.

Jede Abläutercharge wurde zu einem getrennten Bier damals vergoren, weshalb aus einem Sud drei verschiedene Biere entstanden. Aus der ersten Charge entstand das eigentliche Bier, aus der zweiten das sogenannte Pilgerbier und aus der dritten Charge ein äußert dürftiges Gebräu. Interessant ist die Tatsache, dass den Mönchen 1,5 Maß an normalen Tagen und zwei Maß in der Fastenzeit, dem Abt vier Maß täglich zugestanden haben.

Durch die Säkularisation 1803 ging das Kloster Bronnbach an das Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim-Rochefort (später: -Rosenberg) über. Die Brauerei wurde von 1804 bis 1827 verpachtet. Der erste Pächter war der ehemalige Mönch Benedikt Wecklein, der als ehemaliger klösterliche Küchen- und Kellermeister bestens mit der Brauerei vertraut war.

Höhen und Tiefen

Da es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und Problemen mit den Pächtern kam, gab es Überlegungen die Brauerei in eigener Regie fortzuführen. Außerdem wurde die Gewinnspanne des Bieres ermittelt.

Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde der Pachtvertrag mit dem letzten Pächter Johann Weinreich 1832 abgelöst und als Eigenbetrieb fortgeführt. Weinreich verblieb noch bis 1834 in fürstlichen Diensten der Brauerei, und es begann ein langsamer Aufschwung. Im Jahr 1843 wurde die Brauerei in den ehemaligen Krankenbau, heute Sitz des Archivverbunds, verlegt verbunden mit den nötigen Erweiterungen. Es folgten Höhen und Tiefen, die Robert Bruckbauer in seine Dokumentation über die fürstliche Schlossbrauerei Bronnbach herausgearbeitet hat.

So erfolgte beispielsweise 1897 die elektrische Beleuchtung des Betriebes und die Anschaffung eines Lokomobil 1906. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dringende Investitionen und technische Erneuerungen nicht durchgeführt, weshalb die Brauerei unrentabel wurde. Am 1. April 1970 wurden deshalb die Braurechte an Würzburger Hofbräu verkauft. Der Braubetrieb wurde endgültig am 19. März 1974 eingestellt und eine Verkaufsniederlassung beibehalten.

Veranstaltungen

Aufgrund des Jubiläums 350 Jahre Brauereigeschichte bietet das Kulturamt Kloster Bronnbach in Kooperation mit dem Archivverbund Main-Tauber und dem Freundeskreis Kloster Bronnbach interessante Veranstaltungen rund um das Thema Klosterbrauerei und Klosterbier an.

Vorausgesetzt die aktuelle Corona-Lage lässt es zu, findet am 25. September um 17: Uhr eine kleine Wanderung auf den „Spuren der Bronnbacher Schlossbrauerei“ statt.

Am 30. Oktober um 18.30 Uhr wird die Bierprobe mit europäischen Klosterbieren mit freundlicher Unterstützung der Distelhäuser Brauerei im Konventbau nachgeholt. Im Herbst soll ebenfalls im Foyer des Archivverbundes Main-Tauber die Kabinettausstellung 350 Jahre Brauerei Bronnbach – historische Tatsache oder zeitgenössisches Marketing nachgeholt werden.

Der Vortrag des Archivverbundes Main-Tauber mit dem Titel: „Hopfen und Malz, Gott erhalt´s – 350 Jahre Brauereigeschichte in Bronnbach; von der Klosterbrauerei zur Fürstlichen Schlossbrauerei Bronnbach soll nach Möglichkeit stattfinden, wird ansonsten im nächsten Jahr nachgeholt.

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