Wertheim

Kraft tanken In Bronnbach erlebten Teilnehmerinnen eines Kurses erstmals das „Waldbaden“ / Studien belegen positive Auswirkungen

Alle Sinne kommen zum Einsatz

Archivartikel

Wissenschaftliche Studien zeigen die positive Auswirkungen des Waldbadens auf Menschen. Das erlebte jetzt auch eine Gruppe bei einer Entdeckertour des Klosters Bronnbach.

Bronnbach. Eintauchen in die Waldluft, die Natur ganz bewusst wahrnehmen und dem Alltag entfliehen, dies sind nur einige Aspekte, welche die zwölf Teilnehmer des Waldbadens im Wald beim Kloster genossen. Das Waldbaden für Einsteiger wurde von Silvia Friedrich und Karin Pauly angeleitet.

Die beiden sind ausgebildete Waldbadenbegleiterinnen für den Tourismusverband Taubertal. Ihre fünftägige Ausbildung mit Abschlussprüfung dazu hatten die beiden bei der Akademie für Waldbaden in Landau in der Pfalz absolviert.

Die Übungen, welche die Teilnehmer beim Waldbaden erlebten, stammen teilweise aus Japan, dem Ursprung des Waldbadens, und sind alle zertifiziert. Einige Übungen sind auch dem Yoga und Tschigong entnommen.

Wie die beiden Begleiterinnen einleitend erklärten, habe schon Hildegard von Bingen über die Grünkraft des Waldes geschrieben, die Kraft, Energie und Hoffnung gebe. In japan ist die Disziplin unter dem Begriff „Shinrin Yoku“ bekannt. 1982 hatte die Forschung Waldbaden in Japan empfohlen. Seit 2004 gab es verstärkt wissenschaftliche Untersuchungen über die Auswirkungen.

In Deutschland gibt es den besonderen Naturbesuch erst seit einigen Jahren. Verschiedene Studien zeigen, dass das Grün des Waldes beruhigend auf Augen und Hormonsystem wirkt, es die Menschen Kraft sammeln lässt und Gelassenheit gibt.

Sauerstoff tanken

Braun wiederum erdet und stabilisiert, dies hatte schon Hildegard von Bingen festgestellt. „Baden in der Waldatmosphäre bedeutet baden im Sauerstoff“, so die Begleiterinnen. So ist nachgewiesen, dass die Waldluft einen höheren Sauerstoffgehalt hat. Dadurch habe sie wissenschaftlich nachgewiesen positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem des Menschen. Positive Auswirkungen habe auch das Einatmen der Terpine der Nadelbäume. Durch sie würden die Atemwege frei, außerdem sollen sie, laut Studien, positiv auf das Immunsystem wirken.

Wie die beiden Waldbadenbegleiterinnen weiter erklärten, gehe es auch darum, Zeit für sich selbst zu finden und Details der Natur bewusster wahrzunehmen. In den Übungen kamen alle Sinne zum Einsatz. Dabei galt das absolute Prinzip der Freiwilligkeit. „Alles kann, nichts muss“, wurde betont.

Ziel sei es zudem, dass die Teilnehmer „Aha-Erlebnisse“ haben, die sie mit in ihren Alltag nehmen und dort einsetzen können. Das Waldbaden unterscheidet sich grundlegend von einem normalen Waldspaziergang, bei dem man sich auch oft unterhält. „Im langsamen stillen Laufen entdeckt man manchmal Dinge, die man beim normalen Spazierengehen nicht spürt.“ Mit dem Klingen einer Zimbel (kleine Klangbecken) wurden die jeweiligen Übungen eingeleitet.

Alltag zurücklassen

Beim Einstiegsritual galt es, ganz bewusst über einen Stock zu steigen, der auf dem Weg lag. Dabei sollten die Teilnehmer gezielt alles zurücklassen, was sie im Alltag beschäftigt. Bei der ersten Übung betonten die Expertinnen, der Mensch sei immer beschäftigt und von der Zeit getrieben.

So ging es in der Übung darum, dies und alles um sich herum auszublenden und sich nur auf das langsame Schlendern zu konzentrieren. „In Japan setzt man dazu einen Fuß vor den anderen und rollt bewusst von der Verse zu den Zehen ab.“ Der Blick ist dabei auf den Boden gerichtet. Die Konzentration soll ausschließlich auf dem Weg liegen.

Bei der Übung „Sonnenbaden“ ging es darum, sich im Sonnenlicht mit geschlossenen Augen langsam zu drehen und die Sonne mit allen Sinnen wahrzunehmen. Eine weitere Übung zur Achtsamkeit war das Malen eines inneren Bildes. Nachdem jeder einen selbstgewählten Teil der Landschaft betrachtet hatte, schlossen die Teilnehmer die Augen und malten das Gesehene vor ihrem inneren Auge.

Materialien befühlt

Etwas weiter auf dem Weg wurde die Natur mit allen Sinnen erfahren. Dazu wurden Materialien aus dem Wald befühlt, der Geruch von Moos, Nadelbäumen und weiterem bewusst wahrgenommen. Wichtig war dabei den Begleiterinnen, dass nichts abgerissen wird. „Wir nehmen nur, was der Wald uns gibt!“

Um das bewusste Wahrnehmen ging es auch bei der Verkostung von Wein und Traubensaft. Neben dem Geschmack achteten die Teilnehmer auf Geruch und das Mundgefühl.

Das Abschlussritual schloss wieder am Einstieg an. Erneut stiegen die Teilnehmer über den Stock. Nun ging es aber darum, die positiven Erfahrung aus dem rund 90-minütigen Waldbaden mit in den persönlichen Alltag zu nehmen.

Sowohl im Programm des Kloster Bronnbachs, als auch in anderen Gemeinden der Region wird es weitere solche Angebote geben. Neben der Einsteiger-Tour sind auch Angebote geplant, die auf dieser aufbauen.

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